ZDFheute

"Eine einzige Enttäuschung"

Sie sind hier:

Das schwarze Börsen-Jahr 2018 - "Eine einzige Enttäuschung"

Datum:

Sechs Jahr schienen die Börsen nur eine Richtung zu kennen: aufwärts. Wie schnell es nach unten gehen kann, erlebten Anleger in diesem Jahr. Und 2019? Wie geht es weiter?

Ausverkauf an den deutschen Börsen nach sechs fetten Jahren: Internationale Handelskonflikte, Konjunktursorgen und Angst vor steigenden Zinsen haben den Anlegern 2018 gründlich die Laune verhagelt. Sie erlebten das verlustreichste Jahr seit der internationalen Finanzkrise 2008. Der deutsche Leitindex Dax verlor insgesamt mehr als 18 Prozent und beendete das Jahr bei 10.558,96 Punkten.

Für Aktienanleger war das Jahr 2018 eine einzige Enttäuschung.
Experten der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba)

"Für Aktienanleger war das Jahr 2018 eine einzige Enttäuschung", bilanziert die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Nach sechs Gewinnjahren in Folge schnitt der Dax im internationalen Vergleich schlechter ab als die anderen bedeutenden Börsenindizes. So verzeichnete beispielsweise der Nikkei-Index in Japan zwar auch ein dickes Minus - aber das beträgt nur 12,08 Prozent. Ob Frankfurt oder Tokio, die Perspektiven für das kommende Jahr sind auf den ersten Blick hier wie dort nicht rosig.

Handelskonflikte vs. Geldschwemme

Doch was sind die Gründe für die Minuszahlen? Nach wie vor ungelöst ist trotz Entspannungssignalen der von Donald Trump angeheizte Handelskonflikt zwischen den USA und China. Eine Eskalation des Streits zwischen den beiden weltgrößten Volkswirtschaften könnte die globale Konjunktur in Mitleidenschaft ziehen und exportorientierte deutsche Unternehmen hart treffen.

Auch der Handelskonflikt zwischen den USA und der Europäischen Union ist noch nicht endgültig vom Tisch. Zudem droht ein ungeordneter Brexit - ein Ausscheiden Großbritanniens aus der EU ohne Abkommen. Das Land ist der fünftgrößte Exportmarkt für "Made in Germany". All das kann die Stimmung an den Börsen dämpfen, insbesondere in Deutschland.

Bei Laune gehalten werden die Aktienmärkte seit Jahren durch die Geldschwemme und Niedrigzinsen großer Notenbanken. In der Zinsflaute herrschte Anlagenotstand, Investoren mussten das viele Geld schließlich irgendwo anlegen. Sie setzten daher verstärkt auf Aktien, das trieb die Kurse nach oben. Doch allmählich versiegt die Geldflut.

Tops und Flops: Gewinner und Verlierer in den Dax-Indizes

Die Zinsen steigen wieder

Die US-Notenbank Fed strafft die geldpolitischen Zügel seit geraumer Zeit und hebt die Leitzinsen in Etappen an. Die letzte Erhöhung kurz vor Jahresende sorgte für einen regelrechten Ausverkauf an den weltweiten Aktienmärkten. Investoren befürchten, dass steigende Zinsen die Konjunkturentwicklung deutlich dämpfen könnten. Zugleich machen höhere Zinsen Anleihen von Staaten und Unternehmen im Vergleich mit Aktien tendenziell attraktiver.

Auch Europas Währungshüter steuern allmählich zurück in die geldpolitische Normalität. Im neuen Jahr will die Europäische Zentralbank (EZB) keine frischen Milliarden mehr in Anleihen stecken. Ein rasches Ende der Geldflut im Euroraum ist damit allerdings nicht in Sicht. Gelder aus auslaufenden Papieren will die Notenbank wieder investieren. Eine erste Zinserhöhung wird frühestens im Herbst 2019 erwartet.

Wir befinden uns in einer späten Zyklusphase.
Jens Wilhelm von Union Investment

Darüber hinaus haben sich die Aussichten für die globale Wirtschaft eingetrübt. "Die Weltwirtschaft wächst zwar auch nächstes Jahr, aber wir befinden uns in einer späten Zyklusphase", analysierte Jens Wilhelm, Vorstand bei der Fondsgesellschaft Union Investment. Die USA, die Leitökonomie der Weltwirtschaft, erlebten den zweitlängsten Aufschwung der vergangenen 70 Jahre. Eine wirtschaftliche Verlangsamung sei damit wahrscheinlicher, was sich auf die Stimmung an den Kapitalmärkten auswirken dürfte.

Zwei Experten, drei Meinungen

Anleger müssen sich nach Einschätzung von Börsenexperten 2019 auf eine Berg- und Talfahrt einstellen. "Zwar wird es in den nächsten Monaten immer wieder zu stärkeren Schwankungen kommen, doch insgesamt werden die Aktienmärkte auf einen holprigen Aufwärtspfad einschwenken", zeigte sich Christian Kahler, Chefanlagestratege der DZ-Bank jüngst zuversichtlich.

Wenn die Wall Street niest, bekommen die hiesigen Börsenplätze die Grippe.
LBBW-Experten über das Börsenjahr 2019

Experte Ulrich Stephan von der Deutschen Bank sieht ebenfalls Chancen für steigende Kurse, auch weil die Unternehmen weiterhin mit robusten Gewinnen rechneten. Skeptischer sind die LBBW-Experten. Sie sehen vor allem Risiken bei US-Aktien, die inzwischen als vergleichsweise teuer gelten. Mögliche Folgen beschreiben die Experten so: "Wenn die Wall Street niest, bekommen die hiesigen Börsenplätze die Grippe."

Trotz der Turbulenzen an den Aktienmärkten wagten in diesem Jahr 18 Unternehmen in Deutschland den Gang aufs Parkett. Darunter waren internationale Schwergewichte wie Siemens Healthineers und Knorr-Bremse. Das Emissionsvolumen der Börsengänge in Deutschland belief sich nach Berechnungen der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC auf mehr als zehn Milliarden Euro. Es war der höchste Wert seit der Jahrtausendwende. Ob es 2019 so weitergeht, ist fraglich. Der Ausblick "war selten so von Unsicherheiten geprägt wie aktuell", meint PwC-Expertin Nadja Picard.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.