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Essbares und Natural Branding - Schluss mit Plastik - Verpackung neu gedacht

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Plastikverpackungen stehen zur Zeit schwer in der Kritik. Umweltfreundliche und nachhaltige Alternativen werden deshalb dringend gesucht. Einige gibt es sogar schon.

NaturalBranding wurde auf Obst- und Gemüsesorte aufgedruckt
Natural Branding könnte die Kennzeichnungspflicht für Bio-Produkte umweltfreundlicher gestalten.
Quelle: Eosta / Nature & More

Selbst Obst und Gemüse werden in Deutschland immer häufiger verpackt: Laut Naturschutzbund Deutschland (NABU) landen rund 63 Prozent verpackt im Supermarkt! Das macht 93.000 Tonnen Verpackungsmüll pro Jahr, allein in Deutschland. Dabei wünschen sich mehr als 80 Prozent der Konsumenten, dass Verpackungen bei Obst und Gemüse grundsätzlich weggelassen werden.

Gemüse in Plastik eingeschweißt
93.000 Tonnen Verpackungsmüll für Obst und Gemüse fallen in Deutschland jährlich an.
Quelle: colourbox.de

Oft wird das Obst und Gemüse aber mit gutem Grund verpackt. Nämlich, um einem anderen Problem entgegenzuwirken: Dem Lebensmittelabfall. 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel gehen weltweit verloren, oft, weil sie einfach verderben. Eine Verpackung kann Lebensmittel länger haltbar machen. Aber muss es denn unbedingt Plastik sein? Blaubeeren zum Beispiel halten nach der Ernte durchschnittlich 30 bis 40 Tage – eigentlich. Bis sie nach einem langen Lieferweg bei uns ankommen, sind von dieser Haltbarkeit meist nur noch wenige Tage übrig.

Essbare Verpackung

Im Süden Afrikas erreicht rund die Hälfte der Obst- und Gemüseernte den Markt nicht. Die Lösung: Eine Verpackung, die einfach aufgesprüht wird und so die Haltbarkeit von Lebensmitteln verdoppelt. In Afrika werden schon erste Manioks und Mangos damit beschichtet, so dass die Früchte nun lange genug haltbar sind, um sie nicht nur für den Eigenbedarf zu nutzen, sondern sogar um sie auf dem Markt verkaufen zu können.

Entwickelt hat die essbare Verpackung der US-Amerikaner James Rogers. Der Wissenschaftler recherchierte 2012 zum Thema Lebensmittel. "Ich erfuhr, dass in den USA bis zu 50 Prozent der geernteten Produkte auf einer Mülldeponie landen, noch bevor sie im Supermarkt liegen. Das hat mich umgehauen", so Rogers. "Wir haben eigentlich kein Problem damit, genug, frische Produkte zu züchten. Das Problem liegt darin, sie nach der Ernte zu lagern."

Er entwickelte eine dünne Schicht aus pulverisierten Pflanzenabfällen, die auf Obst oder Gemüse aufgetragen werden kann: unsichtbar, geschmacksfrei, chemiefrei. Sie ist essbar - und sie verdoppelt die Haltbarkeit der Lebensmittel, macht sie robuster! Nahrungsmittel könnten länger gelagert und weiter transportiert werden. Wenn die Schicht perfektioniert wird, könnte vielleicht sogar in vielen Fällen die Kühlkette komplett wegfallen, die Einsparungen an Energie wären immens. Die essbare Extra-Hülle von Avocado und Zitronen hat die Firma schon zur Marktreife gebracht.

Natural Branding

NaturalBranding wurde auf Obst- und Gemüsesorte aufgedruckt
Natural Branding zeigt an, dass es sich bei den Lebensmitteln um Bio-Produkte handelt.
Quelle: Eosta / Nature & More

Ein weiteres Problem, das Supermärkte bisher meist über Verpackungen lösen: Die Kennzeichnungspflicht, etwa darüber, ob ein Produkt "Bio" ist oder nicht. Die Lösung: Natural Branding. Immer mehr Einzelhändler sind interessiert an der Technik, bei der ein Laser die oberste Pigmentschicht der natürlichen Schale entfernt und so jeden gewünschten Schriftzug einbrennt. Erste Supermärkte setzen die Idee schon um.

