Zwei Duos, die die SPD spalten könnten

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Stichwahl um den SPD-Vorsitz - Zwei Duos, die die SPD spalten könnten

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Aus zwölf mach vier: Die Suche der SPD nach einer neuen Parteispitze geht in die zweite Runde. Und das Duell heißt nun auch: GroKo-Befürworter gegen GroKo-Gegner.

Beim SPD-Mitgliederentscheid hat kein Kandidatenpaar die erforderliche absolute Mehrheit erhalten. Die Entscheidung über das künftige Führungsduo fällt in einer Stichwahl. Olaf Scholz und Klara Geywitz gegen Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken.

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Wenn Gesichter tatsächlich Gefühle verraten, dann konnte man schon vor der Verkündigung des offiziellen Ergebnisses sehen, wer in die Stichwahl um den SPD-Parteivorsitz gehen darf. Klara Geywitz und Olaf Scholz stehen in diesem Moment neben Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans und lächeln in Dauerschleife. Sie schauen aufmunternd in die Runde, fröhliches Nicken hier und da. Zufrieden sehen sie aus. Michael Roth kann dagegen seine Enttäuschung kaum verbergen, auch Karl Lauterbach hat man schon entspannter gesehen. Scholz/Geywitz und Borjans/Esken also haben nun bis Ende November Zeit, die Parteimitglieder von sich zu überzeugen und endgültig zu übernehmen. Dieser Kampf dürfte härter werden als der in den vergangenen Wochen. Denn jetzt geht es auch darum: In der Großen Koalition bleiben - oder eben nicht.

Weiter so oder raus aus der GroKo?

Eine Vorentscheidung könnte sein, dass mit Olaf Scholz und Klara Geywitz zwei die erste Runde gewonnen haben, die als einziges Duo unter insgesamt sechs offen für die Große Koalition eingetreten sind. Beide machen auch an diesem Abend den Eindruck, dass das so bleiben soll. Die SPD habe gezeigt, sagt Geywitz, dass sie Probleme besser löst, "wenn sie gestalten kann". Scholz klingt schon ein bisschen wie ein Parteichef, als er zuerst die Einigkeit der Partei lobt. Die SPD habe gezeigt, wie stark sie sein könnte, wenn sie zusammenhält.

So zufrieden klingt das bei Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken nicht. Beide hatten bislang deutlich gemacht, dass sie Nachbesserungen am Koalitionsvertrag wollen, sollten sie die Parteispitze übernehmen. Bei den Themen soziale Gerechtigkeit, Klimapaket, Grundrente zum Beispiel. Dass die Union davon wenig hält, ist bekannt. "Die Chancen, die anderen davon zu überzeugen, sind gering", sagt Esken. "Aber wir geben die Hoffnung nie auf", schiebt Walter-Borjans schnell hinterher. Bis zum Parteitag sei ja noch Zeit.

Auf die Frage, ob sie ihre politische Zukunft nicht mehr an der Seite der CDU sehe, sondern in einer rot-rot-grünen linken Mehrheit, sagte Esken: "Ich kann mir in so einem Bündnis tatsächlich vorstellen, dass wir die Aufgaben besser lösen können."

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Denn ob die SPD in der Regierung bleibt, wird dort letztlich Anfang Dezember entschieden. Den 600 Delegierten solle dann, so Esken, eben nicht nur die Bilanz aus der Regierung vorliegen - sprich: die von Scholz. Und Esken deutet auch noch eine andere Möglichkeit an: "Es gibt auch Potenzial für andere Bündnisse im Bundestag." Gesprächsfäden gebe es "schon lange". Was sie genau meint, lässt sie offen. Aber so viel sei klar: Die Frage GroKo oder nicht oder eine GroKo mit neuem Vertrag, das sei "die Zuspitzung zum anderen Team", so Esken. "Lauwarme Kompromisse" werde es mit ihnen jedenfalls nicht geben.

Der SPD-Vorsitz wird in einer Stichwahl entschieden. Im zweiten Wahlgang treten Scholz und Geywitz gegen Walter-Borjans und Esken an. Dazu ZDF-Korrespondentin Shakuntala Banerjee.

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Heiße Kartoffel Parteivorsitz

Nach großer Harmonie sieht das nicht aus. Dabei hatte zuvor die kommissarische Parteivorsitzende Malu Dreyer genau das gewünscht. Das Wagnis einer so langen Kandidatensuche habe "sich gelohnt", so Dreyer. Was sich auch in der Wahlbeteiligung widerspiegele. Bislang sei die Partei oft "leider nicht zimperlich" mit ihren Vorsitzenden umgegangen. Wer von den Mitglieder getragen ist, habe es vermutlich besser, so Dreyer. Auch Generalsekretär Lars Klingbeil sagte, die Partei könne stolz auf sich sein. "Wir haben die SPD in den letzten Wochen verändert."

Seit vier Monaten ist die Partei ohne Vorsitz. Dieser quälend lange Prozess zur Kür der Nachfolger von Andrea Nahles war Neuland und ein Wagnis. Erst glich der Parteivorsitz der ältesten Partei Deutschlands einer ziemlich heißen Kartoffel: Niemand wollte ihn. Die drei kommissarischen Vorsitzenden winkten ab. Niemand aus der Ministerriege bewarb sich. Erst kurz vor Ablauf der Bewerbungsfrist fand sich Anfang September endlich Olaf Scholz. Derjenige also, der kurz vorher noch getönt hatte, Parteivorsitz und Finanzministerium gingen nicht zusammen: zu viel Arbeit. Dann meldete er sich doch - und musste sich eingestehen, dass er die Frau dazu noch suchen muss. Am Ende haben sich 20.000 der 425.000 Parteimitglieder die Bewerber aus nächster Nähe bei den 23 Regionalkonferenzen angeschaut. Die, die dabei waren, sagen, die Urwahl habe der Partei wiederbelebt. Offensichtlich aber nur zur Hälfte: Zieht man die mehr als 11.800 Stimmen, die nicht berücksichtigt werden konnten, ab, haben sich in der ersten Runde nur knapp die Hälfte an der Wahl beteiligt.

"Mit euch war's richtig schön"

Bis Ende November haben nun die beiden Duos Zeit, die Parteimitglieder endgültig von sich zu überzeugen. Weitere Veranstaltungen soll es geben. Wie viel dabei noch aufzuarbeiten ist, zeigt sich schon an diesem ersten Wahlabend. Kaum sind die Ergebnisse verkündet, fragt nach den Unterlegenen kaum einer mehr. "Fair war das nicht" ist aus der Ecke um Petra Köpping und Boris Pistorius zu hören, dass die Jusos sich offen für Esken und Walter-Borjans eingesetzt hatten - und ihnen auch gleich per Twitter gratulierten. Karl Lauterbach sagt: "Schade, richtig schade." Da ist die Verabschiedung von Gesine Schwan ein kleiner Trost: "Mit euch war's richtig schön", sagt sie zu Lauterbach und Nina Scheer. Mit anderen offensichtlich - nicht.

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