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Seenotrettung im Mittelmeer - Weitere Bootsunglücke auf dem Weg nach Europa

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Die Situation im Mittelmeer ist weiterhin tragisch, wieder starben Dutzende Menschen, mehrere Gerettete warten auf Unterstützung. Die Fronten sind verhärteter denn je.

Schlauchboot der Alan Kurdi neben einem Flüchtlingsboot im Mittelmeer.
Schlauchboot der Alan Kurdi neben einem Flüchtlingsboot im Mittelmeer.
Quelle: dpa

Nur kurz nach dem Drama um die "Sea Watch 3" bahnen sich mehrere neue Tragödien auf dem Mittelmeer an. Die "Alan Kurdi" habe 65 Menschen auf einem überladenen Schlauchboot vor Libyen entdeckt und gerettet, teilte die Regensburger Organisation Sea-Eye am Freitag. Laut Sea-Eye hatten die Bootsinsassen zunächst versucht, der "Alan Kurdi" zu entkommen. Offenbar hatten sie befürchtet, dass es sich um ein Schiff der libyschen Küstenwache handelte. Nach Angaben eines Geretteten befand sich das Schlauchboot bereits seit mehr als zwölf Stunden auf dem Meer, als es gesichtet wurde.

Die "Alan Kurdi" versuchte erfolglos, Kontakt zu den libyschen Behörden herzustellen. Die italienischen Rettungsleitstellen in Rom und Valletta schwiegen laut Sea-Eye ebenfalls. Die Seenotleitung Bremen hingegen antwortete schnell und informierte das Auswärtige Amt. Gleichzeitig wartet ein weiteres Rettungsschiff, die "Alex", der italienischen Hilfsorganisation Mediterranea Saving Humans mit 54 Migranten vor Lampedusa auf den Einlass, wie die Organisation via Twitter mitteilte:

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Italien blockiert Aufnahme von Flüchtlingen

Dutzende Menschen sollen allein Mittwoch bei einer Überfahrt von Tunesien nach Europa ertrunken sein. Fischer retteten vier Menschen, von denen einer später im Krankenhaus starb. Laut BBC könnten dabei sogar 80 Menschen ums Leben gekommen sein. Die tunesische Küstenwache habe nur vier Migranten retten können, von denen einer später gestorben sei.

Und Salvini? Er will einfach nicht. Der italienische Innenminister hat eine Einfahrt nach Lampedusa bereits verboten. Malta erklärte sich daraufhin bereit, die Menschen von der "Alex" aufzunehmen. Allerdings nur, wenn Italien im Gegenzug dieselbe Anzahl an Migranten übernimmt, die bereits in Malta sind. Für seinen restriktiven Kurs bekam Salvini viel Kritik in der Öffentlichkeit.

Nun schaltete sich auch die UNHCR, das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen ein. Der Sonderbeauftragte für die zentrale Mittelmeerroute, Vincent Cochetel, forderte Alternativen zur Mittelmeerüberfahrt für Flüchtende aus Nordafrika. "Der Status quo kann nicht fortgesetzt werden", sagte Cochetel am Freitag in Brüssel. "Niemand gefährdet bei diesen verzweifelten Bootsfahrten sein Leben und das Leben seiner Familien, es sei denn, er hat das Gefühl, keine andere Wahl zu haben", so Cochetel.

UNHCR fordert Alternativen

Niemand gefährdet bei diesen verzweifelten Bootsfahrten sein Leben und das Leben seiner Familien, es sei denn, er hat das Gefühl, keine andere Wahl zu haben.
Vincent Cochetel, UNHCR-Sonderbeauftragter

Es müssten "sinnvolle Alternativen" geboten werden, die die Menschen davon abhielten, überhaupt auf ein Boot zu steigen. Gleichzeitig teilte die Organisation mit, dass es gelungen sei, 29 Flüchtlinge aus einem geschlossenen Lager im libyschen Gharyan zu evakuieren. Die Bedingungen seien "schrecklich" gewesen. Es habe das Risiko von Übergriffen bestanden. Die Flüchtlinge aus Eritrea und Somalia hätten dort Monate mit wenig Lebensmitteln und unter schlechten sanitären Bedingungen gelebt, die zu Krankheitsausbrüchen geführt hätten.

Die Zahl der ankommenden Flüchtlinge und Migranten aus Libyen in Europa ist laut UNHCR zwar drastisch gesunken - doch die Wahrscheinlichkeit, bei der Überfahrt zu sterben, hat sich erhöht. Etwa jeder elfte stirbt bei der Überquerung des Mittelmeers von Libyen. Schätzungen zufolge starben oder verschwanden 2019 bereits 507 Menschen auf der zentralen und westlichen Mittelmeerroute. Die Zahl der Menschen, die vor der Überfahrt auf Schmuggel- und Menschenhandelsrouten ums Leben kamen, ist unbekannt; sie dürfte dem UNHCR zufolge jedoch noch höher sein.

Minister Müller: Wir müssen handeln

Auch Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) forderte die EU-Staaten am Rande eines Treffens der G7-Entwicklungs- und Bildungsminister in Paris zum Handeln auf. Man habe viel zu lange gewartet und dürfe Italien, Griechenland, Spanien und Frankreich nicht alleine lassen. "Nur auf Brüssel zu warten und zu sagen, wir brauchen eine einvernehmliche Lösung, hat die letzten drei Jahre nicht funktioniert", sagte Müller, "wir fangen dann beim nächsten Schiff wieder mit derselben Diskussion an." Deshalb müsse man jetzt eine nachhaltige Lösung finden. Er bekräftigte seinen Vorschlag, in der neuen EU-Kommission die Position eines Afrika-Kommissars einzurichten.

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