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Schon wieder Montag ... - "Motivierend, andere bei der Arbeit zu sehen"

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"Coworking-Spaces" gelten vielen als moderne, hippe Arbeitsräume - ideal für Solo-Selbständige, die nicht im Home-Office versauern möchten. Im heute.de-Interview spricht der Organisationspsychologe Thomas Rigotti über neue Gemeinschaften, Kooperationen und nötiges Konfliktmanagement.

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heute.de: "Coworking macht glücklich", das ist die Quintessenz recht vieler Umfragen zu diesem Thema. Werbeslogan, Wunschgedanke oder Wirklichkeit?

Thomas Rigotti: Wie glücklich die Arbeit im Coworking-Space macht, ist sicher individuell verschieden, aber die soziale Unterstützung und der persönliche Austausch, die Beziehungen mit anderen, die vor allem Solo-Selbstständige dort erfahren können, die sonst beruflich eher als "Einzelkämpfer" unterwegs sind, all das kann schon Zufriedenheit auslösen, weil es menschliche Grundbedürfnisse befriedigt.

heute.de: Die Zahl der Freiberufler, die Coworking-Spaces ausprobieren, wächst ständig. Wo liegen aus Ihrer Sicht die Hauptgründe dafür?

Rigotti: Die Motive sind Studien zufolge relativ vielfältig. Dazu zählen die schon angesprochenen sozialen Kontakte. Beim gemeinsamen Pausenkaffee kann man auch schon mal nachfragen, wie andere an ihren Ideen und Projekten arbeiten, wie sie Kundenakquise betreiben oder mit Problemen umgehen. Außerdem können sich Coworker in vielerlei Hinsicht Ressourcen teilen - Serverkapazität, einen Drucker oder auch einfach die Kaffeemaschine. In der Summe kann das Kosten sparen. Und wenn Menschen aus unterschiedlichen Branchen zusammenkommen, gibt’s natürlich auch Kooperationsmöglichkeiten.

heute.de: Umfragen zufolge fördert die Arbeit in einem Coworking-Space die Motivation, Kreativität und Effektivität. Wie bewerten Sie diese Ergebnisse?

Rigotti: Mir sind keine Untersuchungen bekannt, die solche Aussagen wasserfest wissenschaftlich untermauern können. Das wären dann auch recht aufwändige Studien, die betrieben werden müssten, wenn sie die Leistung der Coworker über einen längeren Zeitraum beobachten wollten, und wie diese Werte im Vergleich zur Arbeit etwa im Homeoffice sind. Im Idealfall bräuchte man da ja auch die Beobachtung in der Zeit vor dem Coworking. Das ist schwer umzusetzen. Das aktuell verfügbare Material beruht daher eher auf Eigenbeobachtungen von Coworkern.

heute.de: Was lässt sich aus der Summe solcher Aussagen dann herausziehen?

Rigotti: Allgemein lässt sich schon sagen, dass es motivierend ist, andere bei der Arbeit zu sehen und eine feste zeitliche Struktur zu haben. Das heißt: Es gibt einen Rhythmus, der durch gemeinsame Arbeitszeit und Pausen bestimmt wird. Hinzu kommt das Grenz-Management zwischen den Lebensbereichen: Im Home-Office tun sich viele Solo-Selbständige schwer, klare Linien zwischen Arbeiten und Privatem zu ziehen. Durch die Arbeit im Coworking-Space ist das einfacher: Wenn ich dort rausgehe, ist auch Feierabend.

heute.de: Es gibt inzwischen auch in Deutschland eine Vielzahl von Coworking-Spaces. Wie sieht der ideale Coworking-Arbeitsplatz aus, der tatsächlich ein erfolgreicheres Arbeiten als etwa im Home-Office ermöglicht?

Rigotti: Je unterschiedlicher die Berufe der Coworker sind, desto größer werden die Möglichkeiten für Kooperationen und Synergien, von denen dann die einzelnen Unternehmer wieder profitieren können. Zudem spielt das Raumdesign eine große Rolle: Großraumbüros ab fünf Leuten gelten jedenfalls nicht als effektivitätsfördernd. Da gibt es zu viel Lärm, es kommt zu vielen Unterbrechungen. Wichtig ist deshalb auch das Aushandeln von Regeln zwischen den einzelnen Coworkern. Das ist gar nicht so einfach.

heute.de: Manche Coworker sehen Parallelen zu einer Wohngemeinschaft. Da gebe es oft ähnlichen Stress, weil die Leute ihren Platz nicht aufräumten oder ihr Geschirr nicht spülten. Worin sehen Sie weitere mögliche Reibungspunkte unter Coworkern?

Rigotti: Das geht oft mit dem Telefonieren los. Etwa, wenn ein Coworker eine sehr laute, durchdringende Stimme hat oder die Gespräche kein Ende finden. Das nervt die anderen schnell. Aber zum Thema unsaubere Küche: Das ist ja gar nicht so Coworking-spezifisch, das sorgt in vielen Unternehmen für Konflikte. Besonders bei den Coworkern ist aber, dass sie mehr Aufwand betreiben müssen, um die Regeln untereinander auszuhandeln. Sie können da nicht auf den Vorteil einer Unternehmenshierarchie setzen.

heute.de: Was hilft bei Konflikten?

Rigotti: Ich denke, die Leute müssen nicht ständig miteinander diskutieren, aber einmal im Monat so etwas wie eine Sitzung zu machen, wo solche Dinge besprochen und Regeln gemeinsam ausgehandelt werden, das lohnt sich. Es hilft, Konflikte auszuräumen oder sie gar nicht erst aufkommen zu lassen. Es hilft auch, aus einer Anzahl von Individuen mit unterschiedlichen Interessen eine Gruppe zu formen, die sich als Gemeinschaft verstehen kann.

Das Interview führte Marcel Burkhardt.

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