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Doppelmord in Schnaittach - Ehepaar getötet und eingemauert: Urteil erwartet

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Ein Ehepaar wird brutal erschlagen und in einem Teil des Hauses eingemauert. Der Sohn des Paares und dessen Frau stehen in Nürnberg vor Gericht. Heute soll das Urteil fallen.

Haus des erschlagenen und eingemauerten Ehepaars
Das Haus im fränkischen Schnaittach, in dem sich die Bluttat ereignete. (Archivbild)
Quelle: dpa

Von der großen Liebe zwischen den beiden Angeklagten - Ingo P. und seiner Frau Stephanie - ist offenbar nicht mehr viel übrig. Beide würdigen sich keines Blickes in Saal 600 des Nürnberger Justizpalasts. Seit Beginn des Prozesses um den Doppelmord im fränkischen Schnaittach im Februar wird versucht, ein möglichst umfassendes Bild der Angeklagten zu zeichnen:

Ingo P., heute 26 Jahre alt, Informatiker, intelligent, ehrgeizig, labil, manchmal auch gewalttätig. Er ist das lange ersehnte Wunschkind von Elfriede und Peter P., wächst überbehütet auf und wird oft gemobbt. Sein großer Wunsch ist es, eine eigene Familie und Kinder zu haben.

Im Internet lernt er Stephanie kennen, eine Kinderpflegerin. Zeugen beschreiben sie einerseits als schüchtern und naiv, andererseits als Ich-bezogen, eifersüchtig und als jemand, der es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt. Bald schon schmiedet das Paar Heiratspläne.

Angeklagte sollen Tat gemeinsam geplant haben

Die Anklage ist sich sicher, dass die beiden jungen Leute in den Eltern von Ingo P. ein Hindernis für eine glückliche Beziehung in dem Haus in Schnaittach sahen. Deshalb sollen beide gemeinsam ab Herbst 2017 den Entschluss für die Tat gefasst haben. Zunächst hätten sie versucht, die 66 Jahre alte Mutter, später auch den 70-jährigen Vater zu vergiften. Doch das funktionierte nicht.

In der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember 2017 soll Ingo P. mit einem Zimmermannshammer mindestens zwölfmal auf den Kopf seiner überraschten Mutter eingeschlagen haben. Dann sei es zu einem Kampf mit dem Vater gekommen. Dabei habe ihm Ingo P. letztendlich die tödlichen Schläge auf den Hinterkopf verpasst. Stephanie sei zwar nicht am Tatort gewesen, habe aber von den Taten gewusst, sie mitgeplant und unterstützt. Am 28. Dezember meldet Ingo P. seine Eltern als vermisst, einen Tag später heiratet er Stephanie.

Auftritt im Regionalfernsehen

Für Aufsehen sorgt ein Auftritt im Regionalfernsehen. Ingo und Stephanie P. bitten um Hinweise zum Verbleib der Eltern und betonen, wie schmerzlich sie beide vermissen.

Nur ein paar Tage später entdeckt die Polizei die Leichen von Elfriede und Peter P. - im Anbau der Garage des Hauses. Der Tatort, die Wohnung der Eltern, ist notdürftig renoviert.

Für Staatsanwalt Stefan Rackelmann passt alles zusammen. Er nennt eine Reihe von Motiven. Allen voran Habgier, um möglichst schnell an das Haus und das Erbe zu kommen. Für beide Angeklagten fordert er deshalb lebenslang - für Ingo P., der die Tat nach Überzeugung der Anklage ausgeführt hat, zusätzlich die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und Sicherungsverwahrung.

Verteidigung sieht keine konkreten Beweise

Nicht haltbar, kontert die Verteidigung. Die Ausführungen des Staatsanwalts seien eine mögliche Sicht, konkrete Beweise dafür aber würden fehlen. So etwa haben Ärzte keine Hinweise auf Gift bei den Eltern gefunden.

Der Anwalt von Ingo P. zieht gar den Tatzeitpunkt in Frage und hält auch Stephanie als Tatausführende für möglich. Am Ende fordern die jeweiligen Verteidiger, ihre Mandanten vom Mordvorwurf freizusprechen.

"Das Leben zurückdrehen"

Als die Richterin den Angeklagten das letzte Wort erteilt, schweigt Stephanie P., Ingo P. hingegen erklärt, er habe Fehler gemacht, aber nicht so extrem, wie ihm vorgeworfen werde. Und: Er wünsche sich, dass er sein Leben zurückdrehen könne, auf die Zeit vor dem Tod der Eltern.

Wer hat was getan in diesem Fall - das zu beurteilen, ist nun Aufgabe des Gerichts.

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