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Schon wieder Montag ... - Frauen brauchen Frauen

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Wenn Männer netzwerken, können Frauen das schon lange: Business Ladys, der Verband Deutscher Unternehmerinnen oder Soroptimist International (SI) - hier treten Frauen gemeinsam für ihre Belange ein. Als Präsidentin von SI Deutschland hält Barbara Kohl dieses Engagement für sehr wichtig, auch um den Männer-Netzwerken etwas entgegensetzen.

Im Beruf spielt es keine Rolle, ob man Mann oder Frau ist, die Gleichberechtigung ist tief in der lettischen Mentalität und Kultur verwurzelt. 53% der Führungspositionen sind in Lettland mit Frauen besetzt und das obwohl es keine Frauenquote gibt.

Beitragslänge:
2 min
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heute.de: Sind die Netzwerke karriereorientiert?
Barbara Kohl: Nein, der Begriff kommt zwar aus dem beruflichen Umfeld, aber die Netzwerke sind wichtig, um die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für Frauen zu verbessern, zum Beispiel bei der Forderung von gleichem Lohn für gleiche Arbeit oder bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Soroptimist International (SI) ist eine Service-Organisation, bei der Wohltätigkeit und gesellschaftliches Engagement im Vordergrund stehen. Dabei ist es eines unserer Kernziele, die wirtschaftliche Unabhängigkeit und die dauerhafte Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen zu fördern.

heute.de: Welche Rolle spielen persönliche Seilschaften?
Kohl: Da wir weltweit die größte Vereinigung berufstätiger Frauen sind, werden die Kontakte auch professionell genutzt. Viele Clubschwestern bewerten diesen Aspekt aber sehr skeptisch.

heute.de: Was bringen Frauen-Netzwerke?
Kohl: Ein wichtiger Schwerpunkt vieler Frauen-Netzwerke ist das Mentoring für weiblichen Führungsnachwuchs, bei dem junge Frauen von den Erfahrungen der älteren profitieren. SI Deutschland vertritt Frauen aus allen Berufssparten und so sind uns Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung wichtiger als spezifisch berufliche Weiterbildung.

heute.de: Was heißt das konkret?

Kohl: Wir weisen auf Fallstricke hin. Ein Beispiel aus meinem Berufsumfeld: Eine junge Kollegin wollte auf die Statussymbole ihrer Beförderung verzichten, sie beanspruchte weder ein größeres Büro noch ein besser ausgestattetes Auto und ahnte nicht, dass in einer männerdominierten Firma ein solches Verhalten zum Karrierekiller werden kann. Außerdem bieten wir Coaching an, um selbstbewusstes Auftreten zu üben und Strategien zu entwickeln. Manchmal können Kleinigkeiten, wie die richtige Platzierung in einer Sitzung, wichtig sein.

heute.de: Was können Frauen-Netzwerke gesellschaftspolitisch erreichen?
Kohl: Es ist sehr wichtig, dass Frauen lokal, national und global für die Belange der Frauen eintreten. Soroptimist International ist als NGO bei mehreren UN-Organisationen, teilweise mit allgemeinem Konsultativstatus, und beim Europarat vertreten. Zudem engagieren sich die Clubs auf lokaler Ebene in Projekten mit einem breiten Themenspektrum, das von der Berufsförderung für Mädchen bis zur Prävention von Gewalt gegen Frauen reicht.

heute.de: Wann ist ein Frauen-Netzwerk erfolgreich?
Kohl: Auf der persönlichen Ebene muss das Geben und Nehmen in Balance stehen. Eine Frau, die einem beruflichen Netzwerk oder einem Serviceclub beitritt, weil sie in erster Linie an ihrem beruflichen Fortkommen interessiert ist, wird schnell enttäuscht wieder austreten. Gesellschaftlich sind wir erfolgreich, wenn wir als Entscheider wahrgenommen werden. Das funktioniert interessanterweise auf UN-Ebene manchmal besser als auf lokaler Ebene.

heute.de: Wo gibt es noch Nachholbedarf?
Kohl: Es wäre wünschenswert, dass sich Frauen, die es in Spitzenpositionen geschafft haben, stärker in Frauen-Netzwerken engagieren. Denn Frauen brauchen die Unterstützung und das Vorbild von Frauen. Es gibt unserer Arbeit spürbare Impulse, wenn SI-Clubschwestern wichtige Ämter einnehmen, wie zum Beispiel die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

heute.de: Ebenso wie Angela Merkel, sehen Sie sich nicht als Feministin, warum nicht?
Kohl: Ich bin bereit, mich mit viel Zeit und Energie für die Belange von Frauen einzusetzen. Aber das Etikett Feministin gefällt mir nicht, weil es mit Kampf und einer Ausgrenzung gegenüber Männern verbunden ist. Diese Radikalität lehne ich ab. Man muss keine Feministin sein, um sich in einem Frauen-Netzwerk zu engagieren.

Das Interview führte Tatjana Kimmel-Fichtner.

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