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Schon wieder Montag ... - Wir wollen gar nicht mit dem Fuß in die Tür

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Die Parteien warten nicht mehr, bis die Wähler zu ihnen kommen - sie besuchen sie daheim. Matthias Sprekelmeyer trainiert freiwillige Haustürwahlkämpfer. Im heute.de-Interview spricht er über goldene Regeln und weshalb Angebote zu Kaffee und Kuchen besser ausgeschlagen werden sollten.

Die digitale Vernetzung ermöglicht es Politikern nahezu jeden Wähler mit Inhalten anzusprechen, die auf seine Bedürfnisse abgestimmt sind. Auch der SPDler Tim Renner nutzt Microtarging im Wahlkampf.

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heute.de: Im Auftrag der Grünen trainieren Sie freiwillige Helfer für den Haustürwahlkampf. Welche Tipps geben Sie den Leuten mit auf den Weg, dass sie einen Fuß in die Tür der Wähler bekommen?

Matthias Sprekelmeyer: Wir wollen gar nicht mit dem Fuß in die Tür, das wäre ja übergriffig. Wir wollen primär nur darüber informieren, dass am 24. September die Bundestagswahl ist und dass es da im Wahlkreis der Leute aus unserer Sicht einen guten Kandidaten oder eine gute Kandidatin gibt. Wir überreichen einen Flyer mit weiteren Informationen und wünschen einen schönen Tag. Das war’s.

heute.de: Dafür betreiben Sie aber einen recht großen Aufwand in Ihren Trainings. Warum ist der Haustürwahlkampf so wichtig geworden?

Sprekelmeyer: In Deutschland wird bislang recht wenig darüber geforscht, welche Wahlkampfmethode welche Wirkung auf das Wahlergebnis hat. Wahlkampf findet weiter vor allem mit Plakaten statt. Studien aus den USA aber zeigen, dass Plakate nur eine Auswirkung von 0,1 Prozentpunkten auf das Wahlergebnis haben. Das ist nicht eins zu eins übertragbar, aber gibt doch einen Hinweis, dass das viele Geld für Plakate besser investiert werden kann. Zum Beispiel in den Haustürwahlkampf, der laut US-Studien das Wahlergebnis um bis zu sieben Prozentpunkte verändern kann. Es bringt also etwas, die eigenen Wähler gezielt anzusprechen.

heute.de: Mehrere deutsche Parteien betreiben den Haustürwahlkampf inzwischen intensiv. Wie wichtig ist die vorherige Datenanalyse, bevor irgendwo geklingelt wird?

Sprekelmeyer:  Die ist ein zentraler Faktor. Es gibt tatsächlich zunächst eine gründliche Gebietsanalyse: Wo gibt es ein großes Wählerpotenzial? Man kann das zunächst datenschonend machen, also die Wahlergebnisse der letzten Bundestagswahl Wahlbezirk für Wahlbezirk durchschauen. Ein anderer Faktor ist die Höhe der Wahlbeteiligung. Am Ende lässt sich dann sagen, in welchen Gegenden die freiwilligen Helfer am besten von Haustür zu Haustür gehen sollten, um die eigene Klientel zu mobilisieren.

heute.de: Welche Regeln sollten die Helfer dabei beachten?

Sprekelmeyer:  Es geht vor allem darum, möglichst viele Wähler kurz anzusprechen. Wir betreten deshalb auch nie eine Wohnung, sonst kann es schwierig werden, wieder herauszukommen. Da muss dann nämlich erstmal der Kaffee durchlaufen, der Apfelstrudel will gegessen werden, und man hängt plötzlich fest.

heute.de: Wenn jemand Fremdes an der Tür klingelt, reagieren viele Menschen aber erstmal zurückhaltend bis ablehnend. Wie bereiten Sie die Helfer auf solche Erfahrungen vor?

Sprekelmeyer: Interne Statistiken darüber, wie Helfer die Gespräche an den Wohnungstüren erleben, zeigen, dass wir deutlich mehr als 50 Prozent positive Rückmeldungen bekommen. Stabil über 25 Prozent reagieren neutral und nur etwa 16 bis 18 Prozent signalisieren, dass sie das grade nicht so gut finden und wir schnell wieder gehen sollen.

heute.de: Gibt es dann auch mal Beschimpfungen?

Sprekelmeyer:  Eigentlich nicht; ich habe in verschiedenen Wahlkämpfen selbst schon an mehr als 9.000 Türen geklingelt und die Anzahl der Beschimpfungen kann ich an einer Hand abzählen.

heute.de: Wer freiwillig für eine Partei an den Türen fremder Leute klingelt, bringt schon eine gute Portion Motivation mit. Steigern Sie die eher noch in den Trainings oder müssen Sie auch mal bremsen?

Sprekelmeyer:  Es geht meist ums Aufbauen der Motivation. Es ist nämlich so, dass viele Helfer erstmal eher skeptisch sind, weil sie von sich selbst ausgehen und denken: Ich will eigentlich auch nicht, dass Fremde bei mir klingeln. Da gibt es diese Vorstellung von Übergriffigkeit und Bedrängnis. Wenn wir dann aber mit einem Vorurteil aufräumen und klarmachen, dass wir keine Drückerkolonnen-Methoden anwenden, sondern tatsächlich nur Informationsdienstleister sind, dann steigert sich meist die Motivation, und die Leute sagen: Ach, das ist ja leicht, das kann ich machen.

heute.de: Geben Sie den Leuten auch Argumentationshilfen mit auf den Weg?

Sprekelmeyer:  Nein, denn wir diskutieren nicht mit den Wählern vor deren Haustür. Das trifft zwar oft die Seele der ehrenamtlich Engagierten, aber wer mit uns in die Diskussion gehen will, der hat in der Regel eine feste Position, die wir in fünf bis zehn Minuten kaum ändern werden. Da ist es besser, weiterzugehen. Unser Ziel ist es ja, mit unseren eigenen und uns nahestehenden Wählern in Kontakt zu treten.

Das Interview führte Marcel Burkhardt.

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