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Verbraucher und Reisende - Harter Brexit, große Folgen

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Wenn Großbritannien ohne "Deal" die EU verlässt, könnte sich für Reisende und Verbraucher einiges ändern. Ein Überblick.

Reisende am Flughafen Gatwick, aufgenommen am 21.12.2018
Reisende am Flughafen Gatwick
Quelle: Reuters

Was der Brexit für Reisende bedeutet

  • Kosten: Eine Reise nach Großbritannien könnte günstiger werden. Denn wenn das Vereinigte Königreich die EU verlässt, dürfte das britische Pfund wahrscheinlich noch etwas weiter abwerten als dies nach dem Referendum schon der Fall war.
  • Einreise: Gegebenenfalls müssen EU-Bürger künftig statt des Personalausweises den Reisepass vorzeigen. Das kann Großbritannien einseitig so beschließen. Ein Visum, so nehmen Experten an, werden die Briten von EU-Bürgern wahrscheinlich nicht verlangen. Grenzkontrollen sind jetzt schon strenger als in den meisten anderen Ländern der EU, weil das Vereinigte Königreich nicht zum Schengen-Raum gehört.
  • Zoll: Zölle werden bisher nicht erhoben, weil die EU eine Zollunion ist. Nach einem Austritt aber fällt Großbritannien auf den Status eines Mitglieds der Welthandelsorganisation zurück. Das bedeutet in der Praxis: bei der Einreise oder der Rückkehr darf man zum Beispiel statt 10 Liter Spirituosen nur noch einen Liter mitnehmen, statt 800 Zigaretten nur noch 200. Ein kleiner Vorteil: Der zollfreie Einkauf in den entsprechenden Duty Free-Shops wird gegebenenfalls attraktiver.
  • Flugverkehr: Ein harter Brexit droht den Luftverkehr erst einmal lahmzulegen. Denn Großbritannien wäre dann nicht mehr im Luftverkehr-Binnenmarkt in der EU. Die EU-Kommission hat zwar Notfallpläne erstellt, nach denen britische Gesellschaften in die EU fliegen dürfen. "In denen ist aber nur von Basis-Verbindungen die Rede", sagt Isabel Buscke, Leiterin des Brüsseler Büros des Verbraucherzentrale Bundesverbands. "Wenn ein Verbraucher einen Flug nach dem Austrittsdatum gebucht hat, könnte er also betroffen sein von einem Ausfall." Bis Ende März 2020 sollen diese Notfallpläne gelten. Ob umgekehrt London das ebenso handhabt für Fluggesellschaften aus der EU, ist noch nicht klar.
  • Fluggastrechte: Fliegt man mit einer britischen Airline oder Iberia, die zu British Airways gehört, dann kann man sich gegebenenfalls bei Ausfall oder Verspätung nicht mehr auf die Fluggastrechte-Verordnung der EU berufen - es sei denn, Großbritannien hat diese EU-Bestimmungen bis dahin in nationales Recht umgeschrieben. Das gilt ähnlich auch für Probleme beim Gepäck. Es gilt "Ortsrecht": Sollte ein Koffer auf britischem Boden verloren gehen, kommt also britisches Recht zur Anwendung.
  • Bus- und Pauschalreisen: Die britische Regierung will offenbar für Reisebusse alle EU-Zulassungen anerkennen, die EU bisher jedoch noch nicht, sagt Verbraucherschützerin Buscke. Wenn das Busunternehmen nicht in der EU zugelassen ist, darf der Bus nicht starten. Auch bei Pauschalreisen kommt es darauf an, ob man bei einem britischen Anbieter oder einem aus der EU gebucht hat. Geht das Hotel pleite, ist man bei einem EU-Anbieter über europäisches Recht abgesichert, bei einem britischen Anbieter nicht zwangsläufig. "Gegebenenfalls ist dann eine Zusatzversicherung nötig", sagt Isabelle Buscke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen.
  • Krankenversicherung: Die europäische Gesundheitskarte übernimmt in der EU die Kosten für einen Arztbesuch im Ausland. Nach einem Austritt gilt das nicht mehr für Großbritannien. Da sollte man dann eine Auslandskrankenversicherung für die Zeit der Reise abschließen.
  • Roaming: Von der Insel kurz mobil zu Hause anrufen, ein paar Urlaubsfotos schicken oder viele Kurznachrichten versenden - das kann bei einem harten Brexit teuer werden. Denn nach einem Austritt fallen hier wieder die hohen Roaming-Gebühren an, wenn man aus dem mobilen Netz telefoniert oder chattet.
  • Zahlungsmittel: Gerade sind in der EU die Aufschläge im bargeldlosen Zahlungsverkehr verboten worden. Wer im Londoner Restaurant nach dem Brexit die Kreditkarte zückt, muss mit solchen Zusatzkosten rechnen.

Was der Brexit für Verbraucher bedeutet

  • Online-Einkauf : Aufpassen beim Einkaufen über Plattformen wie Amazon: Ist ein Drittanbieter, der dort seine Produkte verkauft, ein britisches Unternehmen? "Dann sind die Bestimmungen zum Widerrufsrecht vielleicht nicht deckungsgleich", warnt Verbraucherschützerin Buscke. In der EU gilt ein Widerrufsrecht von zwei Wochen.
  • Versicherungen: Im europäischen Markt werden recht viele Lebensversicherungen oder Altersvorsorgeprodukte britischer Anbieter verkauft. Ähnlich wie bei Banken können die nach dem Brexit nicht mehr im EU-Raum ihre Produkte anbieten. Deshalb haben einige schon eine Tochterfirma in Irland gegründet. Damit können sich aber die AGBs ändern, es entfällt vielleicht der bisherige Insolvenzschutz (so etwa bei Standard Life), oder die Ausschüttungen und Renditen ändern sich.
  • Medikamente: Das Bundesgesundheitsministerium rechnet nicht mit ernsthaften Engpässen bei der Versorgung mit Medikamenten, solange die Pharmaunternehmen sich richtig vorbereiteten. Die aber sorgen sich, weil aus Großbritannien monatlich 45 Millionen Arzneimittel in die EU exportiert werden. Treten da Verzögerungen auf, könnten die doch knapp werden, warnt der Verband forschender Arzneimittelhersteller. Verbraucher sind also gut beraten, möglichst ihre Medikamentenvorräte rechtzeitig aufzustocken.
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