"Der letzte Flug war vor zwei Jahren"

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Chinas Investitionen in Sri Lanka - "Der letzte Flug war vor zwei Jahren"

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Größer, glänzender, gigantischer: Das war der Arbeitsslogan von Sri Lankas Ex-Präsidenten. Infrastrukturprojekte, bezahlt von China, sollten Aufschwung bringen. Eine Erfolgsformel?

Stolz spricht aus Chamath Somathilakes Worten. "Über eine Million Passagiere können wir hier jährlich abfertigen! Der Bau dieses Flughafens hat rund 209 Millionen US-Dollar gekostet und das ist nur die erste Phase, natürlich werden wir erweitern." Chamath Somathilake ist der Manager des zweitgrößten Flughafens in Sri Lanka, Mattala Rajapaksa International Airport.

Die sehr moderne, blau-gelbe Wandverkleidung der Abflughalle spiegelt sich auf dem blitzblanken Granitfußboden wieder. Der rote Teppich vor dem Business-Class-Schalter ist absolut flusenfrei, kein Fußabdruck ist auf ihm zu sehen. Ist allerdings auch nicht so verwunderlich. Denn dem sonst so perfekten Flughafen fehlt eins: Flüge. "Der letzte planmäßige Flug war vor zwei Jahren", erläutert die beflissene Dame hinter dem Informationsschalter.

Mattala liegt im Südosten des Landes, eine wirtschaftlich schwache Region. Touristen verirren sich selten hierher, trotz der Nähe zu diversen Nationalparks. Doch zufällig ist dies auch die Heimatprovinz des ehemaligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa.

Wasserbüffel in Mattala, Sri Lanka
Wasserbüffel in Mattala: Trotz Nationalparks kommen wenige Touristen hierher.
Quelle: imago

Hafen für 99 Jahre an China verpachtet

Mit Prestigeobjekten wollte Rajapaksa sich hier ein Denkmal setzen. So trägt nicht nur der Flughafen seinen Namen, sondern auch der 30 Kilometer entfernt liegende Tiefseehafen in Hambantota.

Auch hier ist alles groß, beeindruckend und glänzend - nur nicht die wirtschaftliche Zukunft. Kaum Schiffe, dafür aber massive Verschuldung gegenüber dem Geldgeber China. Im Dezember 2017 musste der Hafen für 99 Jahre an das Reich der Mitte verpachtet werden. Ein Denkmal, dessen sich Rajapaksa sicherlich gerne entledigen würde.

Sri Lanka mit Colombo, Mattala und Hambantota
Mattala und Hambantota liegen im Südosten Sri Lankas.
Quelle: ZDF

Wassermangel und Elefanten bedrohen Ernte

Die verpassten Chancen sind für die heimische Bevölkerung doppelt belastend. Mit hängenden Schultern läuft Chaminda Kumara durch das trockene Gras auf das Gitter zu, das den Hafen umzäunt. "2013 habe ich noch auf der anderen Seite des Zaunes gelebt. Gutes Land, wir haben Obst und Gemüse angebaut. Wir hatten alles, was wir brauchten." Seine Familie ist eine von 350, die umgesiedelt wurden. "Wir dachten, alles wird besser, wir bekommen neues Land und Jobs im Hafen. Aber nichts, nur leere Versprechungen! Nicht einer hat einen Arbeitsplatz am Hafen bekommen."

Fast zwei Stunden fährt Chaminda Kumara auf holprigen Sandwegen, um zu seinem neuen Feld zu kommen. Verlegen zeigt er seine karge Ernte, faustgroße Wassermelonen. "Massiver Wassermangel", murmelt er. Aber er hat noch größere Probleme, vierbeinige graue Riesen. "Manchmal kommen die Elefanten täglich. Wenn man nicht aufpasst, zerstören sie einem die gesamte Ernte." Dickhäutige Giganten scheinen ein verbreitetes Problem zu sein.

"Profite fließen nach China zurück"

Mönch Kirinde Karunasara
Mönch Kirinde Karunasara: Nur Hunde, kaum Gläubige beim Tempel.
Quelle: ZDF

Über Schwierigkeiten spricht auch Kirinde Karunasara. Er ist Mönch in einem kleinen Tempel, dessen Mauern unmittelbar an den Hafen grenzen. Er ist seit acht Jahren hier und hat die Veränderungen miterlebt. "Ziel von Entwicklungsprojekten muss sein, dass die Menschen davon profitieren werden. Aber der Hafen hat hier niemandem etwas gebracht. Die Chinesen haben investiert, um kräftig Profite zu machen, die in ihr eigenes Land zurückfließen."

Ärgerlich stampft er mit dem Fuß auf und verschreckt  die Hunde, die träge in der Mittagshitze in dem sonst menschenleeren Tempel dösen. Gläubige kommen kaum noch, nachdem die meisten Familien wegziehen mussten. Viele Verlierer, viel Resignation. Erfolg sieht anders aus.

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