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"Wind of Change" - Privatständchen für Gorbatschow

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Scorpions rocken in Moskau - "Wind of Change" - Privatständchen für Gorbatschow

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1988 traten die Scorpions als eine der ersten westlichen Bands in der UdSSR auf. Kurz danach entstand "Wind of Change". Nun rocken sie wieder in Moskau - und treffen Gorbatschow.

Die Rockband aus Hannover ist mit dem ehemaligen Staatschef der Sowjetunion schon lange gut befreundet. In Moskau schwelgen sie nun gemeinsam in Erinnerungen an den Fall der Mauer und welchen Beitrag sie dazu geleistet haben.

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Die beiden mögen sich, das merkt man sofort. Es ist eine herzliche Begegnung in den Räumen der Gorbatschow-Stiftung in Moskau. Der mittlerweile 88-Jährige Michail Gorbatschow und Scorpions-Sänger Klaus Meine umarmen sich. "Kak dela, wie geht's?", fragt Klaus Meine auf Russisch. Gorbatschow antwortet auf Deutsch: "Gut, sehr gut." Die beiden kennen und schätzen sich, seit dem ersten Treffen 1991, als der ehemalige Staatschef der Sowjetunion die Scorpions in den Kreml eingeladen hatte. Die Scorpions hatten zuvor eine russische Version ihres Welthits "Wind of Change" veröffentlicht.   

Freundschaft zwischen Klaus Meine und Michail Gorbatschow

Michail Gorbatschow, ehemaliger Präsident der Sowjetunion, und Klaus Meine, Sänger der Band Scorpions, unterhalten sich am 05.11.2019 auf einem Treffen in der Gorbatschow-Stiftung in Moskau.
Klaus Meine und Michail Gorbatschow
Quelle: DPA

Es gebe Tage, sagt Gorbatschow, da fühle er sich allerdings nicht so gut. Auch eine Absage des Termins habe im Raum gestanden, aber er wollte unbedingt, dass er stattfindet. Gorbatschow erinnert sich an die Tage der deutschen Einheit. Die wichtigste Rolle beim Mauerfall hätten zwei Völker gespielt, die sich wiedervereinigen wollten, sagt Gorbatschow. Und er erklärt, dass er sich große Sorgen über die aktuelle Weltlage mache. 

Die ganzen Atomwaffen, die es heute in Russland und den USA gibt, reichen aus, um die ganze Welt zu zerstören.

Man müsse den Kampf für den Frieden weiter fortsetzen, einen Frieden ohne Atomwaffen. Es ist ein Appell an die Welt. Klaus Meine dankt Gorbatschow für seinen Einsatz rund um die Deutsche Einheit und seine Besonnenheit. "Ohne ihn wäre die Wiedervereinigung, wäre der 9. November nicht so friedlich gelaufen. Es wäre nicht diese friedliche Revolution gewesen, die sie war, in deren Verlauf kein Schuss gefallen ist. Es ist niemand ums Leben gekommen und dass die Panzer nicht auffuhren am 9. November, das haben wir Gorbatschow zu verdanken." Zur Feier des Tages bekommt Gorbatschow noch ein Privatständchen von "Wind of Change" und beide sind sehr glücklich.

"Glasnost, Perestroika und Rock’n Roll"

Doch neben Erinnerungen an Glasnost und Perestroika ist der Rock'n Roll der Hauptgrund, warum die Rockstars aus Deutschland wieder in Russland sind. Die Scorpions spielen in der VTB-Arena in Moskau, mehr als 10.000 Fans sind gekommen, um mit der Band aus Deutschland zu feiern. Und ein Song darf bei dem Konzert natürlich nicht fehlen. Die ganze Halle singt "Wind of Change", man spürt eine besondere Stimmung in dem Lichtermeer.

"Der Song hat eigentlich nichts von seiner Kraft und seiner Aussage verloren", sagt Klaus Meine. "Wir wünschen uns alle nichts sehnlicher als eine friedliche Welt. Eine Welt, in der es nicht so viel Hass, Aggression, Kriege, Auseinandersetzungen gibt, all das was zur Zeit stattfindet."

In der ganzen Welt unterwegs

Die meiste Zeit des Jahres ist die Band in der ganzen Welt unterwegs. Gerade waren sie in Südamerika, bei "Rock in Rio" und in Kolumbien, jetzt touren sich gerade durch Russland, danach kommen noch Konzerte in der Ukraine und in Weißrussland.

Scorpions in Moskau
Scorpions in Moskau
Quelle: ZDF
Unsere Eltern sind mit Panzern gekommen, wir kamen mit Gitarren und wir wurden mit offenen Armen empfangen.
Klaus Meine

Doch Moskau wird für die Band immer ein besonderer Ort bleiben. Als eine der ersten westlichen Bands spielten die Scorpions 1988 in St. Petersburg, ein Jahr später, im Wendejahr 1989 dann beim "Moscow Music Peace Festival" - auch als Woodstock der UdSSR bezeichnet. Zusammen mit Bands wie Bon Jovi, Skid Row oder Mötley Crüe. Eine wilde Zeit, wie sich Meine erinnert. Und eine Zeit, die sehr emotional gewesen sei, weil man der Kalten Krieg ja selbst miterlebt habe. "Unsere Eltern sind mit Panzern gekommen, wir kamen mit Gitarren und wir wurden mit offenen Armen empfangen."

Der Sänger der Scorpions, mittlerweile 71 Jahre alt, erzählt dann noch von einem "Fehler", nämlich ihrer eigentlichen Abschiedstournee. 2012 sollte eigentlich Schluss sein mit den Scorpions. Doch auf der Tour merkten die Rocker, dass es doch zu großen Spaß mache. Ans Aufhören wollen sie deshalb heute gar nicht mehr denken. Das klingt ganz so, als hätten sie wohl nicht das letzte Mal in Moskau gespielt.

Und auch der 88-jährige Michail Gorbatschow hofft auf ein Wiedersehen und lädt die Scorpions noch zu seinem 90. Geburtstag ein. "Wenn ich dann noch lebe", fügt Gorbatschow hinzu. Ein Lied wird bei der Geburtstagsfeier dann bestimmt nicht fehlen…

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