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Kommentar zu Schulz' Abgang - Sein Fall stürzt das ganze Land in die Krise

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Selbst Schuld, Genossen! Ginge es nur um die SPD, reichte das als Kopfschütteln über den längst überfälligen Abgang von Martin Schulz von der politischen Bühne in Deutschland.

Kommentar: Wulf Schmiese zu Martin Schulz
Kommentar: Wulf Schmiese zu Martin Schulz
Quelle: ZDF

Doch sein Fall stürzt das ganze Land in die Krise. Und zwar der ganze Fall Martin Schulz – vom Aufstieg bis zum Absturz. Nur ein Jahr dauerte Schulz' Blitzkarriere. Die SPD hatte von Anbeginn auf den Falschen gesetzt in ihrer Not. Fehlgeleitet durch einen Handel unter Männern, der nun alles ins Wanken bringt. Die Fortsetzung der Großen Koalition ist völlig offen.

Vor einem Jahr hatte Sigmar Gabriel keine Lust mehr – weder auf den SPD-Vorsitz noch auf die Kanzlerkandidatur. So übergab er das Ruder - ohne Absprache mit irgendwem in der Partei - an Schulz.

Wie der Gabriel, so der Schulz

Gabriel handelte eigenmächtig und eigennützig zugleich. Denn in Schulz sah er einen der wenigen in der SPD, dem er glaubte vertrauen zu können für seinen eigentlichen Plan: Er wollte Außenminister werden, und das wollte er bleiben. Auch in einer künftigen Großen Koalition. Das war der Deal. Schulz hatte ihm darauf sein Wort gegeben, wie Gabriel engsten Mitwissern schon damals anvertraute.

Dieses Wort hat Schulz nun gebrochen. Er handelte exakt wie Gabriel vor einem Jahr. Wieder ohne sichtliche Rücksprache mit irgendwem in der sonst so basisdemokratisch auftretenden SPD gab nun Schulz die Parteiführung eigenmächtig weiter, um die eigene Karriere halbwegs zu retten. Er erkor Andrea Nahles zur Nachfolgerin, um wenigstens noch Außenminister werden zu können.

Schulz' Erfolglosigkeit als Kanzlerkandidat und seine Überforderung als Parteivorsitzender – beides hat er selbst reumütig eingestanden – hinderten ihn nicht daran, mehr als dreist zu handeln. Erst erpresste er von der Union auch noch das Außenministerium für die SPD, dann offenbarte er seinen Geheimplan.

Ob die mitverhandelnden Genossen davon wussten? Ob sie ihn sogar darin bestärkt haben - um ihn abzuschieben? Wäre das so, trügen sie eine Mitschuld am angerichteten Vertrauensverlust. Die Führung des Auswärtigen Amts ist keine goldene Uhr zum Abschied, kein Trostpreis für Gescheiterte.

Das haben führende Genossen erkannt – und nun Schulz' üblen Plan durchkreuzt. Gabriel handelte aus Rache, weil er sich vom falschen Freund nicht ausbooten lassen will. Andere aber handelten, weil sie Gespür für Anstand im eigenen Partei- und Wahlvolk fürchten. Doch der Schaden ist da.

Zweifelsohne wäre Andrea Nahles eine fähige SPD-Vorsitzende. Doch Schulz hat sie durch sein egoistisches Treiben bereits mitbeschädigt, noch bevor sie die Partei führen kann. Sie kann nun auch schlecht das Außenministerium zurücktauschen mit der CDU. Obgleich sie weiß, wie hilfreich das für Angela Merkel wäre, um die vor Wut brodelnde CDU-Basis etwas zu besänftigen.

Der falsche Handel, den Gabriel für sich begann und Schulz für sich fortsetzen wollte, kann jetzt ungeahnte Folgen haben: für die SPD, für das Zustandekommen einer weiteren Großen Koalition – und damit für ganz Deutschland.

Dem Autor folgen auf Twitter: @wulfschmiese

Auf Druck der eigenen Partei verzichtet Martin Schulz auf das Amt des Außenministers.

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