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Schutz vor Mobbing - Wenn Kinder im Cyberspace attackiert werden

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Viele Minderjährige leiden extrem unter Cybermobbing. Wie Abhilfe schaffen? Die Attacken ins Leere laufen lassen oder sich aktiv wehren? heute.de hat Experten befragt.

Junge vor Computer
Quelle: dpa

Cybermobbing ist eines der düstersten Kapitel der digitalen Welt - vor allem Kinder und Jugendliche leiden stark unter wüsten Attacken. Zum Ziel kann jeder werden: "Die eher Extrovertierten, die auf Snapchat oder Instagram gern Selfies von sich posten, genauso wie Introvertierte, die sich in Sozialen Medien zurückhalten", sagt Nina Pirk von der Hilfsorganisation "Nummer gegen Kummer".

Oft beginnt Cybermobbing mit "fiesen Kommentaren"

Die Aufgabe der etwa 3.500 ehrenamtlichen Berater des kostenfreien Telefondienstes: Minderjährigen und deren Eltern Hilfe leisten bei kleinen Sorgen und großen Krisen. "Im letzten Jahr hatten wir mehr als 400.000 Gespräche und 130.000 Beratungen, wobei das Thema Cybermobbing eine gewichtige Rolle spielt", berichtet Pirk.

"Sehr oft rufen Kinder und Jugendliche bei uns an, die Cybermobbing-Attacken schon lange Zeit ausgesetzt sind und einfach nicht mehr weiter wissen", erzählt die Sozialwissenschaftlerin. Und: Häufig beginnt das Mobbing mit "fiesen Kommentaren" unter Bildern und Videos, bekommt dann eine starke Dynamik und eskaliert.

Zuhören, trösten, stärken

Die Berater müssen zunächst zuhören und trösten. Dann versuchen sie, die Anrufer zu stärken. "Pauschaltipps geben wir nicht, es gibt auch nicht die eine Lösung", sagt Pirk. Besser sei es, gemeinsam zu überlegen, welche Möglichkeiten es gibt, das Cybermobbing zu beenden.

Für alle Unterstützer ist dabei wichtig zu wissen: Mobbing verursacht bei den Betroffenen ein tiefes Gefühl von Kontrollverlust. Deshalb braucht es ein sensibles Vorgehen. "Niemals über den Kopf des Betroffenen hinweg entscheiden", warnt Nina Pirk. Das würde ein Ohnmachtsgefühl noch vertiefen.

Attacken "ins Leere laufen lassen"

Ähnlich schildert es Kristin Langer, die für die Initiative "Schau hin! Was dein Kind mit Medien macht." als Mediencoach tätig ist. Von Cybermobbing betroffene Kinder und Jugendliche seien oft in außergewöhnlicher Bedrängnis und Not. "Wenn sie nun erleben, dass Eltern und Lehrer ohne ihr Einverständnis Entscheidungen treffen, macht es die Lage unter Umständen noch schlimmer", so Langer.

Sie empfiehlt Helfern stattdessen, alle Aktionen eng mit den Betroffenen abzustimmen. Ein möglicher Schritt wäre zum Beispiel, die Angreifer auf dem Smartphone oder auf sozialen Plattformen zu blockieren. "Es geht darum, die Attacken ins Leere laufen zu lassen", erklärt Langer. Denn Cybermobber seien auf Reaktionen aus. Bleiben diese aus, geht der Reiz der Attacken im besten Fall rasch verloren.

Eskaliert die Situation: Anzeige erstatten

Langer weist zudem auf einen weiteren guten Effekt für Cybermobbing-Betroffene hin: "Mit dem Blockieren des Kontakts schaffe ich mir auch Schutzpausen, um entspannen zu können. Sonst bin ich wie beim Boxen ständig neuen Schlägen ausgesetzt, die mich verletzen." Reicht das Blockieren nicht aus, können Hilfesuchende Beratungsstellen in ihrer Nähe aufsuchen. Die "Schau hin!"-Initiative hat auf ihrer Webseite eine nützliche Suchfunktion.

Sollte die Situation völlig eskalieren, empfehlen Experten außerdem den Gang zur Polizei. "Wenn der Mobber zum Beispiel verfremdete Fotos oder Bilder in peinlichen Situationen, etwa aufgenommen in der Schultoilette, von einem herumschickt, dann kann man durchaus überlegen, die Notbremse zu ziehen, die Beweise etwa durch Screenshots zu sichern und Anzeige zu erstatten", sagt Kristin Langer.

Jede ausgestreckte Hand hilfreich

In der Praxis zeige sich aber häufig, dass rechtliche Schritte allein den Konflikt noch nicht lösen. Nina Pirk von der "Nummer gegen Kummer" weist deshalb auch mehrfach auf die Verantwortung von Mitschülern hin, um Cybermobbing-Betroffene aus der Schusslinie zu holen.

"Mitschüler, die sich nicht trauen, aktiv gegen die Mobber vorzugehen, helfen Gemobbten im ersten Schritt auch schon, wenn sie ihnen aufmunternde Nachrichten schreiben und sich so an ihre Seite stellen", sagt Pirk. Für Cybermobbing-Betroffene, die oft eine extreme Isolation erleben, sei "jede ausgestreckte Hand sehr hilfreich".

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