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Wie viele Menschen überschuldet sind - und warum

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Schuldneratlas 2019 - Wie viele Menschen überschuldet sind - und warum

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Erstmals seit Jahren gibt es weniger Menschen mit zu hohen Schulden. Doch das Risiko bleibt groß. Warum sich Menschen überschulden und wie die Lage in Ihrem Landkreis ist.

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Zum ersten Mal seit fünf Jahren sind weniger Menschen überschuldet.
Quelle: DPA

Zum ersten Mal seit fünf Jahren sind weniger Menschen in Deutschland überschuldet. Das geht aus dem "Schuldneratlas 2019" hervor, eine Analyse der Wirtschaftsauskunftei Creditreform.

Insgesamt 6,92 Millionen Deutsche haben zu hohe Schulden - sie werden ihre Verpflichtungen aller Voraussicht nach nicht langfristig begleichen können. Zwar ist die Zahl der überschuldeten Menschen im Vergleich zum Vorjahr gesunken, allerdings nur minimal - um knapp 10.000 Fälle. Am 1. Oktober war insgesamt jeder zehnte Deutsche über 18 Jahren überschuldet. Dass die sogenannte "Überschuldungsquote" gesunken ist, ließe sich laut Schuldneratlas vor allem auf die wachsende Bevölkerung zurückführen.

Die Zahlen zeigen, dass die schwächelnde Wirtschaft noch nicht bei den Verbrauchern angekommen ist. Vor allem dank der in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Gehälter sind die Verbraucher laut Creditreform weiterhin in Kauflaune.

Diese Kauflaune spiegelt sich auch im Schuldneratlas wider, laut dem sich die Art der Verschuldung verschoben hat:

  • Es gibt weniger Menschen, die aufgrund ihrer Schulden zum Beispiel Privatinsolvenz anmelden müssen. Der Schuldneratlas bezeichnet das als "starke" Überschuldung.
  • Allerdings gibt es mehr Menschen mit Zahlungsproblemen, die aber nicht rechtlich relevant sind - die sogenannte "schwache" Überschuldung.

Alte Menschen immer häufiger überschuldet

Und auch eine andere Entwicklung macht den Autoren des Schuldneratlas Sorgen: die steigende Überschuldung im Alter. Knapp drei Prozent der über 70-Jährigen ist aktuell überschuldet. Auf den ersten Blick mag diese Zahl gerade im Vergleich zu anderen Altersgruppen klein wirken. Doch die Überschuldungsquote hat sich bei den alten Menschen seit 2013 verdreifacht. Eine "besorgniserregende" Entwicklung, so die Autoren des Schuldenatlas. Auch bei den 50- bis 69-Jährigen stieg die Überschuldung zuletzt überdurchschnittlich.

Eine der entscheidenden Faktoren dabei: die Mietpreise. Armut und Überschuldung seien laut Bericht "auch Ausdruck und Folge der seit Jahren drastisch steigenden Miet- und Immobilienpreisentwicklung". Gerade für ältere Menschen seien zum Beispiel die steigenden Mietpreise ein großes Problem.

Arbeitslosigkeit der häufigste Grund für hohe Schulden

Während sich ältere Menschen immer häufiger überschulden, lässt sich bei den Jüngeren der gegenteilige Trend beobachten. Knapp 1,4 Millionen Menschen unter 30 sind derzeit überschuldet - knapp 380.000 weniger als noch vor sechs Jahren.

Grund für diese Entwicklung: Immer weniger junge Menschen sind arbeitslos. Laut Statistischem Bundesamt ist Arbeitslosigkeit nämlich der wichtigste Grund für zu hohe Schulden:

  • In 20,2 Prozent der Fälle ist Arbeitslosigkeit der Hauptgrund für Überschuldung.
  • In 17 Prozent der Fälle sind es Erkrankungen, Sucht oder Unfälle.
  • Schlechte Haushaltsführung ist in 13,5 Prozent der Fälle die Hauptursache.
  • Weitere Ursachen: Trennung, Scheidung oder Tod, langfristig niedriges Einkommen, gescheiterte Selbstständigkeit.

Wo gibt es die meisten überschuldeten Menschen?

Während Überschuldung laut den Autoren des Atlas ein Problem aller Milieus ist, gibt es trotzdem starke regionale Unterschiede. In den meisten bayerischen Städten und Landkreisen leben vergleichsweise wenig Menschen mit zu hohen Schulden. Spitzenreiter ist der Landkreis Eichstätt, wo nur vier Prozent der Einwohner überschuldet sind. Auf den nachfolgenden 20 Plätzen folgen ebenfalls nur bayerische Kreise. Keine Überraschung also, dass Bayern auch im Ländervergleich am besten dasteht.

Schlusslicht ist Bremerhaven, wo fast 22 Prozent der Menschen zu hohe Schulden haben. Daneben kämpfen vor allem in Sachsen-Anhalt, in Berlin und im Ruhrgebiet viele Einwohner mit Überschuldung. In den östlichen Bundesländern hat sich die Situation in den vergangenen Jahren jedoch entspannt. Dort ist die Überschuldungsquote seit 2004 gesunken, während sie in den westlichen Bundesländern gestiegen ist.

Überschuldung wird wohl wieder zunehmen

Trotz der guten Entwicklung in diesem Jahr blicken die Autoren des Schuldneratlas skeptisch in die Zukunft. Die schwächelnde Konjunktur oder die steigenden Mieten lassen vermuten, dass die Überschuldungsquote bald wieder steigen wird. Zudem weisen alle Daten darauf hin, dass die hohen Schulden im Alter künftig zu einem noch größeren Problem werden könnten.

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