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Kriminalitätsstatistik - 136 Kinder getötet - Gewalt geht nicht zurück

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Schwere Gewalt gegen Kinder ist ein besonders düsteres Kapitel für Ermittler und Kinderschützer. Und sie geht nicht zurück. Im letzten Jahr wurden mehr als 100 Kleinkinder getötet.

Ein kleiner Junge hält schützend Hände vor sich
Ein kleiner Junge hält schützend Hände vor sich
Quelle: colourbox.de

In Deutschland werden jeden Tag allein mindestens 40 Kinder Opfer sexueller Gewalt. Der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, sagte an diesem Donnerstag in Berlin, die Zahlen seien erschreckend.

Deutschlandweit sind im vergangenen Jahr 136 Kinder gewaltsam zu Tode gekommen - 63 vorsätzlich und 73 fahrlässig. Fast 80 Prozent von ihnen starben vor ihrem sechsten Lebensjahr. Hinzu kamen 98 Tötungsversuche. Die Zahl der polizeilich bekannten Misshandlungen von Kindern sank 2018 geringfügig gegenüber dem Vorjahr auf 4.180 Fälle. Die Hälfte der Opfer war jünger als sechs Jahre.

BKA befürchtet große Dunkelziffer

Es gibt weitaus mehr Taten als wir sehen - und wir sehen schon viel.
BKA-Chef Münch

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Rainer Becker, sagte, es brauche mehr Sensibilität für potenzielle Gefährdungslagen - etwa bei psychischen Störungen oder Suchterkrankungen der Eltern. Die Pädagogik-Professorin Kathinka Beckmann sprach von "erheblichen Schwächen" im Kinderschutz. Der größte Schwachpunkt seien Jugendämter, denen Fachkräfte fehlten und eine Instanz für Beschwerden.

Im vorigen Jahr wurden bei der Polizei 14.606 Fälle von sexuellem Missbrauch angezeigt, knapp 800 mehr als im Vorjahr. Die Täter sind Münch zufolge überwiegend männliche Erwachsene aus dem engen Umfeld der Kinder, die Opfer zu zwei Dritteln Mädchen. Die Polizeiliche Kriminalstatistik gibt nur Auskunft über die angezeigten Fälle. Das Dunkelfeld wird von Experten als weit größer eingeschätzt. Münch sagte: "Es gibt weitaus mehr Taten als wir sehen - und wir sehen schon viel."

Meldepflicht nach Vorbild der USA?

Den stärksten Anstieg von rund 14 Prozent verzeichnet die Kriminalstatistik bei den Zahlen zur Herstellung, dem Besitz und der Verbreitung von kinderpornografischem Material. Die Polizei registrierte knapp 7.500 Fälle. Die meisten Hinweise auf Missbrauchsdarstellungen kommen laut Münch aus den USA, wo Provider verpflichtet sind, kinderpornografisches Material zu melden.

Anfang Mai sei beispielsweise eine Bilderserie aus den USA an die deutschen Behörden geschickt worden. Dank "technischer Ermittlungen" habe dann der Ort, an dem das Material hergestellt wurde, schnell identifiziert werden können. Vier Tage später habe die Polizei den Täter geschnappt. Münch forderte eine Meldepflicht auch für Deutschland.

In jedem fünften Fall mussten die Ermittler laut Münch die Verfolgung aufgeben, weil die Adressen der Computer, auf denen die Bilder und Daten gespeichert sind, nicht mehr vorhanden waren. Die Möglichkeit, IP-Adressen und Verbindungsdaten bis zu zehn Wochen zu speichern, ist in Deutschland aufgrund eines Gerichtsurteils ausgesetzt, bis eine Regelung auf EU-Ebene vorgegeben wird. Ein weiteres Problem der Ermittler sei die riesige und weiter wachsende Datenmenge, die ausgewertet werden müsse, sagte Münch.

Missbrauchsbeauftragter will Kollegen auf Landesebene

Kinderschutz gehört nach ganz oben auf die Agenda einer jeden Landesregierung.
Johannes-Wilhelm Rörig, Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung

Der BKA-Chef begrüßte den Plan von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), den polizeilichen Ermittlern die Übernahme digitaler Identitäten von Tätern auch gegen deren Widerstand zu ermöglichen. In Fällen, in denen überführte Täter mit der Polizei freiwillig zusammengearbeitet hätten, habe man beachtliche Ermittlungserfolge erzielt, sagte Münch.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, richtete einen eindringlichen Appell an die Bundesländer, Missbrauchsbeauftragte auf Landesebene zu berufen. Unverbindliches Mitgefühl reiche im Kampf gegen sexuelle Gewalt nicht aus, sagte Rörig. Die Länder seien zuständig für die Verfolgung der Täter und müssten sich verbindliche Ziele setzen für die Prävention: "Kinderschutz gehört nach ganz oben auf die Agenda einer jeden Landesregierung", sagte Rörig.

Kalinka08

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