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Investor will Aufspaltung - Scout24 unter Druck

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Scout24 steht vor der Aufspaltung: Das Internetportal prüft "strategische Alternativen". Soll heißen: es denkt darüber nach, die Sparte "AutoScout 24" abzutrennen.

Das Logo von Scout24, aufgenommen am 05.07.2019 in München
Das Unternehmen Scout24 überlegt, sich von der Sparte "AutoScout24" zu trennen.
Quelle: Reutersa

Bei der Vorlage der Halbjahreszahlen kündigte Unternehmenschef Tobias Hartmann an: "Mit dem Ziel, langfristigen Wert für alle unsere Aktionäre zu schaffen, haben wir eine Prüfung der strategischen Alternativen für AutoScout24 angestoßen." Ergebnisse werde man auf einem Kapitalmarkttag am 26. November bekanntgeben. Damit scheint das 1998 in München gegründete Internetportal, das neben Kleinanzeigen für Autos auch einen entsprechenden Marktplatz für Immobilien betreibt ("ImmobilienScout24"), dem Druck des aktivistischen amerikanischen Investors Paul Singer und seinem Hedge Fonds Elliott Advisors nachzugeben.

Der hatte sich vor einigen Monaten in das Unternehmen eingekauft, zunächst mit 6,0, inzwischen 7,5 Prozent, das entspricht gut 400 Millionen Euro. Und er hatte dann allmählich begonnen, Druck auf das Management aufzubauen. Das Ziel: eine bessere Rendite. Die könne man erreichen, da ist sich Elliott sicher, indem man das Unternehmen zerschlägt, AutoScout24 also abtrennt.

Pläne zur Weiterentwicklung existieren bereits

Dabei läuft das Geschäft des Online-Marktplatzes gut: Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz des Konzerns, zu dem inzwischen etwa auch "Finanzcheck.de" gehört, um ein Fünftel auf gut 300 Millionen Euro. Der operative Gewinn legte um knapp elf Prozent auf 154 Millionen Euro zu – dank der Übernahme von Finanzcheck.de. Damit erzielt das Unternehmen immerhin eine Gewinnmarge von gut 51 Prozent.

Schon Mitte Juli hatte der Vorstand seine Pläne zur Weiterentwicklung der Strategie für eine Wertsteigerung bekanntgegeben. Als Teil der strategischen Weiterentwicklung wird ein Aktienrückkaufprogramm gestartet: So sollen Anteile im Volumen von 300 Millionen Euro zurückgekauft werden. Dadurch sind weniger Anteile am Markt notiert, der Kurs steigt dann – meistens. Allerdings muss Scout 24 dafür Schulden aufnehmen.

Ein offener Brief macht Druck

Doch das war Singers Fonds Elliott nicht genug. Deshalb legte der Investor nach und schrieb Anfang des Monats einen offenen Brief an den Vorstand – ein übliches Vorgehen. So erhöht er den Druck über die Öffentlichkeit. In dem Brief warf er dem Management verpasste Chancen, schlechtes Urteilsvermögen und eine mangelhafte Kommunikation vor. Das Management lasse außerdem Ambitionen vermissen. Kein schönes Zeugnis für einen Vorstand. Elliott alias Singer forderte explizit die Abspaltung von AutoScout24. Grund: Getrennt seien die beiden Teile mehr wert als zusammen. Das ist der grundsätzliche Ansatz vieler aktivistischer Investoren.

Der Marktwert von Scout24 liegt aktuell bei etwa 5,4 Milliarden Euro. Singer rechnet nun vor, ImmobilienScout24 sei 5 Milliarden Euro wert, AutoScout24 2,5 Milliarden. Deshalb solle das Autoportal verkauft werden. Interessenten dafür gebe es, meint Singer und verweist auf den Medienkonzern Axel Springer, den Gebrauchtwagenhändler Auto1 und andere Investoren. In dem Brief heißt es weiter. "Wenn Sie die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die Hindernisse für die Entfaltung von Scout 24 zu beseitigen, gehen wir davon aus, dass der Aktienkurs auf 65 Euro steigen könnte." Aktuell steht die Aktie bei etwa 52 Euro. Scout 24 soll auch noch mehr Aktien zurückkaufen und dafür sogar Milliarden ausgeben – und sich weiter verschulden.

Investor an mehreren deutschen Firmen beteiligt

Im Frühjahr hatte der Vorstand eigentlich einem Übernahmeangebot der Investoren Blackstone sowie Hellman & Friedman zugestimmt. Doch das Angebot von 46 Euro je Aktie scheiterte, weil eine Mehrheit der Aktionäre dieses Angebot zu niedrig fand.

Scout 24 ist nicht das einzige deutsche Unternehmen, bei dem Elliott eingestiegen ist. Prominentes Beispiel war im letzten Jahr ThyssenKrupp, da hatte Elliott zusammen mit einem anderen Großinvestor den Druck in Richtung eines Strategiewechsels so stark erhöht, dass der damalige Vorstandschef Heinrich Hiesinger und der Chef des Aufsichtsrats, Ulrich Lehner, ihre Posten niederlegten.

Beim hessischen Arzneimittelkonzern Stada war er ebenso beteiligt, hat sich aber inzwischen mit Gewinn von diesen Anteilen getrennt. Und schließlich hält Elliott auch Anteile an der Walldorfer Softwareschmiede SAP. Die ist zwar das wertvollste deutsche Unternehmen, doch die Marge könnte etwas besser sein, glaubt der Investor. Das aber sieht auch der amerikanische SAP-Chef Bill McDermott so, entsprechend dürfte SAP ohnehin versuchen, den Wünschen Elliotts gerecht zu werden.

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