Sie sind hier:

Konsequenz aus Datenklau - Was bleibt? "iloveyou" und ein neues Gesetz

Datum:

Täter gefasst, Fall erledigt? Nicht ganz. Zwar ist der Hackerangriff auf Politiker und Promis aufgeklärt. Vorwürfe an Innenminister Seehofer bleiben aber. Der wehrt sich jetzt.

Offenbar kein Hacker-Netzwerk und auch kein Cyber-Angriff eines Staates stecken hinter dem jüngsten großen Daten-Klau. Behörden-Chefs zeigen sich über den schnellen Ermittlungserfolg erfreut, die Diskussionen über Sicherheitslücken gehen weiter.

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Horst Seehofer kommt gerne einmal zu früh zu Pressekonferenzen. Diesmal nicht. Er kommt zu spät. Wie sich überhaupt viele der fast 1.000 Betroffenen des Hackerangriffes früher Information des Bundesinnenministers gewünscht hätten. Vier Tage und gute sechs Stunden, seitdem die Öffentlichkeit von dem Angriff erfahren hat, gibt Seehofer endlich Auskunft. Seine wichtigste Botschaft: "Wir können guten Gewissens sagen, wir beherrschen dieses Thema." Gemeint ist: die Cybersicherheit.

Bei Nahles fliegt die Sache auf

Zum Beweis legt Seehofer an diesem Dienstag ein Minutenprotokoll vor, was seit dem Bekanntwerden des Hackerangriffs passiert ist. Am Donnerstag, 22.40 Uhr sei die ganze Sache durch die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles aufgeflogen. Ihr Büro informierte das Lagezentrum des Bundeskriminalamtes, dass persönliche Daten von ihr im Netz kursieren. Noch in der Nacht hätten sich die Sicherheitsbehörden in einer Lagebesprechung zusammengesetzt, seien die Landesbehörden informiert und Anbieter wie Twitter ersucht worden, die Daten zu löschen.

Am frühen Freitagmorgen seien alle Ministerien und Landesbehörden informiert worden, um 6.50 Uhr Bundesinnenminister Seehofer angerufen und erreicht worden, um 10.30 Uhr ging eine Information an alle Parteivorsitzenden. "Die Behörden haben sehr rasch und rund um die Uhr gehandelt", sagt Seehofer heute. Im Laufe des vorigen Sonntags ist dann der mutmaßliche 20-jährige Täter ermittelt und verhaftet worden, gut 48 Stunden später also.

Seehofer: Spekulationen "verantwortungslos"

Betroffene, wie etwa Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau, hatten sich daran gestört, dass schon Anfang Dezember das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Kenntnis von mindestens fünf gehackten Politiker-Accounts hatte. Pau, die im Ältestenrat des Bundestages für den Einsatz neuer Informationsmedien zuständig ist, hätte "qua Amt" informiert werden müssen, sagte die Linken-Politikerin im ZDF. SPD-Innenexperte Burkhard Lischka hatte "Kommunikationswirrwarr" kritisiert und "bessere Koordination und klare Verantwortlichkeiten" gefordert. BSI-Präsident Arne Schönbohm sagt heute, man sei Anfang Dezember noch von Einzelfällen ausgegangen.

Auch Seehofer verteidigt seine zurückhaltende Informationspolitik. In einem solchen Fall brauche man "Disziplin" und "Staatsräson". Er habe erst heute "in der Früh" von der Aussetzung des Haftbefehls erfahren, der Täter habe erst im Laufe des Montags gestanden. Vorher über Täter und Motive zu spekulieren, "wäre verantwortungslos gewesen", findet Seehofer.

"Kein rechtsextremes Milieu""

Beendet sind die Ermittlungen indes auch heute Nachmittag, zum Zeitpunkt der Pressekonferenz, noch nicht. Ein paar Details gibt Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamtes, trotzdem bekannt. Der 20-jährige Täter aus Mittelhessen war schon einmal vor zwei Jahre wegen Ausspähens von Daten aufgefallen. Dennoch geht man derzeit davon aus, dass er alleine handelte. Der Täter komme, so Münch, nicht aus dem rechtsextremen Milieu, als Motiv habe er "allgemeinen Unmut" über öffentliche Personen geäußert, die er so bloßstellen wollte. Derzeit, so Münch, gehe man "von keiner politisch gefestigten Motivlage" aus. Diese Gerüchte hatte es gegeben, weil Daten von Politiker aller Parteien bis auf die der AfD veröffentlicht wurden. Möglicherweise habe der Täter diese auch noch veröffentlichen wollen.

Pressekonferenz zu Datenklau: Statements in ganzer Länge

Klar ist, dass sich der 20-Jährige aus öffentlichen Quellen bedient und Accounts gehackt habe und so die Liste der Daten wie Privatadressen, Handynummern, Mailadressen von mehr als 800 Personen im gesamten vergangenen Jahr zusammengestellt hatte. Bei 116 Personen wurden weitere Daten wie Fotos oder Zeugnisse veröffentlicht. Seit Anfang Dezember hatte er sie über drei Twitteraccounts veröffentlicht, was aber zunächst unerkannt blieb. Dem Täter, der noch unter das Jugendstrafrecht fällt und derzeit wieder auf freiem Fuß ist, drohen maximal drei Jahre Freiheitsentzug.

IT-Sicherheitsgesetz bis zum Sommer

Dieser ganze Vorfall, sagt Seehofer, sei "sicher schmerzhaft", eine Änderung der Sicherheitslage "im Grundsatz" ergebe sich dadurch aber nicht. Ähnlich sieht das BSI-Präsident Schönbohm. Quantitativ sei der Datenklau eher klein, aufgrund der betroffenen Zielgruppe nehme man ihn aber "sehr ernst", so Schönbohm. Die Systeme des Bundestages oder der Bundesregierung seien dadurch nicht gefährdet gewesen. Jedenfalls nicht gefährdeter als sonst. Damit sich ein solcher Fall nicht wiederholt, will Seehofer das ohnehin geplante IT-Sicherheitsgesetz 2.0 forcieren und noch im ersten Halbjahr verabschieden.

Ein 20-Jähriger hat gestanden, die privaten Daten zahlreicher Prominenter und Politiker ausgespäht zu haben. Da wohl jedoch keine weitere Gefahr von ihm ausgeht, ist er freigelassen worden.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Darin geht es beispielsweise um mehr Schutz durch Sicherheitssiegel von Geräten. Außerdem soll wegen des jüngsten Falls nun geprüft werden, ob man durch ein Früherkennungssystem dem massenhaften Abfließen von Daten schneller auf die Spur kommen kann. Zudem soll das Cybersicherheitszentrum ausgebaut werden und 315 zusätzliche Planstellen bekommen. Auch beim Bundeskriminalamt soll es eine eigene Abteilung Cybersicherheit mit 160 Mitarbeitern geben.

Fall erledigt? Nicht ganz. Am Donnerstag wird der Innenausschuss des Bundestages zusammenkommen und über Konsequenzen diskutieren. Das BSI wird zudem die Abgeordneten darüber informieren, wie man seine Accounts besser schützt. Passwörter wie "123456" oder "iloveyou" seien keine Seltenheit gewesen, sagte Seehofer. "Nicht besonders einfallsreich." Und manch einer seiner Kollegen wolle seine Handynummer oder Mailadresse trotzdem behalten.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.