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Schon wieder Montag ... - Gut zu wissen, wann Schluss ist!

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"Was man anfängt, bringt man auch zu Ende!" - Nach dieser Maxime sind viele Menschen erzogen worden. Aber wann ist das Ende erreicht? Die Wiener Strategieberaterin Christina Toth rät ihren Mandanten, das anerzogene Prinzip auch mal hinter sich zu lassen und sich so immer wieder von Ballast zu befreien.

heute.de: Das Zeigarnik-Phänomen beschreibt, dass man sich an unerledigte Aufgaben besser als an abgeschlossene Aufgaben erinnert. Welche Folgen hat das?

Christina Toth: Das kann zu Stress führen, weil man sich gedanklich ständig mit den ungelösten Problemen und Aufgaben beschäftigt. Ich bin sicher keine Freundin davon, bei Schwierigkeiten gleich aufzugeben, aber ein Rennen im Hamsterrad ohne Ziel macht unzufrieden. Um den richtigen Zeitpunkt zum Aussteigen zu erwischen, muss man die Dinge regelmäßig hinterfragen und vor allem ehrlich zu sich selbst sein.

heute.de: Wie kann man erkennen, dass man ein Projekt oder auch eine Karriere beenden sollte?

Toth: Dafür gibt es meines Erachtens zwei Ansatzpunkte, die auf sämtliche Lebensläufe und auch auf einzelne Projekte übertragbar sind: eine Sackgasse oder ein großer Erfolg. "Aufhören, wenn es am schönsten ist", den Spruch kennt man ja. Als Anwältin berate ich unter anderem Sportler, die schon im vergleichsweise jungen Alter über ihr Karriereende nachdenken müssen. Es ist nicht einfach aufzuhören, wenn man gerade den größten Erfolg erreicht hat. Beeindruckend fand ich zum Beispiel den Formel-1-Fahrer Nico Rosberg, der 2016 nach seinem Gewinn des WM-Titels das Ende seiner Formel-1-Karriere bekannt gab.

Zum anderen muss man sich aber, wenn man sein Ziel nicht erreichen kann, fragen, wann man aufhören soll. Ich mag das Wort "Scheitern" nicht, das ist ausschließlich negativ behaftet. Es ist auch ein großer Gewinn festzustellen, dass ein Weg, den man eingeschlagen hat, nicht zum Ziel führt. Wichtig ist dann die Analyse. Warum hat es nicht funktioniert? Was kann man beim nächsten Mal besser machen?

heute.de: Warum ist es so schwer zu erkennen, wann man besser einen Schlusspunkt setzen sollte?

Toth: Im Falle einer Erfolgsbilanz ist es schwer vorauszusehen, ob weitere, noch größere Erfolge zu erwarten sind oder ob die Laufbahn ihren Zenit überstiegen hat und es Zeit ist, etwas anderes zu tun. Und im Falle des "Scheiterns", ist es schmerzhaft sich dieses einzugestehen und neue Wege zu gehen. Da kommt auch ganz oft noch der Druck von außen dazu: Was werden die anderen von mir denken?

heute.de: Welche Strategie kann helfen?

Toth: Das kommt natürlich ganz darauf an, um welches Projekt es geht. Im Alltag kann eine To-Do-Liste helfen: Ich nehme mir jeden Tag vor, die drei dringlichsten Aufgaben auf der Liste zu erledigen. Werden Aufgaben dann immer wieder nach hinten geschoben, sind sie vielleicht einfach nicht wichtig und man kann sie dann auch erledigen, in dem man sie einfach von der Liste streicht.

In einem Unternehmen ist es wichtig, einen Plan mit klar definierten Zielen und einem realistischen Zeitrahmen zu haben. Alle Schritte müssen regelmäßig daran gemessen werden, ob sie mittel- und langfristig zielführend sind. Es ist besser, rechtzeitig eine falsche Strategie zu beenden als immer mehr Zeit und Geld zu investieren. Es gibt prominente Beispiele, wie zum Beispiel den Berliner Flughafen, bei dessen Bau immer weiter an falschen Konzepten festgehalten wurde, weil für die Notbremse der Mut und die Entschlossenheit fehlte. Dieses Phänomen kann auch bei kleineren Aufgaben fatal sein.

heute.de: Kann man das Loslassen lernen?

Toth: Ja, Voraussetzung sind ehrliche Analyse und offene Kommunikation über die Folgen. In meiner Anwaltskanzlei rate ich zum Beispiel häufig Mandanten, einen Rechtstreit nicht weiter zu verfolgen, wenn abzusehen ist, dass der erwartete Nutzen die Kosten, den Stress und den Zeitaufwand nicht rechtfertigen. Wie man weiß, liegen (subjektives) Recht haben und Recht bekommen oft auseinander. Es ist nicht immer leicht, jemanden zu überzeugen, aber meist gelingt es mir dann doch.

heute.de: Gibt es ein Umdenken in der Gesellschaft?

Toth: Ausgehend von den USA machen uns im Wirtschaftsbereich die Start Ups vor, dass das Beenden eines Unternehmens nicht ultimatives Scheitern bedeutet, sondern Raum für neue Ideen schafft. Es gehört in der Szene dazu, immer wieder neue Ideen zu verfolgen, in der Hoffnung, irgendwann den Königsweg zum großen Erfolg zu finden. Dies sollten wir uns zum Vorbild nehmen.

Das Interview führte Tatjana Kimmel-Fichtner.

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