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Bewegung in der Seenotrettung

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Flucht über das Mittelmeer - Bewegung in der Seenotrettung

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2017 waren noch dreizehn Rettungsschiffe auf dem Mittelmeer unterwegs, heute sind es gerade einmal drei. Der Kampf gegen ihre Kriminalisierung hat die Gesellschaft erreicht.

Archiv: Das Rettungsschiff "Alan Kurdi" am 03.04.2019
Flüchtlinge werden vor der Küste von Libyen von Mitgliedern der Rettungsorganisation Sea-Eye auf deren Hilfsschiff "Alan Kurdi" gebracht
Quelle: dpa

Alan Kurdi, Open Arms, Alex – Das sind die Namen der drei Schiffe, die momentan Seenotrettungseinsätze auf dem Mittelmeer fahren. Noch, könnte man hinzufügen. Denn viele der NGOs, die ab 2015 aus unterschiedlichen Initiativen hervorgingen und somit den Beginn der zivilen Seenotrettung in Europa einläuteten, mussten ihre Einsätze einstellen.

Schon lange vor dem Vorfall mit Carola Rackete hat die private Seenotrettung für Widerstand bei der italienischen Regierung und Justiz gesorgt. Neben der Kapitänin der Sea Watch 3 ist beispielsweise auch der "Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch in Italien angeklagt worden. Das Gericht verordnete eine Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro. Die Begründung: Reisch sei mit seinem nicht ordnungsgemäß registrierten Schiff in Maltas eingefahren. Für die NGOs ist das nur ein Vorwand. Sie sehen dahinter ein politisches Urteil: die Kriminalisierung der Seenotrettung. Denn eigentlich muss nach dem Völkerrecht allen Menschen in Seenot geholfen werden, unabhängig ob es sich um Flüchtlinge handelt oder andere Schiffbrüchige.

Neben der italienischen, verschließt sich auch die spanische Regierung der Seenotrettung immer mehr, vor kurzem setzte sie das Rettungsschiff "Open Arms" fest.

Das Schiff "Open Arms" legt an einer Kaimauer an, Campamento, 28.12.18
Quelle: Reuters

Seit 2015 haben die Seenotretter insgesamt mehr als 120.000 Menschenleben gerettet, wenn man die Zahlen der NGOs addiert. Allein die spanische Organisation Proactiva Open Arms hat nach eigener Dokumentation zwischen 2015 und 2018 59.706 Menschen vor dem Ertrinken bewahrt. Das war bevor die spanische Regierung ihr weitere Missionen verbot. Mittlerweile darf die Organisation mit der "Open Arms" wieder Einsätze fahren.

"Zu retten ist eine gesetzliche Pflicht", sagt auch Barbara Hohl, Pressesprecherin der deutsch-französisch-italienischen SOS Mediterranée. "Dies zu kriminalisieren und aktiv zu verhindern ist wirklich schamlos." Seit Beginn des Jahres fährt nämlich auch die "Aquarius" nach "monatelangen gezielten Angriffen auf die lebensrettenden Maßnahmen" keine Einsätze mehr.

Zahlen der Geretteten nach Organisation und Jahr
2017 2018 2019 gesamt
Sea Watch 6767 1775 165 8707
Sea-Eye
Pro Activa Open Arms 0* 59.706**
Mission Lifeline 569 450 0* 1019
SOS Mediterranée 15078 3184 0* 18262
Jugend rettet

*keine aktiven Rettungsmissionen **zwischen 2015 und 2018
Quelle: Seenotrettungsorganisationen

Die Zahl der Geretteten Menschen ist bei allen Organisationen zurückgegangen, teils weil sie dieses Jahr eben an weiteren Einsätzen gehindert wurden. Vermutlich aber auch, weil insgesamt immer weniger Menschen nach Europa kommen. Auch die Zahl der Toten und Vermissten sinkt, doch die Flucht über das Mittelmeer wird gleichzeitig immer gefährlicher. Wie hängen diese Zahlen zusammen? (Einordnung Experte) Ein großes Problem sei, dass mittlerweile alle nationalen Seenotrettungsprogramme eingestellt wurden, wie zuletzt die EU-Mission "Sophia", die etwa rund 730.000 Flüchtlingen half.

Wie geht es weiter?

Doch die täglichen Tragödien im Mittelmeer polarisieren die Gesellschaft, treiben die Menschen auf die Straßen. Erst kürzliche forderten tausende Menschen in Deutschland eine Entkriminalisierung der Seenotrettung. Die EU-Kommission und die deutsche Regierung pochen auf eine Verteilung in allen EU-Staaten.

Ob es nun Carola Rackete oder Claus-Peter Reisch ist - die individuellen Entscheidungen der Seenotretter beeinflussen nicht nur die Menschen, die sie retten wollen - sondern zwingen auch die Politik sich für eine Richtung zu entscheiden. Währenddessen setzen die Seenotretter alles daran, wieder ihre Missionen fahren zu können.

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