Sie sind hier:

Schulz bei YouTube - Nachts im Freibad

Datum:

Eine Stunde Zeit mit der Jugend im Netz - nach Kanzlerin Merkel hatte nun auch ihr Herausforderer Schulz seinen Auftritt bei YouTube. Dort verriet er unter anderem seine zweitgrößte Jugendsünde.

Viele Beobachter fanden das TV-Duell wenig kontrovers. Immerhin hat es ein paar inhaltliche Erkenntnisse gebracht: Merkels Ablehnung der Rente mit 70. Und Schulz legte sich fest, dass er die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abbrechen will.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

"Was war der größte Mist, den Sie als Jugendlicher gebaut haben?" - Den größten will Schulz nicht ausplaudern vor allen im Internet, aber den zweitgrößten: "Mitten in einer durchzechten Nacht hab ich mal ein Paket Waschpulver ins Freibad geschüttet.", gesteht Schulz. "Wie sind Sie denn nachts ins Freibad gekommen? Sind Sie eingebrochen?" Der 26jährigen Beauty-Videobloggerin Nihan Sen bleibt vor Staunen der Mund offen. "Bin über‘n Zaun geklettert.", so Schulz. Als dann auch noch die Polizei kam, sei er schnell genug gewesen.
Die Jugend von heute steigt nicht mehr nachts in Freibäder ein, sie interviewt Kanzlerkandidaten. Mitte August war schon Angela Merkel beim Internet zu Gast, das YouTube-Video mit ihr wurde mehr als 1,7 Millionen Mal angeklickt. Für Schulz gelten die gleichen Regeln: Vier Webstars interviewen den Kanzlerkandidaten hintereinander, die Netzgemeinde darf auch ein paar Fragen einstreuen und das einstündige Format wird live bei YouTube übertragen.

Viele persönliche Erinnerungen von Schulz

Die großen Themenblöcke sind Türkei und Integration, Bildung, Digitalisierung, Tierschutz. Das Ganze wirkt sinnvoll strukturiert und durchformatiert.

"Ich habe im TV-Duell gehört, dass Sie die Beitrittsgespräche abbrechen wollen.", so Nihan, deren Großeltern als Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland kamen. "Wollen Sie das wirklich so radikal machen oder möchten Sie noch mal sprechen?" Martin Schulz erzählt, dass er als junger Mann Nachhilfe für türkische Schüler gegeben habe und einen engen türkischen Freund habe, der immer unter seinen zwei Identitäten gelitten habe. Wahrscheinlich könne sich Herr Erdogan nicht vorstellen, dass Europa sich traue, die Beitrittsverhandlungen abzubrechen. "Und ihm jetzt zu signalisieren, doch, das würden wir eventuell tun, wenn Du weiterhin so willkürlich handelst, das ist die Botschaft."

"Wissen Sie, was der Liter Milch bei Aldi kostet?"

Der Charme dieser Interviews liegt wie immer auch darin, dass Fragen gestellt werden können, die sonst keiner fragt. "Wissen Sie, was der Liter Milch bei Aldi kostet?" – "Um die 70 Cent?" (ganz gut, es sind 68), "Wissen Sie, wann bei Ihnen der Müll abgeholt wird?" Schulz glaubt, vierzehntägig dienstags oder donnerstags und ja, er bringt den Müll selbst raus.

"Insgesamt war es lockerer, wir hatten auch ein paar Lacher drin, das gab’s bei Frau Merkel weniger.", so Mirko Drotschmann alias "MrWissen2Go". "Wir haben uns auch extra noch mal angeschaut, was im TV-Duell nicht vorkam und das gezielt mit reingenommen."
Digitalisierung ist so ein Thema. Marcel Althaus, den seine mehr als zwei Millionen Abonnenten als "MarcelScorpion" kennen, fragt Schulz: "Sie wollen ein Digitalministerium einführen. Nennen Sie mir mal bitte konkret drei Dinge, die dieses Ministerium ausführen soll." Der Kanzlerkandidat antwortet sinngemäß: erstens schneller werden, zweitens anerkennen, dass das ganze Leben digital ist und drittens aufhören, die Gefahren zu beschwören, die von der digitalen Welt ausgehen könnten. Nicht sehr konkret. Soll Informatik Pflichtfach werden? – Ja, unbedingt. Als es ums Gaming geht, gibt Schulz zu, dass er nicht spielt. "Ich lese abends, ich bin Buchhändler."

Kleiner Seitenhieb auf das TV-Duell

Auf die Frage, ob man Marihuana nicht legalisieren müsse, wo doch Alkohol auch frei verfügbar sei, erinnert Schulz an seine eigene Alkoholabhängigkeit als junger Mann. "Vielleicht haben Sie Verständnis dafür, dass ich bei anderen Rauschmitteln relativ zurückhaltend bin." Schiebt aber hinterher, es wäre vernünftig, die Abstimmung im Bundestag darüber freizugeben, ähnlich wie bei der Ehe für alle.

"Die vier jungen Männer und Frauen waren sehr gut vorbereitet", so Schulz hinterher. "Das war schon ein intensiver Fragenkatalog." Und macht noch schnell ein Selfie mit den vier YouTube-Stars. Dazu twittert er später: "Hat Spaß gemacht". Und versteckt einen Seitenhieb auf das TV-Duell vom letzten Sonntag: "Formate mit 4 Interviewern können doch aufgehen". Schließlich bittet er seine Follower noch: "Macht das mit dem Waschpulver nicht zu Hause nach!"

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.