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Deutscher restauriert Häuser - Schwäbischer "Meister des Mörtels" in Tel Aviv

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Tel Aviv im Sommer - 33 Grad, 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. Norbert Hoepfer arbeitet seit zehn Jahren regelmäßig als selbständiger Restaurator in Israel. Seine größte Herausforderung: die kulturellen Unterschiede. Auf dem Bau heißt es nämlich: Schwabe trifft Araber.

Tel Aviv, nirgendwo sonst auf der Welt reihen sich mehr kubistische Wohnwürfel mit rundschwingenden Balkonen und vertikalen Lichtleisten aneinander - rund 4000 Gebäude gibt es im "Weiße Stadt" genannten Bauhaus-Viertel der israelischen Metropole.

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Tel Aviv, nirgendwo sonst auf der Welt reihen sich mehr kubistische Wohnwürfel mit rundschwingenden Balkonen und vertikale Lichtleisten aneinander. Manche machen dem Namen "Weiße Stadt", wie Tel Avivs Bauhaus-Viertel mit rund 4.000 Gebäuden genannt werden, alle Ehre, andere warten noch auf ihre Sanierung. Und damit auch auf: Norbert Hoepfer.

"Na ja, ich sag mal so, das dauert hier alles länger, aber dafür haben wir mehr Spaß", erklärt der Schwabe. In Deutschland gebe es kaum Zeit, sich zu setzen und Kaffee zu trinken. Wenn das der Chef zwei Mal mitbekomme, seien die "Jungs alle weg", ergänzt er. Bei der Hitze und den lokalen Gepflogenheiten könne er froh sein, nach zwölf Uhr mittags überhaupt noch Arbeiter auf der Baustelle zu finden.

Pedantisch, aber geduldig

Sprachlich geht es bunt durcheinander: Norbert Hoepfer spricht ganz gut hebräisch, die Jungs auf der Baustelle arabisch, letztlich haben sie aber verstanden: Dem schwäbischen Putzmeister geht es um Präzision. "Die Deutschen sind echte Pedanten. Der Deutsche hier kann alles zehn Mal wiederholen, bis es perfekt ist, und verliert dabei nicht einmal die Geduld", sagt Mohammed, einer der Arbeiter. Adnan hat heute seinen ersten Tag "mit dem Deutschen": Er möchte gerne mit ihm weitermachen, denn der "weiß, was er tut".

Auch in der Stadtverwaltung lieben sie den Schwaben. Mit Sharon Golan-Yaron, einer deutsch-jüdischen Architektin, arbeitet er eng zusammen. Sie kümmert sich um den Denkmalschutz in der weißen Stadt. Für Golan-Yaron ist das Projekt sehr spannend, "weil es ein kulturelles Projekt ist, das beide Nationen verbindet".

Deutsch-israelisches Erbe erhalten

Der Bauhausstil verbindet Israel und Deutschland aus historischer Sicht schon lange. Fast alle jüdischen Architekten waren in den 1930er Jahren aus Nazi-Deutschland geflohen. Damals gab es ein Abkommen zwischen den Nazis und den Zionisten. Wer ins historische Palästina auswandern wollte, durfte statt Bargeld Baumaterialien mitnehmen, und so sind viele Häuser hier mit der deutschen Importware entstanden. In Tel Aviv setzte sich dann der funktionale Bauhausstil durch, denn der Bedarf an platzsparendem, bezahlbarem Wohnraum war groß.

Nur das Klima machte den Architekten zu schaffen: Hitze, Salz und Feuchtigkeit ließen den Putz schnell bröckeln. Also wurde hier eine Rezeptur entwickelt, die auch nach Deutschland exportiert wurde. Hoepfer habe die Rezeptur neun Jahre später noch einmal überarbeitet, was "die hier auch gut gefunden haben", wie er sagt. Dass Norbert Hoepfer mit seiner Expertise heute zum Erhalt des deutsch-israelischen Erbes beiträgt, macht ihn stolz. Seine orientalischen Rezepturen für den besten Putz sind nun auch sogar wieder Standard in Deutschland.

Die richtige Mischung macht's

In Tel Aviv wird seine Arbeit wertgeschätzt. "Diese Arbeit finde ich so wichtig. Das ist ja wunderschöne Architektur", sagt Dror Masur, ein Passant. Ein anderer meint, dass es wichtig sei, die Geschichte zu erhalten: "Damit bleibt etwas aus der Vergangenheit für die Zukunft."

In Norbert Hoepfers Brust schlagen zwei Herzen - oder wie er sagt: "Mein Herz ist in Israel, mein Kopf ist immer noch in Deutschland, ich glaub, das geht nie raus." Und so fachsimpelt er mit Kollegin Sharon auch beim orientalischen Hummus-Essen am liebsten weiter über die besten Sanierungstechniken.

Er ist halt einfach der "Meister des Mörtels" - zumindest nennen die israelischen Kollegen ihn liebevoll so. Hoepfer sagt: "Die richtige Mischung macht's - beim Mörtel, wie im Rest des Lebens."

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