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Richtfest - "Schnöggersburg": Geisterstadt in der Altmark

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Lebensversicherung für Soldaten oder überdimensionales Irrsinnsprojekt? In Sachsen-Anhalt entsteht eine Kulissenstadt aus Beton, in der Soldaten für die Zukunft trainieren werden.

Auf den ersten Blick sieht Schnöggersburg aus wie eine Neubausiedlung. Aber mit dem "Urbanen Ballungsraum Schnöggersburg" entsteht keine Wohn- sondern eine Übungsstadt der Bundeswehr.

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Schnöggersburg - eine Stadt im Rohbau mit allem, was dazugehört: über 500 Gebäude, eine Altstadt mit verwinkelten, unüberschaubaren Gässchen und einem Marktplatz, Hochhäuser, ein Supermarkt, ein "Elendsviertel" mit 300 Hütten, Bauerngehöfte, ein 800 Meter langer Wasserkanal inklusive "sprengbarer" Brücken, Gleisanlagen, Übungskanalisation, ein U-Bahn-Tunnel, sogar ein Flugplatz mit Landebahn, Abfertigungshalle und Tower. Auch ein sogenannter "Sakralbau" wurde errichtet - architektonisch ein Mittelding zwischen Kirche, Moschee und Tempel. Von "typischen Elementen eines urbanen Ballungsraumes" spricht die Bundeswehr - 6,5 Hektar groß ist das Gesamtareal. Kostenpunkt: 140 Millionen Euro.

"Realitätsnahe Szenarien"

Laut Schätzungen der UN werden bis 2050 zwei Drittel aller Menschen in Städten leben. Wenn sich die Bundeswehr für Einsätze im Ausland wirkungsvoll vorbereiten will, müssten realitätsnahe Szenarien her, so die Argumentation. Deshalb macht die opulent gebaute Infrastruktur auch nur einen Teil von Schnöggersburg aus. Sobald die Bauarbeiten abgeschlossen sind, werden auf dem gesamten Gelände insgesamt 6.000 Sensoren und Kameras angebracht. Damit soll jede Bewegung jedes einzelnen übenden Soldaten, jedes Panzers erfasst werden können.

Während der Übung werden dann Angriffsszenarien durchgespielt - geschossen wird mit spezieller Manöver-Munition, Laser erfassen Bewegung und Ziel der Geschoße. Durch eine komplizierte Netzwerktechnik weiß jeder Soldat bereits während der Übung, ob er getroffen wurde. Nach der Übung wird der Einsatz dann in 3D ausgewertet. "Die Soldaten werden einen Gegner haben, der mit dem Laser auf sie schießt. Dadurch werden sie zu einem realistischen taktischen Verhalten gezwungen. Das ist ganz anders als auf einer Schießbahn, wo niemand zurückschießt und wo der Soldat nicht ausfallen kann", erläutert Oberst Uwe Becker, Leiter des "Gefechtsübungszentrum Heer" in der Altmark, wo Schnöggersburg entsteht.

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Gegner kritisieren Schnöggersburg seit Jahren. Die Initiative "Offene Heide" moniert nicht nur die hohen Kosten, die letztlich vom Steuerzahler getragen werden. Sie befürchtet auch, dass die Bundeswehr hier für etwas übt, für das sie keinen Auftrag hat: den Einsatz innerhalb Deutschlands. "Wenn gesagt wird, Schnöggersburg könnte überall stehen, dann könnte es ja auch eine deutsche Stadt sein! Es gab ja bereits Rufe nach dem Einsatz der Bundeswehr im Inneren", sagt der Sprecher der Initiative Helmut Adolf.

Training nur für Auslandseinsätze

Dem widerspricht die Bundeswehr klar: "Wir üben hier nicht den gemeinsamen Einsatz mit der Polizei, sondern wir bereiten uns hier im Rahmen der Truppenausbildung auf Auslandseinsätze vor", so Oberst Becker. Unbestritten: Die Auslandseinsätze der Bundeswehr sind gefährlich - immer wieder kommt es auch zu Kampfhandlungen. Ein realitätsnahes Training sei der beste Schutz für die Soldaten, so das Argument der Bundeswehr - und nicht nur der: Bereits jetzt gibt es internationale Interessensbekundungen am Üben in Schnöggersburg, denn die Anlage und Trainingsmöglichkeiten sind europaweit einmalig. "Die derzeitigen Krisen und Erfahrungen zeigen, dass der Krieg in die Städte getragen wird", so Oberst Becker, "jeder Euro, der in eine gute Ausbildung unserer Soldaten und Soldatinnen investiert wird, ist ein gut investierter Euro."

Am Nachmittag wird Richtfest gefeiert in Schnöggersburg. 2020 sollen dann die ersten Übungs-Operationen stattfinden. Dann werden 700 bis 1.000 Soldaten gemeinsam im Einsatz sein und sich vorbereiten - für den Ernstfall im Ausland.

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