Sie sind hier:

Zu viel Müll - Umweltministerium will Plastiktüten verbieten

Datum:

Kunden greifen im Supermarkt seltener zur Plastiktüte. Umweltbundesministerin Schulze reicht das nicht: Sie will die Kunststoffbeutel verbieten.

Das Bundesumweltministerium hat ein Verbot für Plastiktüten an der Ladenkasse auf den Weg gebracht. Es geht dabei um sogenannte leichte Kunststofftragetaschen - die ganz leichten Tütchen etwa für Obst und Gemüse und besonders stabile Taschen sind nicht betroffen. In Deutschland würden aktuell pro Kopf noch rund 20 dieser Tüten im Jahr verbraucht, heißt es im Entwurf von Umweltministerin Svenja Schulze. Verboten werden soll Geschäften nun, solche Tüten auszugeben, "die dazu bestimmt sind, in der Verkaufsstelle mit Waren gefüllt zu werden", heißt es in dem Dokument, das auch dem ZDF vorliegt. Darin wird auch vorgeschlagen, einen Verstoß als Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld zu ahnden.

SPD-Politikerin Schulze hatte das Verbot im August angekündigt. Seit 2016 gibt es eine freiwillige Selbstverpflichtung des Handels, die Plastiktaschen an der Landeskasse nicht umsonst herauszugeben. Das hatte Erfolg, der Verbrauch ging von 68 Stück pro Kopf im Jahr 2015 zurück auf 24 im vergangenen Jahr. Damit war das Umweltministerium trotz der Kritik von Umweltverbänden zunächst zufrieden. Nun heißt es im Gesetzentwurf, es sei "nicht zu erwarten", dass der Verbrauch auf Grundlage der bisherigen Vereinbarung "noch signifikant unter diesen Wert sinken wird".

Kritik vom Handel und Umweltverbänden

Der Handelsverband HDE hatte das geplante Verbot bereits kritisiert. Hauptgeschäftsführer Stefan Genth sprach am Freitag in Berlin von einem klaren Vertrags- und Vertrauensbruch. Er verwies auf die freiwillige Vereinbarung des Umweltministeriums mit dem Einzelhandel aus dem Jahr 2016 zur Verringerung des Verbrauchs von Plastiktüten. Die Einzelhändler hätten Wort gehalten und die Vereinbarung übererfüllt.

Auch Umweltverbände sehen das geplante Verbot mit gemischten Gefühlen - denn ihnen geht es nicht weit genug. Papiertüten etwa sind zwar in der Umwelt leichter abbaubar, haben sonst aber keine bessere Ökobilanz als Plastik, wie der Nabu betont. Er fordert eine gesetzliche Abgabe auf alle Einwegtaschen. Selbst ein Sprecher des Umweltministeriums hatte noch im Frühjahr gesagt, bei den Plastiktüten gehe es "im Grunde genommen um Peanuts": Sie machten weniger als ein Prozent des Verpackungsaufkommens aus Kunststoff aus.

Das geplante Verbot soll dem Entwurf zufolge auch "bio-basierte und bio-abbaubare Kunststofftragetaschen" umfassen. Vor der Annahme, sogenanntes Bio-Plastik löse die Umweltprobleme, hatte Schulze erst kürzlich gewarnt. "Das angebliche Bio-Plastik ist leider meistens eine Mogelpackung" und verrotte nicht wie echter Biomüll, sagte sie.
"Es gibt so gut wie kein umweltfreundliches Bio-Plastik auf dem Markt." Es fehle aber eine klare Regelung.

Verbote und strenge Regeln in anderen Ländern

Auf Island, in Neuseeland, Ruanda, Kenia oder Tansania gibt es bereits Verbote. Auf Island zum Beispiel dürfen Einzelhändler seit Anfang September keine kostenlosen Tragetaschen aus Plastik oder anderen Stoffen mehr herausgeben. Dazu zählen auch die dünnen Plastiktüten, in denen in Supermärkten Obst und Gemüse verpackt werden kann.

In Tansania ist das Verbot strenger. Der Regierung zufolge dürfen keine Tüten mehr importiert, exportiert, hergestellt, verkauft oder genutzt werden. Herstellern droht eine Geldstrafe von umgerechnet bis zu 390.000 Euro oder zwei Jahre Haft. Ausgenommen ist der Plastikgebrauch in der Medizin, der Landwirtschaft oder der Bauindustrie.

Eine dänische Supermarktkette hat im Kampf gegen den Plastikmüll ein Pfand auf Tüten eingeführt. Seit April bekommen Kunden, die gebrauchte Tüten wieder in einem der 56 Läden abgeben, umgerechnet rund 13 Cent zurück. Dafür sind die Tüten beim Kauf etwas teurer.

So lassen sich Verpackungen beim Einkauf vermeiden

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.