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Seilbahnen in Megacitys - Verkehr geht in die Luft

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Es ist überall auf der Welt das gleiche Bild: Verstopfte Innenstädte, permanenter Lärm, verpestete Luft. Seilbahnen sind eine naheliegende Lösung für das Verkehrschaos.

Staus und verstopfte Straßen in den Großstädten. Mit Seilbahnnetzen und futuristischen Lufttaxis wollen Experten eine Verkehrswende von oben schaffen. Hintergrundinfos zur Doku finden Sie hier:

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28 min
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Gegenwärtig leben 55 Prozent der Weltbevölkerung in Städten. Diese Zahl wird sich bis zum Jahr 2050 auf etwa 70 Prozent erhöhen – so die Angaben des aktuellen Bevölkerungsberichts der Vereinten Nationen. Die Entwicklung führt zu einer ungeplanten Ausdehnung der Megacitys in Südamerika, Afrika und Asien. Doch schon jetzt droht vielen boomenden Städten der Verkehrsinfarkt. "Die einzige Möglichkeit auszuweichen, wenn der Platz zu eng wird, ist nicht unter die Erde, sondern in die Luft, in die Plus-Eins-Etage", meint Prof. Heiner Monheim, international renommierter Verkehrsplaner.    

Südamerika hat Vorreiterrolle

Südamerika ist der Hot Spot der urbanen Seilbahnen. Sie ergänzen den öffentlichen Nahverkehr. Die Bahnen sind in Bau und Unterhaltung vergleichsweise preisgünstig und überwinden große Höhenunterschiede sowie bauliche Hindernisse. Zudem benötigen urbane Seilbahnen kaum Platz auf dem Boden. Bereits 2004 ging im kolumbianischen Medellin die erste große Seilbahn in Betrieb, um das Armenviertel an das Stadtzentrum anzubinden.  

In Boliviens Metropole La Paz entsteht derzeit das größte städtische Seilbahnnetz der Welt. Es ist ein Projekt der Superlative. Die Straßen in der zwei Millionen Stadt sind viel zu schmal und können das Aufkommen unzähliger Autos sowie Busse nicht mehr bewältigen. Das Seilbahnprojekt Teleférico bietet somit eine enorme Entlastung des Verkehrs. Inzwischen verbinden insgesamt zehn Linien La Paz im Talkessel und El Alto auf 4.100 Metern Höhe. Das Netz ist 33 Kilometer lang. Täglich nutzen bis zu 300.000 Menschen die Gondeln. Die Fahrgäste sind glücklich und zufrieden mit ihrer Luftbahn: "Die Verkehrsprobleme interessieren uns nicht mehr. Wir müssen von einer Seite der Stadt zur anderen kommen, etwas erledigen oder zur Arbeit fahren. Wir möchten pünktlich sein, also nehmen wird die Seilbahn." 

Interesse ist groß

Rund 600 Millionen Euro hat das Seilbahnnetz bislang gekostet. Die Finanzierung hat der bolivianische Staat übernommen. "Ich bin absolut davon überzeugt, dass diese Lösung in verschiedenen europäischen Städten effizient eingesetzt werden kann. Wir haben schon 65 Delegationen aus anderen Städten bei uns zu Gast gehabt", resümiert César Dockweiler, Geschäftsführer der Telefèrico.      

Weltmarktführer für Bau und Installation des schwebenden Verkehrsmittels ist ein österreichisches Unternehmen. Nach Branchenangaben gibt es aber bisweilen nur wenige Aufträge von europäischen Stadt- und Verkehrsplanern. Ein interessanter Absatzmarkt findet sich dagegen in Afrika. Lagos in Nigeria und Mombasa in Kenia verfügen bereits über urbane Seilbahnen. U-Bahnen wären in diesen Metropolen aufgrund der Bodenverhältnisse und der Kosten nicht möglich. Zudem würde der Ausbau eines U-Bahnsystems viel zu lange dauern.

Monorail als Alternative in Asien

Archiv: Yurikamome Monorailbahn in Tokio am 15.09.2015
Monorailbahn in Tokio.
Quelle: picture alliance/Geisler-Fotopress

In Asien hingegen ist das Transportvolumen der Seilbahnen zu klein. Dennoch findet die Verkehrswende in vielen Megacitys statt. Dabei setzen die Stadtplaner auf Monorail. Die Hochbahn ist ebenfalls aufgeständert und gleitet auf Betonbalken über den Großstadtverkehr. Die aneinandergereihten aerodynamischen Kabinen haben Ähnlichkeit mit einem Transrapid. Der Betrieb ist sehr geräuscharm und durch die Leichtbauweise wird Energie eingespart, was letztendlich auch die CO2-Emissionen enorm senkt. Ein wichtiger Faktor, um die Luftqualität der Städte zu verbessern. Zudem braucht die Monorail halb so viel Platz auf dem Boden im Vergleich zu einer herkömmlichen Schienenbahn. Lediglich die Sockel der Ständer und die Stationen benötigen Grundfläche.

Gondel bzw. Kabine statt Auto: Seilbahnexperten sehen in der Himmel-Metro eine wichtige Ergänzung im öffentlichen Nahverkehr und sie kann einen wertvollen Beitrag zur Bewältigung des Verkehrsinfarkts leisten.

Christine Elsner ist Redakteurin in der ZDF Umweltredaktion.

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