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"Es muss jemand sein, der in Witzen spricht"

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Irischer Autor über Johnson - "Es muss jemand sein, der in Witzen spricht"

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Der Schriftsteller O'Toole hat ein bissiges Porträt über Boris Johnson geschrieben. Für den Iren ist klar: der neue britische Premier ist ein Clown ohne Sinn für Verantwortung.

Im Interview mit dem ZDF heute journal erklärt Fintan O'Toole, der auch als Journalist und politischer Kolumnist arbeitet, dass es für die Briten jetzt ganz wichtig sei, einen Clown ins politische Geschehen hineinzuholen, denn "der Brexit ist an einem Punkt angelangt, an dem selbst die Leute, die das Ganze vorangetrieben haben, wissen, dass es jetzt ernst wird". Und das wolle man nicht.

Er sei ja kompliziert. Der Brexit. Aber die Geschichte, die man den Leuten vorher zum Brexit erzählt hatte, war, dass er eben nicht kompliziert sei. Da müsse man jetzt jemanden schicken, der in Witzen spricht, der eine komische Person ist. "Boris Johnson hat diese Art von Person über Jahre hin kultiviert." Was die Leute allerdings nicht wüssten, sei, ob er das Ganze jetzt ernst meine, oder einen Witz mache.

In seinem Leben geht es darum, keine Verantwortung zu übernehmen. Persönlich und politisch.

Der Literat glaubt nicht, dass Johnson moralische Ernsthaftigkeit besitze. "In seinem Leben geht es darum, keine Verantwortung zu übernehmen. Persönlich und politisch. Er hat auch keinen Sinn für Konsequenzen." Er sei jemand, für den die eigenen Handlungen keinerlei Konsequenzen für andere Leute haben und wenn sie Konsequenzen hätten, würde ihn das nicht interessieren, so O'Toole.

Schwäche für Exzentriker

Dass die Briten dennoch eine Schwäche für Exzentriker wie Johnson haben erklärt O'Toole damit, dass man auf der Insel Exzentrik immer mit dem Begriff "Freiheit" verbinden würde: "englische Exzentrik im Vergleich zur Sklavenmentalität der Leute auf dem Kontinent." Briten würden oft denken, bei zu großer Ernsthaftigkeit sei alles nur ein Spiel. Darüber würden sie oft vergessen, wie fragil Demokratie und Gesellschaft sein können.

Bitte nicht zu ernsthaft - auch nicht beim Brexit!

Die irische Situation ist aus historischen Gründen schwierig. Würde man darüber sprechen, würde man das Bild des Brexit als einfachen Schritt zerstören.

Darum habe man es während der Brexit-Verhandlungen auch vermieden, das Irland-Thema ernsthaft zu diskutieren. "Denn die irische Situation ist aus historischen Gründen schwierig. Würde man darüber sprechen, würde man das Bild des Brexit als einfachen Schritt zerstören. Als wunderbaren, einfachen Moment der Befreiung - denn so wollte man das ja darstellen."

Man könne diesen Brexit, den man versprochen habe, aber nicht bekommen. Man müsse sich auch mit der irischen Situation befassen, stellt O'Toole klar. Johnson verleugne das alles und erzähle, man könne ganz einfach mit allem umgehen. "Unglücklicherweise gibt es zu viele Menschen, die lieber diese Lügen hören wollen, statt die komplizierte Wahrheit."

Boris Johnson mit Daumen hoch vor dem Hauptsitz der Konservativen Partei
Porträt

Boris Johnson im Porträt -
Eine Olive in der Downing Street
 

Er war der Anführer der Brexit-Kampagne und schreckte auch nicht vor Falschinformationen zurück: der neue britische Premierminister Johnson. Pro-Europäer setzen jedoch auf ihn.

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