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Schon wieder Montag - Lokführer dringend gesucht

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Kaum jemand möchte noch Lokführer werden. Dabei suchen die Bahnen verzweifelt nach Nachwuchs. Im heute.de-Interview erklärt Dirk Flege von der "Allianz pro Schiene", warum es den Nachwuchsmangel gibt und wieso Lokführer immer noch ein Traumberuf ist.

Sie ist das größte Eisenbahnverkehrs- und Eisenbahninfrastrukturunternehmen in Mitteleuropa: die Deutsche Bahn AG - mit täglich rund 40 000 Zugfahrten und 11,8 Millionen Reisenden.

Beitragslänge:
44 min
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heute.de: Lokführer werden händeringend gesucht. Es herrscht großer Nachwuchsmangel. Was sind dafür die Gründe?

Dirk Flege: Der Hauptgrund ist das Imageproblem der Eisenbahnen. Wenn junge Menschen heute an einen Beruf in der Mobilitätsbranche denken, dann denken sie meist an Autokonzerne. Diese verkaufen sich als vermeintlich innovativ und modern. Dabei gibt es seit der Bahnreform von 1994 neben der Deutschen Bahn mittlerweile etliche andere Eisenbahnen in Deutschland. Dass die sich wandelnde Bahnbranche attraktive und zukunftsfähige Arbeitsplätze bietet, ist noch nicht so in das Bewusstsein der Leute gedrungen.

heute.de: Was muss ein Lokführer heutzutage können?

Flege: Wer Lokführer werden möchte, muss mindestens einen Hauptschulabschluss mitbringen und wenigstens 20 Jahre alt sowie körperlich und psychisch dem Job gewachsen sein. Außerdem sollte ein Lokführer ein gewisses Technikinteresse in sich spüren. Natürlich ist es auch wichtig, dass er sich bei einem Eisenbahnunternehmen zuhause fühlen kann. Die Dampflokromantik von früher gibt es allerdings nicht mehr. Heute ist alles viel stärker technisiert.

heute.de: Hat sich deswegen der Beruf des Lokführers auch gewandelt?

Flege: Genau. Früher wurde neben dem Lokführer Kohle geschippt und er konnte den Rauch der Dampflok förmlich riechen. Das Erlebnis Eisenbahn war damals viel sinnlicher. Heute ist es mehr ein High-Tech-Arbeitsplatz. Bei manchem Hochgeschwindigkeitsverkehr gibt es keine ortsfesten Signale. Da rauscht der ICE mit mehreren hundert Stundenkilometern auf den Gleisen entlang. Das ist fast schon automatisierter Zugbetrieb. Da ist der Lokführer vor allem zum Überwachen da.

heute.de: Welche Aufstiegsmöglichkeiten gibt es denn in diesem Beruf?

Flege: Lokführer können gezielt Auslandseinsätze übernehmen und sich auch mal eine schöne Zugstrecke heraussuchen. Tolle Landschaften an sich vorbeiziehen zu sehen, ist sicherlich sehr reizvoll. Aber auch die Übernahme einer Teamleiterfunktion ist möglich. Bei entsprechender Neigung ist der Ausbilderbereich ebenfalls interessant.

heute.de: Wenn es irgendwann komplett digitalisierte und automatisch fahrende Züge gibt, braucht man dann überhaupt noch Lokführer?

Flege: Den Lokführerberuf wird es in Deutschland noch eine lange Zeit geben. Obwohl in Europa schon seit 1983 fahrerlose U-Bahnen verkehren, sind die Bahnen trotzdem mit Hochdruck auf der Suche nach Lokführern. Das ist also kein "Entweder-Oder". Im oberirdischen Eisenbahnverkehr werden wir in den nächsten Jahren aber einen stärkeren Einsatz von Fahrerassistenzsystemen erleben. Damit ist eine deutlich energiesparendere Fahrweise möglich. Dafür sind die Lokführer auf jeden Fall weiter nötig.

heute.de: Wie lassen sich junge Menschen denn für den Beruf des Lokführers begeistern?

Flege: Wir müssen ihnen klarmachen, dass die Eisenbahnen gute, zukunftsorientierte Arbeitgeber sind. Wenn junge Männer und gerne auch junge Frauen eine sinnvolle Arbeit suchen, dann sind sie bei uns bestens aufgehoben. Denn die Eisenbahnen stehen wie kein anderes Verkehrsmittel für nachhaltige Mobilität. In meinen Augen ist Lokführer gerade heute wieder ein absoluter Traumberuf.

Das Interview führte Benjamin Esche

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