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Falschaussage eingeräumt - Gefährlicher Zeuge: Trumps Ex-Anwalt Cohen

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Trumps Ex-Anwalt Cohen hat sich schuldig bekannt, den Kongress über Trumps Immobilienpläne in Moskau belogen zu haben. Der US-Präsident nannte Cohen einen Schwächling und Lügner.

Archiv: Michael Cohen am 21.08.2018 in New York
Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen vor 15 Monaten: "Ich bin der Typ, der sich für den Präsidenten in die Schusslinie wirft."
Quelle: ap

Es ist noch nicht allzu lange her, da war Michael Cohen laut eigener Aussage bereit, sich für Donald Trump zu opfern. "Ich bin der Typ, der sich für den Präsidenten in die Schusslinie wirft", sagte Trumps langjähriger Anwalt vor 15 Monaten. Diese Loyalität ist seither rasch zerbrochen. Inzwischen steht der 52-Jährige mit seinem Ex-Chef auf Kriegsfuß.

Trump in Rage: "Erfundene Geschichte"

Am Donnerstag legte Cohen ein Schuldeingeständnis ab, das in der Russland-Affäre den Druck auf den Präsidenten nochmals erhöht. Der einstige Trump-Intimus hatte demnach vergangenes Jahr den Kongress über ein Immobilienprojekt des Trump-Konzerns in Moskau belogen.

Trump reagierte wütend. Cohen sei einen "Schwächling", dessen Eingeständnis eine "erfundene Geschichte", um einen Straferlass zu ergattern, schimpfte der Präsident.

Über viele Jahre hielt Trump seinen umtriebigen Mitarbeiter keineswegs für schwach. Cohen war sein loyaler Gefolgsmann, Ausputzer, Wadenbeißer - derjenige also, der sich für den Chef ins Gefecht wirft und nicht davor zurückschreckt, sich dabei die Hände schmutzig zu machen.

Aussagen Cohens hochbrisant

"Ich bin der Typ, der den Präsidenten und seine Familie beschützt", beschrieb Cohen sein Selbstverständnis noch im September 2017 im Gespräch mit "Vanity Fair". In diesem Bestreben ging er damals so weit, in seiner Darstellung des letztlich gescheiterten Projekts für einen Trump Tower in Moskau die Fakten zu verbiegen - damit es so aussah, als habe sich sein Chef nur eher peripher damit befasst.

Cohens jetziges Eingeständnis von wissentlichen Falschaussagen ist hochbrisant. Denn in den Untersuchungen des Sonderermittlers Robert Mueller zu der Affäre um die Moskau-Kontakte des Trump-Teams im Wahlkampf 2016 geht es auch darum, ob Trump durch mögliche Geschäftsinteressen an Russland gebunden war.

Cohen auch umtriebiger Wahlkampfhelfer

Aus einem nun veröffentlichten Mueller-Dokument geht unter anderem hervor, dass Cohen mit Trump häufiger und intensiver über das Projekt beriet als ursprünglich angegeben. Und diese Beratungen zogen sich demnach bis mindestens Juni 2016 hin, als der Präsidentschaftswahlkampf bereits auf Hochtouren lief. Cohen hatte ausgesagt, das Trump-Tower-Projekt sei bereits Ende Januar 2016 beerdigt worden, also noch vor den republikanischen Vorwahlen.

Cohen sondierte damals nicht nur das Moskauer Geschäftsprojekt, er war auch umtriebiger Helfer im Wahlkampf. So zahlte er Schweigegeld an zwei angebliche frühere Sexpartnerinnen des Immobilienmagnaten, den Pornostar Stormy Daniels und das frühere "Playboy"-Model Karen McDougal.

Diese Zahlungen verstießen aus Sicht der Strafverfolger gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung. Im vergangenen August legte Cohen zu diesem Ermittlungskomplex ein erstes Schuldbekenntnis ab - schon damals tobte Trump über seinen ehemaligen Adlatus.

Ex-Anwalt will mit Sonderermittler Mueller weiter kooperieren

Die beiden nun verfeindeten Männer waren mehr als 15 Jahre lang geschäftlich und persönlich verbunden. Basis der engen Zusammenarbeit war unter anderem die glühende Bewunderung, die Cohen nach eigener Schilderung schon seit Schülerzeiten für den Immobilien-Milliardär hegte.

Doch im vergangenen April kam dann der Schlag, der das Anfang vom Ende ihrer Vertrauensbeziehung bedeutete. Beamte der Bundespolizei FBI durchsuchten Cohens Büro- und Privaträume und beschlagnahmten Dokumente und Handys. Drei Monate später machte Cohen dann klar, dass es mit seiner Treue zu Trump vorbei war: Seine "oberste Loyalität" gelte nun seiner Familie und seinem Land, sagte er in einem Interview.

Nach seinem Schuldplädoyer an diesem Donnerstag schwieg sich Cohen gegenüber den Medien aus. Doch sein Anwalt kündigte an, sein Mandant werde mit Mueller "weiterhin kooperieren". Es klang wie eine Drohung an den Präsidenten.

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