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Nach Explosionen auf Tankern - Beschuldigungen und Rätselraten

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Wer steckt hinter der Tanker-Attacke? Der Iran weist Anschuldigungen zurück, international wird vor voreiligen Schlüssen gewarnt. Golfstaaten fordern Schutz von Energieexporten.

Persicher Golf
Eine der wichtigsten Öl-Routen: Golf von Oman
Quelle: AP

Nach den mutmaßlichen Attacken auf zwei Tanker im Golf von Oman verlangen Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate Schutzmaßnahmen für die Öl- und Gasexporte aus der Region. Es sei eine "schnelle und entschlossene Antwort" nötig, sagte der saudiarabische Energieminister Chalid al-Falih bei einem G20-Treffen in Japan. Er sprach von "Terrorangriffen", die eine Bedrohung für die Energieversorgung seien. Das sunnitische Königshaus sieht im schiitischen Iran einen Erzfeind und Rivalen in der Region.

Scheich Mohammed Bin Sajed al-Nahjan, Außenminister der Emirate, forderte die internationale Gemeinschaft zur Zusammenarbeit auf, um den Transport auf den Weltmeeren zu schützen und den Zugang zu den Energiequellen in der Golfregion sicherzustellen. Sein Land habe dem Sicherheitsrat zudem Belege dafür präsentiert, dass die Angriffe "staatlich gesponsert" seien. Welcher Staat angeblich für die Angriffe verantwortlich sei, sagte er nicht.

Britischer Botschafter einbestellt

Bei den Zwischenfällen nahe der Küste des Irans waren am frühen Donnerstagmorgen zwei Tanker beschädigt worden. Die "Front Altair" geriet nach Explosionen in Brand. Auch der japanische Betreiber der "Kokuka Courageous" berichtet von zwei Detonationen. Die genauen Umstände blieben zunächst aber unklar. Die Reederei des norwegischen Öltankers "Front Altair" schloss mechanisches oder menschliches Versagen als Explosionsursache aus. Was die Detonation ausgelöst habe, sei aber nach wie vor unbekannt und werde untersucht, hieß es.

Derweil geht das Rätselraten weiter, wer hinter der Tat steckt. US-Präsident Donald Trump hatte dem Iran vorgeworfen, die beiden Tanker angegriffen zu haben. Er verwies auf ein Video, das zeigen soll, wie iranische Revolutionsgarden eine nicht explodierte Haftmine vom Rumpf eines der Schiffe entfernen. Klare Belege lieferte es allerdings nicht. Auch Großbritannien macht Teheran für die Explosionen verantwortlich. Saudi-Arabien, Verbündeter der USA, sprach von "Terroroperationen". Das sunnitische Königshaus sieht im schiitischen Iran einen Erzfeind und Rivalen in der Region.

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif dagegen bestritt jegliche Beteiligung seines Landes und wies die Vorwürfe der USA als "gegenstandslos" zurück. Sein Ministerium bestellte am Samstag den britischen Botschafter ein. Dieser habe erscheinen müssen, um "einige Erklärungen" zu geben, hieß es.

Ex-Botschafter: Iraner berechenbarer als USA

Von vielen Seiten kamen Warnungen vor voreiligen Schlüssen. "Wir sind dabei, die Lage zu bewerten und Informationen zu sammeln", sagte ein EU-Beamter. Der frühere deutsche Botschafter in Washington, Jürgen Chrobog, sagte im "Deutschlandfunk", für eine Täterschaft des Iran gebe es keine Beweise. Er halte die Iraner inzwischen "für vernünftiger, für berechenbarer" als die USA, sagte der Ex-Diplomat. Durch einen Krieg hätte Teheran laut Chrobog "noch mehr zu verlieren". Trump habe aber ebenfalls kein Interesse an einer militärischen Auseinandersetzung in der Region.

Der Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour forderte in der "Passauer Neuen Presse" eine unabhängige internationale Untersuchung und warnte vor Spekulationen. Er hielt es für möglich, dass sich Kräfte im Iran verselbstständigt hätten oder Mächte wie Saudi-Arabien eine Eskalation befördern wollten.

Das Atomabkommen wankt

Bislang betont die US-Regierung, sie setze weiter auf diplomatische und wirtschaftliche Bemühungen. Ziel sei es, die dortige Regierung zurück an den Verhandlungstisch zu holen, sagte Trump. "Ich bin bereit, wenn sie es sind." Die US-Regierung war im Mai 2018 im Alleingang aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen. Sie versucht, das Land mit massiven Wirtschaftssanktionen unter Druck zu setzen, um eine neues, strengeres Abkommen auszuhandeln.

Der Iran lehnt das bislang ab. Teheran stellte den verbliebenen Vertragspartnern - China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Russland - ein Ultimatum zum 7. Juli. Sollten diese bis dahin die im Abkommen versprochenen wirtschaftlichen Vorteile für den Iran nicht gewährleisten, werde das Land über die vereinbarte Obergrenze hinaus Uran anreichern.

Tanker wieder unterwegs

Die beiden Tanker nahmen derweil Kurs auf die Vereinigten Arabischen Emirate. Die "Kokuka Courageous" werde in Fudschaira oder Chor Fakkan anlegen, teilte die japanische Reederei Kokuka mit. Auch der norwegische Tanker "Front Altair" war dorthin unterwegs, er wird nach Angaben der Reederei abgeschleppt.

Die Schiffe hatten kurz vor den Angriffen die Straße von Hormus passiert. Die Meerenge zwischen dem Iran und Oman ist einer der wichtigsten Transportwege für internationale Erdöl-Lieferungen. Die Vorfälle ereigneten sich einen Monat nach "Sabotageakten" gegen vier Schiffe vor der Küste der Emirate. Auch in diesen Fällen machten die USA sowie Saudi-Arabien den Iran verantwortlich. Teheran hatte auch das zurückgewiesen.

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