Laut Handelsblatt schätzt Rewe, mit Natural Branding in Zukunft eine Tonne Plastik und sechs Tonnen Papier pro Jahr einsparen zu können, Edeka plant Einsparungen in Höhe von 50 Tonnen Verpackungsmaterial bei Obst und Gemüse. "Tätowiertes" Obst und Gemüse könnte also schon bald zum Alltagsbild gehören. In Australien ist das Verfahren übrigens schon seit 2009 erprobt.

Wasserflaschen, plastikfrei

Wer an Plastik denkt, denkt unmittelbar an Plastikflaschen: Gedankenlos in die Umwelt geworfen, brauchen sie in der Natur oder im Meer Jahrhunderte, um zu verwittern. Auch hier gibt es findige Ideen, etwa von einem isländischen Produktdesign-Studenten: Er hat eine Wasserflasche aus Rotalgenpulver und Wasser entworfen, die sich mit der Zeit selbst zersetzt. Dank chemischer Optimierung setzt der Zersetzungsprozess erst ein, wenn die Flasche nicht mehr mit Wasser gefüllt ist. Die Flasche sorgte auf einem isländischen Designfestival für Begeisterung, ist aber bisher noch nicht marktreif.

Eine weitere, auf den ersten Blick verrückte Idee: Essbare Wasserflaschen in Tropfenform – groß genug, um den Durst zu löschen, klein genug, um sie mit einem Biss herunterzuschlucken. Das geht dank einer Seetangmembran, die sich auch unverschluckt innerhalb weniger Wochen zersetzt. Die Tropfen "To Go" haben die Londoner Erfinder Rodrigo García González und Pierre-Yves Paslier entwickelt. Bei Marathons und anderen Sportveranstaltungen haben sie ihre Tropfen schon zur Verkostung angeboten, laut Herstellern steht die kaubare Wasserflasche kurz vor der Marktreife. Allerdings: Wäre nicht die naheliegendste Lösung, Kranwasser zu trinken?

Das ewige Gurkenbeispiel

Salatgurke in Plastik eingeschweißt
Verpackungen bei Gurken werden häufig kritisiert, können aber die Haltbarkeit signifikant verlängern.
Quelle: reuters

Die Absurdität von Lebensmittelverpackungen scheint die Gurke auf die Spitze zu treiben: Eigentlich von der Natur bestens mit einer Verpackungsschale versehen, wird sie - insbesondere als Bio-Gurke – immer wieder in einen Plastikschlauch gepackt. Dennoch gibt es einzelne Supermärkte, die die Gurke unverpackt, mit "Natural Branding" versehen in den Auslagen haben.

Das Deutsche Verpackungsinstitut ruft jedoch zur Verteidigung der Gurkenverpackung auf. Der "Plastikstrumpf" sorge für eine signifikant längere Haltbarkeit und sei damit durchaus nachhaltiger als die unverpackte Gurke, die den Transportweg nicht übersteht oder vertrocknet im Müll landet. "Eine Salatgurke hält ihre Frische unverpackt etwa drei Tage. Verpackt sind es rund 20 Tage", berichtet Thomas Reiner vom Deutschen Verpackungsinstitut dem Handelsblatt.

Die "plan b"-Doku "Schluss mit Plastik" sehen Sie heute um 17:35 Uhr im ZDF oder jetzt schon in voller Länge hier und in der ZDF Mediathek:

Kaufen, öffnen, wegschmeißen. Verpackungen verursachen gigantische Mengen Plastikmüll. Jeder Deutsche produziert 220 Kilo Verpackungsmüll im Jahr. Damit sind wir Spitzenreiter in Europa.

Beitragslänge:
30 min
Datum:
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