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Ermittlungen im Fall Frankfurt - Verdächtiger hatte psychische Probleme

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Ein "kaltblütiger Mord" sei die Frankfurter Attacke gewesen, sagt Minister Seehofer. Jetzt wurde bekannt: Der mutmaßliche Täter war in psychiatrischer Behandlung und wurde gesucht.

Nach dem tödlichen Angriff auf ein Kind im Frankfurter Hauptbahnhof gibt es Details zum mutmaßlichen Täter: Der 40-jährige Eritreer lebte in der Schweiz, war zuletzt in psychiatrischer Behandlung.

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"Eine solche Tat macht fassungslos", sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) vor Journalisten. Er hatte seinen Urlaub unterbrochen und die Spitzen der Sicherheitsbehörden in Berlin zusammengerufen. Nach einer solchen "grässlichen Tat", so Seehofer, könne die Politik nicht zur Tagesordnung übergehen. "Wir werden alles tun, damit der mutmaßliche Täter einer gerechten Bestrafung zugeführt wird."

Am Montag war der Achtjährige vermutlich von dem Eritreer vor einen einfahrenden ICE am Frankfurter Hauptbahnhof gestoßen worden. Er starb noch im Gleisbett. Die 40-jährige Mutter des Jungen hatte er zuerst ins Gleis gestoßen, sie konnte sich retten und wurde verletzt. Der Mann wollte auch noch eine dritte Person, eine 78-jährige Frau, vor den Zug stoßen, sie konnte sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Der Mann wurde noch im Bahnhof von Passanten gestellt und festgenommen. "Ein positives Beispiel praktischer Zivilcourage", lobte Seehofer.

Gut integriert aber psychische Probleme

Über das Motiv des 40-jährigen Eritreers ist bislang nichts bekannt. Der Mann hatte nach Angaben von Dieter Romann, Präsident der Bundespolizei, im Kanton Zürich gelebt. Der dreifache Familienvater war 2006 in die Schweiz illegal eingereist, sein Asylantrag wurde dort 2008 bewilligt. Er war nun in Besitz einer Niederlassungsbewilligung. Diese bekommen Ausländer in der Schweiz nach einem Aufenthalt von fünf oder zehn Jahren. Damit erhalten sie ein unbeschränktes Aufenthaltsrecht. Er hatte einen Job, galt laut Seehofer als "vorbildlich integriert". In einem Bericht einer Flüchtlingsorganisation wurde er als gutes Beispiel gelobt. Nach Angaben von Schweizer Medien arbeitete er in der Werkstatt der Zürcher Verkehrsbetriebe.

Auffällig wurde er erst vorigen Donnerstag: Er soll eine Nachbarin mit dem Messer bedroht, gewürgt und eingesperrt haben. Wie die Kantonspolizei Zürich heute mitteilte, sei der Mann in psychiatrischer Behandlung gewesen und habe seit Januar nicht mehr gearbeitet. Der Überfall auf die Nachbarin sei sowohl für die Ehefrau als auch für die Nachbarin selbst völlig überraschend gekommen. Daraufhin wurde er in der Schweiz mit Haftbefehl gesucht und flüchtete nach Deutschland. Wann und wo er einreiste, wissen die Behörden nicht, da er nicht mit internationalen Haftbefehl gesucht wurde und aufgrund seines Aufenthaltstatus legal einreiste.

Pressekonferenz zur Attacke in Frankfurt in voller Länge:

Nach dem Tod eines Jungen am Frankfurter Hauptbahnhof informieren Bundesinnenminister Seehofer, Bundespolizeipräsident Romann und BKA-Präsident Münch über die Ereignisse.

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Seehofer will mehr Polizei auf den Bahnhöfen

Für das Ausländer- und Aufenthaltsrecht will Seehofer deswegen erst einmal keine Konsequenzen ziehen. Wohl aber soll in Spitzengesprächen mit dem Bundesverkehrsministerium und der Bahn die Sicherheit an den rund 5.600 Bahnhöfen überprüft werden. "Das ist unsere moralische Verantwortung", so Seehofer. Unter anderem soll das Sicherheitsgefühl der Menschen durch eine höhere Präsenz von Bundespolizeibeamten erhöht werden. Im kommenden Bundeshalt seien 2.000 neue Bundespolizeianwärter geplant. Geht es nach Seehofer, soll es noch mehr werden. Es sei sich "ziemlich sicher", dass er im Bundestag und beim Bundesfinanzminister dafür Unterstützung bekomme.

Zudem sollen die Videoüberwachung und alle technischen Möglichkeiten zum besseren Schutz von Bahngleisen "nüchtern" diskutiert werden, so Seehofer. "Wir sollten das nicht zum Tabu erklären." Die möglichen hohen Kosten dafür seien "kein Argument", so Seehofer, sie im Vorhinein auszuschließen. Was "vernunftgeleitet" der Sicherheit diene, "muss gemacht werden".

Sorge um Sicherheitsgefühl

Unabhängig von der Tötung des Jungen in Frankfurt konstatierte der Bundesinnenminister ein "abnehmendes Sicherheitsgefühl" in der Bevölkerung, obwohl insgesamt die Kriminalität abnehme und die Aufklärungsquoten stiegen. Als Beispiele der vergangenen Tage nannte er den Vorfall im Düsseldorfer Rheinbad oder der Überfall von 50 Jugendlichen auf eine Polizeistation in Starnberg, die einen inhaftierten Schüler befreien wollten. Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes, nannte zudem die Zunahme politisch motivierter Gewalt, wie den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke oder Angriffe auf Politiker.

Die Polizei müsse daher "stabilisierend wirken", um das Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum stärken, so Münch. Zudem wolle man verstärkt gegen ausländische Straftäter und gegen Hass und Hetze im Netz vorgehen, die "stark rechts dominiert" sei. Dazu sollen künftig bei Ermittlungen gegen Rechtsextremismus stärker nach Netzwerken und "Personenzusammenhängen" gesucht werden. Vorbild sollen die Erfahrungen im Umgang mit Islamisten sein.

Pressekonferenz der Schweizer Polizei in voller Länge:

Der mutmaßliche Täter von Frankfurt hat seit 2006 in der Schweiz gelebt. Die Kantonspolizei Zürich hat über den aktuellen Ermittlungsstand informiert.

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