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Sensibler Punkt im Völkerstreit - Jerusalem - Wurzeln des Konflikts

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Nach der Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt durch die USA sind die Fronten verhärtet. Die Heilige Stadt ist der sensibelste Punkt im Streit zwischen beiden Völkern.

Die Altstadt Jerusalems mit dem Tempelberg am 06.12.2017
Die Altstadt Jerusalems mit dem Tempelberg am 06.12.2017
Quelle: dpa

Jerusalem ist Juden, Christen und Muslimen heilig. In der Altstadt liegt der Tempelberg, für Muslime "Al-Haram al-Scharif" (Das edle Heiligtum). Nach islamischem Glauben ritt der Prophet Mohammed von dort aus in den Himmel. An dieser Stelle steht heute der Felsendom mit seiner goldenen Kuppel. Daneben befindet sich die Al-Aksa-Moschee, wo Muslime zum Gebet zusammen kommen. Die Stätten bilden das drittwichtigste islamische Heiligtum. Für die Juden ist der Ort ebenfalls von höchster Bedeutung, weil dort zwei jüdische Tempel standen. Die Klagemauer am Fuß des Tempelbergs ist der Überrest der ehemaligen westlichen Stützmauer des zweiten Tempels, der von den Römern im Jahr 70 zerstört wurde. Die Juden pilgern an die Klagemauer um zu beten.

Heiligtümer von Muslimen und Juden

Die Palästinenser wollen Ost-Jerusalem als Hauptstadt für einen künftigen unabhängigen Staat Palästina. Israel beansprucht die ganze Stadt für sich. Die Altstadt mit der Klagemauer und dem Tempelberg liegt in Ost-Jerusalem. Nur acht Minuten zu Fuß vom Tempelberg liegt das wichtigste Heiligtum der Christen: die Grabeskirche. Sie soll sich der Überlieferung nach an der Stelle befinden, wo Christus nach seinem Tod am Kreuz beerdigt wurde und wieder auferstand. Traditionell feiern Gläubige dort das Osterereignis.

Karte von Israel mit Jerusalem, Gaza und Westjordanland
Karte von Israel mit Jerusalem, Gaza und Westjordanland
Quelle: ZDF

Für den palästinensischen Analysten Muhannad Abdulhamid zerstört die Entscheidung Trumps die Chance auf einen Friedensprozess. "Jerusalem war und ist historisch gesehen das religiöse, kulturelle und politische Zentrum für die Palästinenser", sagt Abdulhamid. "Ohne das gibt es kein Palästina." Wenn man diesen Teil ausklammere, bleibe nichts mehr übrig, worüber man verhandeln könne. "Jerusalem ist die Wiege der jüdischen Kultur und Zivilisation", sagt dagegen Gerald Steinberg, Politikprofessor an der Bar-Ilan-Universität, über die Bedeutung der Stadt für Israel und die Juden in aller Welt. "Die biblische Geschichte geht zurück auf König David, König Salomon und die Tempel."

Zwischen Erinnerung und Verdrängung

Der deutsche Benediktinermönch Nikodemus Schnabel lebt seit 14 Jahren in der Heiligen Stadt. "Jerusalem ist einfach eine Stadt, die viereinhalbtausend Jahre auf dem Buckel hat und eine Geschichte, die teilweise erinnert und teilweise verdrängt wird", sagt der Leiter der Dormitio-Abtei am Rande der Altstadt. "Wenn die Israelis sagen, Jerusalem ist 3.000 Jahre alt und die ewige Hauptstadt Israels, muss man sagen: Nein, Jerusalem ist 4.500 Jahre alt, eine kanaanäische Stadt, in der ein Götterhimmel verehrt wurde mit Wettergottheiten und Muttergottheiten." Die Palästinenser wiederum würden verdrängen, dass es die jüdischen Tempel gab, weil das nicht in ihr Geschichtsbild passe, sagt Pater Nikodemus. "Die Stadt ist geschichtlich und religiös sehr aufgeladen." In jeder Religion gebe es zudem Strömungen, die Jerusalem für sich allein haben wollten.

Die Christen würden allerdings in der Stadt kaum eine Rolle spielen, sagt der Mönch. Immerhin machten sie nur zwei Prozent der Bevölkerung aus. "Jerusalem ist wie ein feines Spinngewebe", sagt er. "Da kann man sich nicht elefantös darin bewegen, das tut den Menschen nicht gut."

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