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Glosse - Das Kind im Präsidenten

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Verletzter Stolz und missverstandene Gefühle - es ist nicht leicht, der Präsident der USA zu sein. Und dann der große Streit um die Autos. Armer Donald Trump. Eine Glosse.

Reinhard Schlieker und Donald Trump
ZDF-Wirtschaftsexperte Reinhard Schlieker nimmt Donald Trumps Art Politik zu machen unter die Lupe. Und aufs Korn. Quelle: ZDF/dpa

Donald Trumps Weltbild ist schlicht und leider wenig ergreifend. Jüngstes Projekt des sprunghaften Mannes: Ein Gesetz aus dem Jahre 1962 soll helfen, Amerika, und hier besonders die Autoindustrie, innovativ zu machen. Nach dem Buchstaben jenes Gesetzes, das der Präsident mutmaßlich vorgestern noch nicht einmal kannte, wird nun untersucht, ob die Autoimporte des Landes die nationale Sicherheit gefährden – weil sie die US-Industrie daran hindern könnten, selbst neue Technologien zu entwickeln. Darauf muss man erst einmal kommen.

Per Twitter, natürlich, erfuhren die Autoarbeiter in Detroit und anderswo, dass die Zeit ihrer Leiden nun vorbei sei, denn Zölle auf Autoimporte würden sie ruck-zuck wieder ans Fließband bringen. Ob sie wollen oder nicht, möchte man sagen. Statt beschlossene Akte der Legislative umzusetzen (etwa die Russland-Sanktionen), wozu er als Präsident verpflichtet wäre, begibt er sich auf neue Kriegsschauplätze, wo es im Übrigen nach Ansicht aller maßgeblichen Experten nichts zu gewinnen gibt. Zu denen gehört sein Handelsminister Wilbur Ross sicherlich nicht, der das wunschgemäß ausgeheckt haben soll.

Offenbar haben die mehrfach ausgetauschten Funktionsträger im Weißen Haus nun ihre Rollen gefunden - entweder als "Mouthpiece" des Herrschers im ovalen Büro oder als Rechercheure jener denkbaren Vorschriften, die zu den Einfällen des in der Vergangenheit lebenden Präsidenten passen könnten. Der Multimillionär fühlt sich generell schlecht behandelt. Seine jüngsten Ausfälle zum Beispiel gegen den Internethändler Amazon und vor allem dessen Chef Jeff Bezos haben nach wirklich gut informierten Quellen einfach auch damit zu tun, dass Bezos der reichste Mann des Planeten ist - und Trump mittlerweile auf Rang 766 abgerutscht ist.

Verletzte Eitelkeiten auf allen Seiten

Während der Präsident auf der einen Seite die alten Strukturen der Autoindustrie wiederbeleben will, verkämpft er sich im Krieg gegen Amazon, indem er die amerikanische Bundespost (eine unabhängige Behörde) dazu antreibt, dem Konzern das Porto zu verdoppeln - Druck auf die Chefin der Post aus verletzter Eitelkeit? Fast will es scheinen, dass seine Drohung mit bis zu 25 Prozent Auto-Importzoll auf einer ähnlichen Gefühlslage beruht.

Kränkung scheint das große Thema des ansonsten kleingeistig erscheinenden Mannes zu sein, sei es im Umgang mit China, sei es in den Hakeleien mit dem nordkoreanischen Kim, der durchaus als ebenso kindliches Gemüt wie Trump erscheinen darf, wären da nicht diese Atomwaffen ... Nur daher hofft die Welt, es doch mit Erwachsenen zu tun zu haben.

Das größte Werk von BMW befindet sich in Amerika

Ach so: Etwa 30 Prozent der europäischen Autos, die in den USA verkauft werden, sind auch aus dortiger Produktion. Das größte Werk des Herstellers BMW befindet sich in Amerika, und nach dem Nettowert der von dort exportierten bayerischen Karossen ist BMW größter Exporteur der USA. Und wer ist zweiter? Richtig: Daimler. Was Trump kaum beruhigen dürfte, auch wenn in den Werken ja ebenfalls uramerikanische Arbeiter schrauben und schweißen. Haben die nach Trumps Vorstellungen nun die Lizenz zum Löten genauso wie die Schrauber von GM oder Ford?

Übrigens, Ford: Die haben ein sehr großes Werk in Köln. Gegenmaßnahmen der EU wären für die US-Industrie nicht folgenlos, deshalb ist von seiten dieser so reichlich Beglückten auch kein Jubel überliefert. Amerikanische Autos bestehen zudem nämlich zu einem großen Teil aus importierten Komponenten - so ist das nun mal in einer globalisierten Welt. Sollen nun wirklich amerikanische Ingenieure daran gehen, den Airbag zu erfinden? Oder die GPS-Navigation? Oder sonstwas, das mit auswärtigen Patenten geschützt ist? Die Frageliste ließe sich fast beliebig verlängern - aber lange fackeln ist die Sache dieses Präsidenten nicht.

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