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"Schlussrunde" zur Bundestagswahl - "Alles gar nicht bös gemeint"

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Kaum eine Wahlkampfveranstaltung ohne Brüll-Kommando. AfD-Spitzenkandidat Gauland hat die Schuld seiner Partei daran zurückgewiesen. "Wir haben das nicht organisiert", sagte er in der "Schlussrunde". Vor der Wahl saßen die Parteien noch mal zusammen. Versöhnliches gab es auch.

Schlussrunde zur Wahl bei ARD und ZDF mit Vertretern von CDU, CSU, SPD, Grünen, AfD und Linken. Eine Zusammenfassung.

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So ähnlich könnte es bald werden: lauter, etwas schärfer im Ton, jeder will zu allem zu Wort kommen. Ganze sieben Parteien haben die Chance, in den Bundestag zu kommen. Drei Tage vor der Bundestagswahl saßen sie jetzt in der Sendung "Schlussrunde" von ARD und ZDF noch einmal zusammen an einem Tisch. Die, die schon drin sind im Bundestag: CDU und CSU, die eine Fraktionsgemeinschaft bilden, SPD, Linke, Grüne. Und die, die vermutlich neu dazu kommen: AfD und FDP. Ihnen allen ging es vor allem darum, die letzten unentschlossenen Wähler für sich zu gewinnen. Doch bevor sie über die großen Themen reden, geht es wie immer in diesen Tagen erst einmal um die AfD.

Sechs gegen einen, meistens

Sechs gegen einen, die Fronten sind klar. AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland im Verteidigungsmodus: Für die Brüllerei auf den Wahlkampfveranstaltungen, mit denen vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihren Auftritten zu kämpfen hat, seien von seiner Partei nicht organisiert. Einmal nur, in Brandenburg an der Havel, seien AfD-Mitglieder mit Bussen zur Merkel-Veranstaltung zusammengetrommelt worden, sagt er. "Sonst gibt es keine Organisation", so Gauland. Eine Strategie der Tabu-Brüche? "Gibt es nicht", so Gauland. Der Vorwurf, in der AfD seien Nazis? "Sie wissen offensichtlich nicht mehr, was Nazis sind", hält er Manuela Schwesig, Vize-Parteichefin der SPD, entgegen.

Nur in einem sind sich alle offenbar einig: So schlimm sei die Brüllerei auf den Marktplätzen nun auch wieder nicht. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) findet zwar "Brüllen ist nicht in Ordnung". CSU-Spitzenkandidat Joachim Herrmann hält das alles aber für "nicht so dramatisch". In den 80er Jahren, als CSU-Ikone Franz-Josef Strauß auf den Marktplätzen stand, sei es viel lauter gewesen. Das findet nun auch Gauland: "Wir sollten nicht so empfindlich sein." Er werde auch jedes Mal "niedergeschrien". Die Ursachenforschung, warum die Menschen so lautstark auf den Marktplätzen auftreten, gelingt in dieser Runde nicht.

"Können wir über die Alltagsprobleme reden"

Zurück zu den wirklichen Themen. Rente, Bildung, innere Sicherheit, Digitalisierung, über all das wird dann auch noch gesprochen. Und zwar so ähnlich wie in den vergangenen Wochen des Wahlkampfes: Von der Leyen findet, dass viel erreicht wurde. Schwesig irgendwie auch, aber das es eben nicht allen gut gehe. Herrmann hält Bayern für das leuchtende Vorbild für ganz Deutschland. Das findet Karin Göring-Eckardt von den Grünen nun gerade nicht. Und Sahra Wagenknecht von den Linken glaubt, dass die Politik der Koalition in den vergangenen Jahren eine Partei wie die AfD erst möglich gemacht habe. Bleibt noch die FDP mit ihrem Parteichef Christian Lindner, dem es zu viel um die AfD geht. Er lässt zwischendurch einen "Ordnungsruf" los: "Können wir über die Alltagsprobleme reden?" Er will wissen, was die AfD zum Schulausfall etwa im Programm hat. "Da muss man sie doch stellen!"

Zum Schulausfall gab es jetzt konkret nichts. Aber es geht lange darum, ob der Bund mehr in die maroden Schulen und in die Digitalisierung investieren muss. Eigentlich ja, das sind sich alle einig. Fragt sich nur, wie viel die Länder künftig dabei noch mitsprechen dürfen. Lange wird auch über das Thema Rente gesprochen. Als CSU-Spitzenkandidat Herrmann Altersarmut für eine statistische Rechengröße hält, findet Linken-Spitzenkandidatin Wagenknecht das "unverschämt". Auch die SPD will mehr für die Rentner tun, da bricht es aus von der Leyen aus: "Frau Schwesig, wo sind Sie denn in den letzten vier Jahren gewesen?" Alle Reformen, wie Mütterrente oder verbesserte Erwerbsminderungsrente, hätten doch beide in der Großen Koalition zusammen durchgesetzt. "Wir wären doch mit dem Klammersack gepudert, wenn wir das jetzt in die Tonne treten!" Nur Gauland schweigt bei diesem Thema: Die AfD hat nämlich kein Rentenkonzept. "Da kann ich nichts vortragen."

Jamaika, Große Koalition, oder eben nicht

Aber natürlich, wie im Bundestag auch, wird zwischen den Parteien nicht nur gestritten. Sie verstehen sich in vielen Dingen ganz gut, auch wenn man das nicht so gerne zeigt, schon gar nicht vor Wahlen. Herrmann gesteht Wagenknecht trotzdem eine richtige Analyse zu. Göring-Eckardt sagt: "Da hat Herr Lindner mal Recht." Der wiederum zwar austeilt "Typisch CDU!", dann aber schnell ein "gar nicht bös gemeint", hinterher schiebt. Und wenn sich zwischen CSU und FDP doch mal ein kleiner Konflikt auftut, den Schwesig mit "Da sieht man mal, was Schwarz-Gelb bringen würde" kommentiert, kontert Lindner: "Lebendige Debatten in Sicherheitsfragen!" Präferenzen für eine Jamaika- oder wieder eine Großen Koalition kann man da herauslesen. Muss man aber nicht. Nur weil Lindner sagt: "Ich glaube, es wird eine neue große Koalition geben", muss das noch nicht so kommen.

So ist das, wenn der Wahlkampf sich dem Ende neigt. Die großen Schlachten sind geschlagen, die großen Themen ausdiskutiert und die Argumente ausgetauscht. Jetzt kann jeder Kandidat nur noch hoffen, sich auf den letzten Metern nicht zu blamieren. Durch eine unbedachte Bemerkung, durch einen gedankenlosen Tweet. Und dass kein Geheimdienst mit irgendwelchen geleakten Unterlagen mehr um die Ecke kommt. Spätestens ab Montag geht es dann um eine mögliche Regierung. Und die, die sich heute noch streiten, sitzen morgen schon zusammen am Verhandlungstisch.

Zurück zum Wähler

Fragt sich also nur noch, wie viele Prozente die einzelnen Parteien dann mitbringen.
In der "Schlussrunde" mussten sie am Ende alle einen Tipp abgeben. Von der Leyen: 40 Prozent für die CDU. Schwesig: "Besser als in den Umfragen." Wagenknecht: "Zweistellig." Göring-Eckardt: "Locker zweistellig." Linder: "Wir werden dritte Kraft." Nur Gauland sagt: "Daran beteilige ich mich nicht." Wenn man alle kleineren also mit mindestens elf Prozent berechnet plus 40 CDU plus mindestens 23 SPD wären das - mehr als 100 Prozent. Drei Tage noch, dann darf der Wähler entscheiden.

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