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20 Jahre Xetra-Handel - Mensch oder Maschine?

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Schnell, international und transparent: Vor 20 Jahren startete an der Frankfurter Börse der elektronische Xetra-Handel. Trotz anfänglicher Kritik hat sich das System bewährt.

20 Jahre Xetra-Handel an der Börse in Frankfurt
20 Jahre Xetra-Handel an der Börse in Frankfurt Quelle: reuters

Am 28. November 1997 erlebte die Deutsche Börse ihren "Tag X": Nach jahrelangen Vorarbeiten läutete die Börsenglocke an diesem Morgen den elektronischen Handel ein. Die Tage des Börsenparketts mit seinen gestikulierenden und lautstark rufenden Händlern schienen gezählt. Xetra, das Computerhandelssystem, ist heute Standard - aber das Parkett gibt es immer noch.

Epochenwechsel an der jahrhundertealten Börse

"Exchange Electronic Trading" lautet die englisch-sperrige Bezeichnung, kurz Xetra, unter der Computer in Sekundenbruchteilen Aktiengeschäfte ausführen. Anfangs galt ein Richtwert von zwei Sekunden, um Angebot und Nachfrage zusammenzubringen, ein Geschäft abzuschließen und damit den aktuellen Kurs eines Wertpapiers festzustellen. Heute, in den Zeiten des ultraschnellen Datenverkehrs, erscheint das wie eine Ewigkeit - wir reden inzwischen von tausendstel Sekunden.

Das sind Zeitspannen, die ein tatsächlich anwesender Händler oder Kursmakler alter Schule nicht hinbekommen könnte. Und so vervielfachte sich denn auch mit der Einführung von Xetra das Geschäftsvolumen. Und alles wurde transparent: Jeder kann seit jenem Epochenwechsel in das Orderbuch blicken und klar erkennen, zu welchen Preisen Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers gerade möglich ist. Gier und Angst, die Grundgefühle der Börse, in kalten Zahlen ersichtlich.

Illegaler Vorsprung durch Technik

Und der menschliche Faktor? Kritiker der seelenlosen Computer behielten im Laufe der ersten Jahre vielfach Recht. Es kam, kaum vermeidlich, zu regelwidrigem Ausnutzen der Offenheit - etwa wenn findige Naturen Scheinangebote ins Börsen-Netz stellten, um Kurse zu manipulieren. Vor allem Privatanleger machten mitunter böse Erfahrungen, wenn bei kleineren Firmen deren Aktienkurs wilde Sprünge absolvierte, ohne dass dies von realen Bedingungen so gestützt worden wäre. Wer da zu einem erratisch auftauchenden Phantasiekurs kaufte, saß womöglich schon Minuten später auf dicken Verlusten.

Der Börsenbetreiber steuerte dagegen an, es wurden Lücken geschlossen und Löcher gestopft. Nur eines blieb von vorneherein klar: Dem Computerhandel gehörte die Zukunft. Schließlich waren aber auch Menschen zum Erzeugen wilder Kurssprünge durchaus in der Lage, etwa, als die kleine Porsche AG sich in großem Stil mit VW-Papieren eindeckte beim Versuch, den Wolfsburger Konzern zu übernehmen. Da wurden VW-Anteile plötzlich knapp und stiegen im Preis, wenn auch vielleicht nicht im Wert, in schwindelerregende Höhen, nur um bald wieder den Rückwärtsgang einzulegen.

Turbulente Zeiten und ruhiger Fortschritt

Zum Zeitpunkt der Xetra-Taufe 1997 stand außerdem noch der sagenhafte, später eher berüchtigte "Neue Markt" noch bevor. Diese Plattform für zukunftsträchtige Technologieunternehmen an der Börse sorgte für Schlagzeilen, irrationale Kurse und zahlreiche Pleiten, als es dann mit dem Rausch kurz nach der Jahrtausendwende vorbei war. Der Xetra-Handel hatte das schnelle Hin und Her mit den teils völlig substanzlosen Papieren zumindest nicht gerade geglättet. Für betrügerische Geschäftsmodelle smarter Blender aber konnte die Technik nichts, da waren vielmehr urzeitliche Instinkte am Werk.

Dennoch bewährte sich in dieser Zeit der Mensch in seiner Ausprägung als Börsenmakler. Auf dem Parkett schauten sich die Spezialisten alle Kurse und Geschäfte noch einmal an - eine Plausibilitätsprüfung, die in den Anfangszeiten von Xetra dem Computerprogramm noch fehlte.

Heute finden die Mitarbeiter von Banken weiterhin ihren Platz in Frankfurt. Der Börsensaal ist als Sinnbild und Kulisse von schwer zu übertreffendem Wert für die Frankfurter Börse. Auch wenn statt Rufen und Gestikulieren nur das Schweigen der Datenleitungen den Handel bestimmt. Schnell, viel billiger, und weltweit als Exportschlager verbreitet, das ist Xetra heute. Am Nachfolger des Systems aber wird bereits gearbeitet, denn nichts währt ewig, und 20 Jahre sind auf diesem Gebiet schon fast eine Ewigkeit. Der erste Stand übrigens, den Xetra damals für den deutschen Aktienindex DAX ermittelte, lautete 3.966,02 Punkte. Dieser Wert hat sich bis heute - ungeachtet aller Turbulenzen - mehr als verdreifacht.

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