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Neonazi-Skandal in Chemnitz - Seehofer: Kein Raum für Rechtsextremismus

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Der Chemnitzer FC droht im braunen Sumpf zu versinken. Es geht um die Unterdrückung eines ostdeutschen Fußball-Traditionsklubs durch rechtsradikale Teile seiner eigenen Fans.

Fans des Chemnitzer FC brennen Pyrotechnik vor Beginn des Spiels ab
Fans des Chemnitzer FC brennen Pyrotechnik vor Beginn des Spiels ab
Quelle: dpa

Beim Spiel gegen VSG Altglienicke aus Berlin am vergangenen Samstag im Chemnitzer Stadion war eines rechtsradikalen Fans gedacht worden. Der Klub hatte am Montag bei der Staatsanwaltschaft Chemnitz wegen des Anfangsverdachts einer Nötigung und der Androhung schwereren Landfriedensbruchs Strafanzeige gestellt. Auch der NOFV hat inzwischen Ermittlungen aufgenommen. Außerdem trennte sich der Klub von der Fanbeauftragten, zudem wurden ein Mitarbeiter der Kommunikationsabteilung und der Stadionsprecher freigestellt. Inzwischen trat auch Geschäftsführer Thomas Uhlig zurück.

Maßnahmen richtig und absolut notwendig

Sport soll eine integrierende Wirkung haben und Menschen miteinander verbinden.
Horst Seehofer, Bundesinnenminister

Bundesinnenminister Horst Seehofer begrüßte die Konsequenzen. "Ich halte es für richtig und absolut notwendig, dass die Verantwortlichen beim Chemnitzer FC und beim Nordostdeutschen Fußball-Verband (NOFV) die erforderlichen Konsequenzen ziehen. Sport soll eine integrierende Wirkung haben und Menschen miteinander verbinden", teilte der 69-Jährige in einer Stellungnahme mit. Es dürfe keinen Raum für Rechtsextremismus und Rassismus geben.

Angreifer Frahn entschuldigt sich

Als aller erstes möchte ich klarstellen, dass ich KEIN Sympathisant eines Neo-Nazis bin!
Daniel Frahn, Angreifer Chemnitzer FC

Daniel Frahn hat sich für seinen umstrittenen Jubel beim Spiel des Chemnitzer FC entschuldigt. Der 31-Jährige hatte nach dem Tod eines rechtsextremen Fans ein T-Shirt mit der Aufschrift "Support your local Hools" (unterstütze deine lokalen Hools) hochgehalten. Es habe nicht dazu gedient, ein politisches Statement zu setzen, schrieb der Angreifer des Fußball-Regionalligisten auf seiner Facebook-Seite. "Mir war auch nicht bewusst, dass dieses Shirt so tief in der Neo-Nazi Szene verankert ist", ergänzte der Mittelstürmer. Dafür wollte er sich aufrichtig und ehrlich entschuldigen. "Als aller erstes möchte ich klarstellen, dass ich kein Sympathisant eines Neo-Nazis bin! Auch teile ich diese politische Einstellung nicht und trage auch keine rechten Gedanken in mir."

Frahn war für seine Geste vom Verein mit einer Geldstrafe belegt worden. Sie war jedoch nicht der Hauptgrund, warum der Chemnitzer FC seit dem Meisterschaftsspiel am vergangenen Samstag gegen die VSG Altglienicke schwer in der Kritik steht. Der Klub hatte vor dem Anpfiff eine Trauerkundgebung für den gestorbenen Thomas Haller zugelassen, der Mitbegründer einer längst aufgelösten Neonazi-Organisation war.

Rechtsextreme Fußballfans gut vernetz

Rechtsextreme Fußballfans sind nach Erkenntnissen des sächsischen Verfassungsschutzes gut vernetzt. "Die von außen kaum feststellbaren festen Strukturen dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei diesem Personenpotenzial um ein festes Netzwerk mit zahlreichen Anhängern handelt", teilte die Behörde am Dienstag auf Anfrage mit. Verschiedene Kleinstgruppen würden mit Hilfe sozialer Medien ein gewaltbereites Potenzial bilden, das anlassbezogen viele Teilnehmer mobilisieren könne. Welche Ausmaße das annehmen könne, sei etwa Ende August 2018 in Chemnitz zu beobachten gewesen. Damals war es nach einer tödlichen Messerattacke, für die Flüchtlinge verantwortlich gemacht werden, zu Protesten und Angriffen auf Ausländer gekommen. Maßgeblich beteiligt waren Rechte und Hooligans.

Initaitoren bedrohten den Verein mit massiven Ausschreitungen

Nach Aussagen der zuständigen Mitarbeiter drohten massive Ausschreitungen. Dieser Umstand begründet zumindest den Anfangsverdacht für eine schwerwiegende Nötigung, der von den zuständigen Ermittlungsbehörden aufzuklären ist
Klaus Siemon, Insolvenzverwalter CFC

Vor dem Spiel am vergangenen Samstag hatte die Fankurve des Vereins an den Tod von Thomas Haller, der als führender Kopf der Chemnitzer Rechtsradikalen-Szene und Hooligan galt, mit Pyro-Show, Schweigeminute und einem großen Transparent mit Fraktur-Schrift erinnert; geplant sei das laut Verein nicht gewesen. Wie der Klub am Montag mitteilte, sollen dieser Abweichung vom normalen Prozedere möglicherweise strafbare Handlungen vorausgegangen sein.

"Nach Aussagen der zuständigen Mitarbeiter drohten massive Ausschreitungen. Dieser Umstand begründet zumindest den Anfangsverdacht für eine schwerwiegende Nötigung, der von den zuständigen Ermittlungsbehörden aufzuklären ist", sagte Insolvenzverwalter Klaus Siemon.

Deshalb ging am Montag bei der Staatsanwaltschaft Chemnitz eine CFC-Strafanzeige gegen unbekannt ein. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) reagierte entrüstet. Vize-Präsident Rainer Koch teilte mit, dass sich der DFB "in aller Deutlichkeit von den Vorkommnissen im Chemnitzer Stadion" distanziere. Der zuständige NOFV beauftragte sein Sportgericht derweil mit Ermittlungen und bekräftigte, dass er sich "gegen den Missbrauch von Fußballspielen und die Nutzung für parteipolitische und anderweitige Zwecke" ausspreche.

Für die Trauer-Feierlichkeiten soll laut Angaben des CFC nicht nur "die Verwendung der sonst üblichen Fahnen von bis zu 99 Fanclubs unterbunden" gewesen sein sein. Außerdem sei in Erfahrung gebracht worden, "dass einschlägig bekannte Personen aus der rechtsextremen Szene für diesen Tag aus anderen Städten nach Chemnitz und Sachsen gereist" seien. Laut Berichten der Freien Presse war H. Begründer der rechtsextremen Gruppe "HooNaRa".

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