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Schröder bei Vereidigung - Putins Freund im Westen

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Russlands Präsident wird traditionell mit viel Pomp vereidigt - bei Putin war es jetzt das vierte Mal. Und in der ersten Reihe saß: Altkanzler Schröder.

Für Russlands Präsidenten hat die vierte Amtszeit begonnen – mit einer pompösen Zeremonie.

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Zu einer Zarenkrönung fehle nur noch die Salbung, hatte das Boulevardblatt "Moskowski Komsomolez" im Vorfeld noch despektierlich geschrieben. Vor 5.000 Gästen legt Wladimir Putin im Großen Kremlpalast den Amtseid ab. Damit ist er zum vierten Mal russischer Präsident. Im Saal stehen die Männer und wenigen Frauen, die Russland für ihn kontrollieren - die US-Wissenschaftler Fiona Hill und Clifford Gaddy sprechen von einem "Ein-Mann-Netzwerk". Und es sind auch nicht viele Hände, die Putin nach der Zeremonie schüttelt: Der russisch-orthodoxe Patriarch Kirill gratuliert, Ministerpräsident Dmitri Medwedew - und dazwischen Altbundeskanzler Gerhard Schröder.

Ein Signal für Nord Stream

Das Protokoll hat den SPD-Politiker prominent in der ersten Reihe platziert - noch vor wichtigen russischen Ressortchefs wie Außenminister Sergej Lawrow und seinem Verteidigungskollegen Sergej Schoigu. Tatsächlich war Schröder schon zu Amtszeiten mit Putin befreundet. Seit seinem Ausscheiden 2005 arbeitet er für eine Gazprom-Tochter, seit 2017 führt er auch den Rosneft-Aufsichtsrat.

Hinter ihm im Andreas-Saal steht ein zweiter Deutscher, Matthias Warnig, früher Offizier der DDR-Staatssicherheit. Sie sind die Männer, die die Ostseepipeline Nord Stream 1 von Russland nach Deutschland gebaut haben. Nun geht es um Nord Stream 2 - gegen Widerstände in Brüssel und in Osteuropa. Dort wird eine zu große Abhängigkeit Europas von russischem Gas befürchtet. Schröders auffällige Anwesenheit bei der Vereidigung dürfte ein Signal sein, wie wichtig dieses Projekt dem Kreml ist.

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Fäden via Deutschland

Und die Zeremonie ist kaum vorbei, da kommt die nächste Avance Richtung Deutschland: Der Kreml kündigt einen Besuch von Kanzlerin Angela Merkel noch im Mai an. Berlin bestätigte die Visite. Außenpolitisch droht Putins neue Amtszeit unruhig zu werden. Aus westlicher Sicht haben sich seine Übergriffe gehäuft: die Ukraine, der brutale Krieg in Syrien, die Einmischung in Wahlen in den USA und Frankreich, der Giftangriff auf den Ex-Agenten Sergej Skripal in Großbritannien.

Putin sieht es andersherum: Der US-geführte Westen achtet Russlands Interessen nicht, versucht es zu schwächen, sein System zu stürzen. Deshalb nimmt er das Recht auf Vorwärtsverteidigung in Anspruch. Doch wenn es um einen Gesprächsfaden Richtung Westen geht, will Putin ihn über Deutschland knüpfen. Es ist das einzige Ausland, das er kennt seit seinen Dresdener Jahren als junger Agent, das Ausland, dessen Sprache er gut spricht.

Wichtiger Ansprechpartner

Schröder ist da für ihn ein wichtiger Ansprechpartner, auch wenn der für sein Engagement in Deutschland oft kritisiert wird. Putins Verhältnis zu Merkel ist schwieriger. Aber sie ist die amtierende Regierungschefin. Die Kanzlerin ihrerseits hat mehr Zeit und Geduld in den Kontakt zu Putin investiert, gerade wegen der Ukraine, als jeder andere westliche Politiker.

Dass Schröder bei der Vereidigung in der ersten Reihe saß, wollte die Kanzlerin indes nicht kommentieren. Kritik gab es aber über das Vorgehen Russlands gegen Demonstranten. "Wir sind besorgt über die Meldungen und die hohe Zahl von Verletzten, sowie über die Verhaftung von Minderjährigen", sagte eine Regierungssprecherin. Noch am Tag der Inauguration saßen Dutzende junge Oppositionelle in Polizeigewahrsam. Sie hatten am Wochenende "Nieder mit dem Zaren!" geschrien.

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