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Vorreiter Schweden - E-Mobilität: "Ja, es geht"

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Es klingt visionär: Schweden will fossilfrei werden, das Land setzt auf E-Autos und E-Busse. Auch die Kommunen machen mit. Und die Klimaziele der Regierung klingen ambitioniert.

Deutschland hinkt bei der Elektromobilität hinterher. Das Ziel, eine Million Elektroautos bis 2020 auf deutsche Straßen zu bringen, ist längst verfehlt. Genauso wie die Klimaziele, die die Bundesregierung aufgrund des zunehmenden Lkw-Verkehrs auf den …

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Es sollen symbolträchtige Bilder werden. Bilder, wie gemacht für die schwedische Erzählung von unberührter Natur und sauberer Energie. Mitten in die Wälder vor der schwedischen Stadt Västerås haben sie einen E-Bus gestellt. Daneben ein E-Auto, ein E-Boot und ein E-Moped. Die Botschaft: Wir gehen voran beim Klimaschutz. "Wir wollen eines der ersten fossilfreien Wohlfahrtsländer der Welt werden und das geht nur, wenn wir auf Elektromobilität setzen", sagt der schwedische Wirtschaftsminister Mikael Damberg der ZDF-Sendung "Berlin direkt."

In Västerås haben sie in dieser Woche den Grundstein gelegt für die größte Forschungsstätte für Lithium-Batterien in Europa. Eine Autostunde von Stockholm entfernt entwickeln sie künftig Speicherkapazitäten für E-Fahrzeuge. In Nordschweden sollen die Batterien dann produziert werden. 40 Milliarden Kronen, umgerechnet etwa 4,2 Milliarden Euro, kostet das Projekt der schwedischen Firma Northvolt. Mit Batterien aus Schweden sollen künftig E-Busse, E-Autos und E-Mopeds auf der ganzen Welt fahren.

Schwedische Kommunen setzen E-Müllautos ein

E-Bus in Schweden
E-Bus in Schweden Quelle: ZDF/Rzepka

Auch in schwedischen Städten. Göteborg setzt seit ein paar Tagen elektrisch betriebene Müllautos ein. Reichweite: 300 Kilometer. In der mittelschwedischen Stadt Östersund fahren seit kurzem E-Busse mit einem Stromabnehmer auf dem Dach. "Sie kommen 60 Kilometer weit", sagt Björn Westman vom schwedischen Autohersteller Scania. Ob das nicht ein bisschen wenig sei? "Keineswegs", sagt Westman. Die Busse könnten unterwegs Ladestationen anfahren und würden über den Stromabnehmer aufgeladen. "Das dauert gerade einmal sechs Minuten."

Die Klimaziele der schwedischen Regierung klingen ambitioniert. Bis 2035 will das Land den CO2-Ausstoß um 20 Prozent reduzieren. Das gehe nur, wenn auch die Fahrzeuge in schwedischen Städten und Kommunen elektrisch würden - nicht also nur die privaten Autos der Schweden, sagt Mikael Damberg, der Wirtschaftsminister, der auch für Innovation und Digitales zuständig ist. "Ich finde es wichtig zu zeigen: Ja, es geht." Man könne sehr wohl elektrische Fahrzeuge einsetzen, wie in Göteborg. "Mit dieser Botschaft kann man Schweden und schwedische Produkte ziemlich gut verkaufen auf dem Weltmarkt."

Millionen Lkw auf deutschen Straßen unterwegs

Und Deutschland? Klang auch einmal visionär. "Wir wollen, dass bis 2020 eine Millionen Elektroautos auf unseren Straßen im Einsatz sind", hat Kanzlerin Angela Merkel einst gesagt. Doch von diesem Ziel ist Deutschland meilenweit entfernt. Der Verkehr ist hierzulande der einzige Sektor, der seine Treibhausgasemissionen seit 1990 insgesamt nicht reduziert hat. Ein Grund dafür: Der rasant wachsende Güterverkehr auf der Straße. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der gemeldeten Lkw in Deutschland um 700.000 Fahrzeuge gewachsen - auf jetzt rund drei Millionen. Nur etwa 12.000 davon sind Elektro-Lkw. Für den Bundesverband E-Mobilität die völlig falsche Strategie.

Der Bundesverband E-Mobilität sieht Deutschland im internationalen Vergleich abgehängt. Uns fehlen vier bis fünf Jahre, sagt Präsident Kurt Sigl im ZDF.

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Die früheren CSU-Verkehrminister Peter Ramsauer und Alexander Dobrindt gaben sich eher als Männer der Straße, statt der Bahn - und förderten entsprechend. Es fehlt an E-Lkw deutscher Hersteller. So verspricht der Konzern Tesla etwa, im kommenden Jahr ein Modell auf den Markt zu bringen, das eine Reichweite von 800 Kilometer hat. Zwei Jahre später soll ein Daimler-LKW kommen, der nur 200 Kilometer weit fahren kann. Verschlafen neben der Bundesregierung auch die Autohersteller die Trendwende?

Scheuer will an Diesel-Förderung festhalten

In Schweden würden sie das so nie sagen. Dass der deutsche Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) auch weiterhin Diesel-Fahrzeuge steuerlich fördern will, mag Mikael Damberg nicht so recht kritisieren. Der Diesel sei auch für Schweden nach wie vor eine Alternative. Gerade auf dem Land. Aber: "Der Elektromobilität gehört natürlich die Zukunft. Und diese Entwicklung kommt sicherlich schneller, als so mancher heute glaubt." Es klingt so, als wäre das Autoland Deutschland dabei, vom Ausland überholt zu werden.

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