Sie sind hier:

Nach Äußerungen zu Charlottesville - Empörung nach Trumps Schlingerkurs

Datum:

Nach Donald Trumps Rolle rückwärts zu den Vorfällen in Charlottesville wächst die Kritik am US-Präsidenten - unter den Bürgern und immer mehr auch in seiner Partei. Positive Reaktionen hingegen bekommt sein Vorgänger Barack Obama: Ein Tweet des früheren Präsidenten bricht alle "Like"-Rekorde.

Zunächst war Trump von seinen ersten verharmlosenden Äußerungen zum Gewaltausbruch rechtsextremer und rassistischer Gruppen in Charlottesville abgerückt. Nun hat er erneut beide Seiten beschuldigt und dafür Lob von Ku-Klux-Klan-Anhängern bekommen.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Nach heftigen Protesten auch aus seiner eigenen Republikaner-Partei hatte sich US-Präsident Trump am Montag von der rechtsextremen Gewalt in Charlottesvilles distanziert. Einen Tag später kehrte er zu seiner umstrittenen Position vom Wochenende zurück, in der eine klare Schuldzuweisung vermieden hatte. Beide Seiten, die Rechtsradikalen wie die Gegendemonstranten, seien für die Eskalation verantwortlich, sagte Trump am Dienstag bei einer Pressekonferenz in New York. Beifall kam vom früheren Anführer des Ku Klux Klans, David Duke. Er dankte Trump nach dessen Pressekonferenz für seinen "Mut, die Wahrheit" zu sagen und "die linken Terroristen zu verurteilen".

Republikaner-Chef: Rassismus klar verurteilen

Über die Parteigrenzen hinweg und auch international lösten die neuen Äußerungen des US-Präsidenten hingegen Empörung und Entsetzen aus. Gewerkschaftspräsident Richard Trumka quittierte seinen Dienst im Beraterteam für die Industrie und schloss sich damit mehreren Firmenchefs an, die in den vergangenen Tagen Trump den Rücken gekehrt hatten. "Wir können nicht dem Beirat eines Präsidenten angehören, der Intoleranz und heimischen Terrorismus toleriert", erklärte Trumka.

Der republikanische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, verlangte eine eindeutige Verurteilung des "abstoßenden" Rassismus. Der demokratische Senator Bernie Sanders erklärte, Trump "beschämt unser Land und die Millionen Amerikaner, die gegen die Nazis gekämpft haben und dabei gestorben sind." Basketballstar LeBron James twitterte, dank Trump sei "Hass wieder schick".

ZDF-Korrespondentin: Trump riskiert Rückhalt

Die neuen Äußerungen zeigten deutlich, "wie der Präsident wirklich denkt", sagt ZDF-Korrespondentin Britta Jäger. Das Statement vom Vortag, in dem er Neonazis und den Ku-Klux-Klan scharf kritisierte, sei hingegen vorbereitet gewesen, Trump habe es vom Teleprompter abgelesen. Nun sei klar, "dass er auf gar keinen Fall Rechten die alleinige Schuld an den Vorfällen in Charlottesville geben möchte", so Jäger. "Vielleicht auch, weil die Rechten einen Großteil seiner Wählerschaft ausmachen."

Das sei auch ein Affront gegenüber seinen Republikanern. "Die Partei muss sich natürlich fragen, was machen wir mit so einem Präsidenten, der offenbar seine Hand schützend über Rechte hält, als würde das für die Partei generell gelten", sagt Jäger. "Trump muss sehr aufpassen, dass er den Rückhalt in seinen eigenen Reihen nicht vollends verliert."

Auf der Pressekonferenz verteidigte Trump auch seinen Chefstrategen Steve Bannon, dessen einstiges Internet-Portal "Breitbart News" für das Erstarken der rechten Alt-Right-Bewegung mitverantwortlich gemacht wird. Er möge Bannon, dieser sei ein Freund und "kein Rassist". Zur Zukunft Bannons im Weißen Haus äußerte er sich aber nur vage. US-Medien hatten berichtet, Bannon stehe möglicherweise kurz vor der Entlassung.

Maas: Trumps Äußerungen "unerträglich"

Auch international wächst die Kritik an Trump. UN-Generalsekretär Antonio Guterres schrieb via Twitter: "Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit vergiften unsere Gesellschaften." Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) warf dem US-Präsidenten vor, Antisemitismus und Rassismus zu verharmlosen. Es sei "unerträglich", wie Trump die Gewalt "beim Aufmarsch der rechtsextremen Horde von Charlottesville jetzt auch noch beschönigt".

Am Samstag hatten in Charlottesville im Bundesstaat Virginia Mitglieder mehrerer rechter Gruppen demonstriert; Auslöser war die geplante Entfernung eines Denkmals für einen General der Konföderierten-Armee, die während des Bürgerkriegs für die Beibehaltung der Sklaverei gekämpft hatte. Eine 32-jährige Frau wurde getötet, als ein 20-jähriger mutmaßlicher Neonazi sein Auto in eine Gruppe von Gegendemonstranten steuerte. In einer ersten Reaktion hatte Trump zunächst von Gewalt auf "vielen Seiten" gesprochen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.