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Landkreise im Katastrophenfall - Kampf gegen Schneemassen - Helfer im Dauereinsatz

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Die Zeit drängt: Dächer müssen von Schneelasten befreit werden, die Helfer sind im Dauereinsatz. Auch im Landkreis Garmisch-Partenkirchen gilt jetzt der Katastrophenfall.

Die Lage in den Alpen bleibt gefährlich, in Bayern folgt die nächste Unwetterlage. Mehrere Landkreise riefen den Katastrophenfall aus, um von der Bundeswehr Hilfe zu bekommen.

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Das heftige Winterwetter macht vielen Menschen in Bayern, Österreich und der Schweiz weiterhin schwer zu schaffen. Im Kampf gegen die Schneemassen in Bayern hoffen die Rettungskräfte auf besseres Wetter am Freitag. Laut Vorhersagen sollen die Schneefälle vorübergehend etwas nachlassen.

Noch unklar ist, wann der Zugverkehr in Süd- und Ostbayern wieder überall rollt. Weil die Bahn auf den verschneiten Strecken nicht mehr mit dem Räumen hinterherkommt, sind viele Verbindungen unterbrochen. Auch viele Straßen sind wegen der Schneemassen und umgestürzten Bäume gesperrt. Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und weitere Helfer sind im Dauereinsatz, um einsturzgefährdete Dächer von den Schneelasten zu befreien.

In Berchtesgaden etwa sind fünf Teams der Gebirgsjäger im Einsatz, um das Dach des Hallenbades zu räumen. "Es wird den ganzen Tag dauern", berichtet ZDF-Reporterin Patricia Schäfer. Die Bundeswehr habe ihre Kräfte dort verdoppelt und nochmal 100 Mann hinzugezogen. "Denn das Zeitfenster ist kurz", sagt Schäfer. "Heute Nachmittag um vier ist schon wieder Schneeregen angesagt. Dann wird der Schnee noch schwerer."

Trotz Schneepause Gefahren in Österreich

In weiten Teilen Österreichs ist die Lawinengefahr leicht gesunken. In den am stärksten vom enormen Schneefall der vergangenen Tage betroffenen Gebieten galt am Freitag zumeist die zweithöchste Warnstufe 4, wie die Warndienste mitteilten. Am Donnerstag war vielerorts noch die höchste Lawinenwarnstufe 5 in Kraft gewesen.

Einsatzkräfte nutzten die Schneepause und sprengten Lawinen von den Hängen ab. Dadurch kann etwa die Hochkar-Alpenstraße ins Skigebiet Hochkar wieder freigeräumt werden, wie der Bürgermeister von Göstling, Friedrich Fahrnberger erklärte. Wann der Skibetrieb am Hochkar wieder aufgenommen werden kann, war zunächst aber nicht genau absehbar.

Bis zu 6,5 Meter Neuschnee in Innsbruck

Im freien Gelände bleibt es äußerst gefährlich, wie unter anderem im Salzburger Land deutlich wurde. "Der Schneedeckenaufbau ist extrem labil, und Lawinen können ganz leicht ausgelöst werden", sagte Michael Butschek vom Lawinenwarndienst Salzburg laut Mitteilung. "Wir raten dringend von Fahrten im freien Gelände ab."

In den kritischen Gebieten rund um Innsbruck liegen durch Schneefälle und Verwehungen 4 bis 6,5 Meter Neuschnee, teilte das Land mit. Größere Lawinen seien bisher nicht abgegangen, größere Sprengungen hier aber auch nicht möglich. Die Lage sei aber nicht dramatisch, sagte Elmar Rizzoli, Amtsvorstand für Allgemeine Sicherheit.

Katastrophenfall auch in Garmisch-Partenkirchen

Nach den heftigen Schneefällen der vergangenen Tage haben die Behörden am Freitag auch im Landkreis Garmisch-Partenkirchen den Katastrophenfall ausgerufen. Das Landratsamt übernehme die Koordination der verschiedenen Hilfs- und Rettungseinsätze, wie ein Sprecher mitteilte. Weitere angekündigte Schnee- oder Regenfälle könnten die Situation in der Region verschärfen. Für die oberbayerischen Landkreise Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen, Traunstein und Teile des Berchtesgadener Lands gilt bereits der Katastrophenalarm.

Im Raum Berchtesgaden an der Grenze zu Österreich sitzen Hunderte Menschen fest, weil Zufahrtsstraßen gesperrt sind. Am Donnerstag riefen die Behörden für Teile des Landkreises Berchtesgadener Land, für den Landkreis Traunstein sowie für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen den Katastrophenfall aus. Auch im Landkreis Miesbach gilt der Katastrophenfall.

Das Landratsamt Traunstein will auch die Hilfe der Bundeswehr anfordern. Im Raum Miesbach und Berchtesgaden war die Bundeswehr bereits im Einsatz und räumte Dächer. Weitere Kräfte der Gebirgsjäger, der Luftwaffe, der Streitkräfte und des Sanitätsdienstes seien in erhöhter Bereitschaft, teilte ein Sprecher des Landeskommandos Bayern mit.

Feststecken auf der Autobahn

Wegen einer Sperrung der Autobahn 8 am Chiemsee im Landkreis Rosenheim hatten in der Nacht zum Freitag zahlreiche Menschen bei teils starkem Schneefall im Stau festgesteckt. Das Bayerische Rote Kreuz baute Pflegestützpunkte auf. Die Helfer sollten den Stau abgehen und die Menschen versorgen. Ein neunjähriger Junge wurde in der Nähe von München von einem umstürzenden Baum erschlagen. Der Baum brach am Donnerstag in Aying unter der hohen Schneelast zusammen, wie die Polizei berichtete. Erst nach 40 Minuten entdeckten Zeugen den darunter begrabenen Jungen und alarmierten die Rettungskräfte. Diese hatten vergeblich versucht, das Kind wiederzubeleben. Nach Angaben der Polizei stand der etwa zehn Meter große Baum auf einem privaten Grundstück und stürzte auf einen Zufahrtsweg.

Unterricht und Flüge fallen aus

In immer mehr Landkreisen in Oberbayern und Schwaben fällt an diesem Freitag der Unterricht aus. Zu gefährlich sei der Schulweg für die Kinder und Jugendlichen, hieß es von den Behörden. Eine Betreuung für die Schüler sei aber vor Ort möglich. In den vergangenen Tagen war bereits in vielen Landkreisen der Unterricht ausgefallen. Auch der Flugverkehr ist vom Schneechaos betroffen. In München wurden wegen der schwierigen Witterungsverhältnisse für den Freitag rund 90 Flüge gestrichen. Im Moment sei der Himmel zwar blau, weiterer Schneefall sei zunächst nicht in Sicht, "aber die Entscheidung, Flüge zu streichen, liegt in der Hand der jeweiligen Airline", sagte ein Sprecher des Flughafens. In Frankfurt wurde unter anderem aufgrund von Glatteis-Warnungen etwa jede zehnte Flugverbindung annulliert, so ein Sprecher. Insgesamt seien rund 120 Flüge betroffen.

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