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Luftiges Verkehrskonzept ausgebremst

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Seilbahnen in Deutschland - Luftiges Verkehrskonzept ausgebremst

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Stauland Deutschland und Diskussionen um Dieselfahrverbote erfordern ein Umdenken im Bereich der Mobilität. Doch innovative Seilbahn-Projekte haben hierzulande kaum Chancen.

Eigentlich sind die Vorteile einer Seilbahn für den Verkehrsfluss offensichtlich: Sie können im Vergleich zu S- und U-Bahnen schneller gebaut werden und sind kostengünstiger. Acht Millionen Euro kostet ein Seilbahnkilometer. Dagegen kostet der Bau von einem Kilometer S-Bahn rund zehn Millionen Euro und von einem Kilometer U-Bahn bis zu 250 Millionen Euro. Ein weiterer Pluspunkt für die Seilbahn: Ihr elektrischer Motorbetrieb stößt keine Abgase aus, was für die Luftreinhaltung der Städte ganz wichtig ist. Dennoch bleiben die Deutschen - verkehrstechnisch gesehen - beharrlich auf dem Boden.

Pläne scheitern oft an Bürgern & Politikern

Auch wenn Machbarkeitsstudien belegen, dass urbane Seilbahnen in Deutschland technisch möglich sind, machen Bürger und Kommunalpolitiker dagegen mobil. Etwa in Trier, wo man die Uni an das Stadtzentrum anbinden könnte. Doch die Bevölkerung hat sich gegen eine verkehrstechnische Revolution und für den bestehenden Busverkehr ausgesprochen. Auch in Aachen wurden Seilbahn-Pläne verworfen. In Hamburg hat ein Bürgerentscheid die Elbseilbahn abgeschmettert und in Wuppertal, eigentlich sogar Heimat der Schwebebahn, hat sich eine Anti-Seilbahn-Initiative gebildet.

Archiv: Gondeln der Seilbahn schweben am 09.09.2016 in Berlin während einer Probefahrt über die Baustelle der Internationalen Gartenausstellung
2017 im Rahmen der IGA gebaut, ist die Seitlbahn in Berlin immer noch in Betrieb.
Quelle: dpa

Nur in Berlin, Koblenz und Köln sind derzeit leistungsfähige urbane Seilbahnen im Betrieb. Die City-Seilbahnen in Berlin und Koblenz  wurden 2017 bzw. 2011 anlässlich der jeweiligen Bundesgartenschau für touristische Zwecke in Betrieb genommen. Nach Ende der Gartenschauen verblieben sie aber im öffentlichen Nahverkehrsnetz und die Bevölkerung nutzt die luftigen Bahnen inzwischen ganz selbstverständlich.

Keine Alleskönner aber gute Idee

Verkehrspolitik sollte Seilbahnen ernst nehmen, nicht als Alleskönner, aber als ein relevantes Mittel, um endlich aus dem Stauland Deutschland ein vernünftiges öffentliches Verkehrsland zu machen.
Heiner Monheim, Verkehrsexperte

Hohe Feinstaubkonzentration in der Innenstadt, dazu wenig ambitionierte Klimaschutzmaßnahmen im Verkehrssektor – der Ausbau von urbanen Seilbahnen könnte beiden Problemen entgegen wirken. "Verkehrspolitik sollte Seilbahnen ernst nehmen, nicht als Alleskönner, aber als ein relevantes Mittel, um endlich aus dem Stauland Deutschland ein vernünftiges öffentliches Verkehrsland zu machen", sagt der anerkannte Raumplaner und Seilbahn-Experte Prof. Heiner Monheim.

Bayern will den Kampf gegen den drohenden Verkehrsinfarkt sowie die schlechte Stadtluft gewinnen. In München stehen die Autofahrer 140 Stunden pro Jahr im Stau. Stress, Zeitverschwendung und Abgase – das alles will Münchens Oberbürgermeisters Dieter Reiter nicht länger hinnehmen und fordert daher den Bau einer Seilbahn am Stau-Hotspot Frankfurter Ring. Im Jahr 2023 soll sie fertiggestellt sein. Die Erwartungen sind groß: "Derzeit schauen in Deutschland ganz viele Städte nach München, ob und wie wir das hinkriegen, weil es natürlich Einwände gibt, von Bürgerinnen und Bürgern, die sagen: Ich mag das nicht, dass da eine Gondel an meinem Fenster vorbei fährt", sagt Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD).

Eine Simulation verdeutlicht derzeit, wie die Seilbahnstrecke in einer Höhe von bis zu 60 Metern über die Häuser hinweg führen könnte. Die Gondeln würden über die Staus schweben und bis zu 4.000 Menschen pro Stunde transportieren. Geplante Länge der Seilbahnstrecke: 4,5 Kilometer. Auf dem Mittelstreifen der Straße wäre Platz für die Stützen vorhanden. Doch ob das vielversprechende Projekt wirklich umgesetzt wird, steht noch in den Sternen.

Bremsen durch Bewahren

Denkmalschutzgründe, Schattenwurf, Verschandelung des Stadtbildes – all diese Bedenken bremsen den Bau von Seilbahnen  in Deutschland aus. Sozialforscher erklären diese Abwehrhaltung gegenüber den Seilbahnkonzepten mit der Bewahrer-Mentalität. Es gilt das Motto: Was man hat, ist schon das Beste. Ein Zeitgeist, der aber dem Stauland Deutschland nicht hilft.        

Christine Elsner ist Redakteurin in der ZDF-Umweltredaktion.

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