Sie sind hier:

Regulierung des Finanzmarkts - Was aus den Plänen der G20 wurde

Datum:

Seit Jahren schleppen wir die Folgen der Finanzkrise mit uns herum - etwa die Niedrigzinsen. Die G20-Staaten hatten damals beschlossen, den internationalen Finanzmarkt zu regulieren und die Lösung der Krise zur Chefsache zu machen. Ob das eine gute Idee war?

Streitpunkte beim G20-Gipfel gibt es genug, etwa die Klimapolitik von US-Präsident Trump. Wie soll Gastgeber Deutschland damit umgehen? Trump isolieren?

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Ausgehend von den USA breitete sich ab 2007 eine Krise globalen Ausmaßes über den Planeten aus: Angetrieben vom Wunsch privater Hauskäufer und durchaus ermutigt von der Regierung, vergaben Banken mehr und mehr Darlehen auch an Leute, deren Chance, es jemals zurückzuzahlen, gleich null war: Ohne Einkommen, die Raten wurden aus dem Kredit selbst bezahlt. Das war lange gutgegangen, denn die Immobilienpreise stiegen und stiegen, auf dem Papier wurde jeder Hauskäufer immer reicher.

Die großen Risiken waren früh absehbar

Ein typisches Schneeballsystem: Nach und nach sammelten sich faule Kredite an, welche die Banken dann gern in neuartigen Wertpapieren zusammenfassten und als Anteile verkauften. Die Anleger wussten nicht, dass in ihren Wertpapieren überwiegend ausfallgefährdete Kreditverbriefungen schlummerten. Die Zeitbombe, wenn es je eine gab, ging 2008 endlich hoch, und spektakulär riss sie Großbanken in den Orkus - die traditionsreiche Lehman Brothers in New York nur die bekannteste. Die Welle um den Globus setzte ein, traf in Deutschland vernichtend die Hypo Real Estate, zahlreiche andere konnten mühsam gerettet werden - und die Folgen spürt man bis heute.

Reinhard Schlieker
Reinhard Schlieker, ZDF-Wirtschaftskorrespondent Quelle: ZDF

Es erwies sich als schlimmes Manko, dass die staatliche Aufsicht noch weitgehend national operierte, das Kapital jedoch grenzenlos. Dabei waren die großen Risiken etwa seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts sichtbar, aber sinnvolle Regulierung hinkte hinterher. Internationalisierung setzte sich erst in den achtziger Jahren durch - zumindest im Wertpapiersektor. In Deutschland war das Börsenparkett eine eher gemütliche Veranstaltung; für gutes Benehmen sorgte der Börsenbetreiber, und viele heute als böse geltende Methoden, etwa das Ausnutzen von Insiderinformationen, um sich beim Aktienkauf unfair zu bereichern, war damals nicht einmal verboten.

Nur noch etwas für Fachleute

Dann schwappte aus den USA eine Welle des Raubtierkapitalismus über den Atlantik und weckte alle auf. Dort hatten findige Köpfe die Methode entdeckt, Firmen feindlich zu übernehmen und das Unternehmen anschließend den Kaufpreis in Form von Schuldpapieren selbst finanzieren zu lassen. Über Zerstückelung und Verkauf kam ein Vielfaches für die Investoren wieder herein. Das Unternehmen selbst brach oft unter der Schuldenlast zusammen. Das Motto "Gier ist gut" herrschte nicht nur im Spielfilm "Wallstreet".

Die nun folgende Regulierung von Börsen und Banken verhinderte nicht das Ausbrechen von Crashs und Krisen. Ab 1988 begann der Baseler Ausschuss der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich damit, Regulierung für Banken zu erarbeiten. Damals noch von den G10 beauftragt, folgten die Richtlinien Basel I, Basel II und seit wenigen Jahren ist Basel III der Stand der Dinge. Es ging und geht um Risikobeherrschung in Banken, um genügend Kapitalpuffer im Krisenfall - aber ein Dilemma bleibt: Mutet man Banken das Vorhalten von zu viel (ertraglosem) Rücklagekapital zu, verdienen sie kaum noch Geld. Handhabt man das zu lax, droht der Zusammenbruch, wenn mal rauere Zeiten kommen.

Insgesamt ist die Regulierung schon so komplex geworden, dass in den Banken ganze Stäbe damit beschäftigt sind, ihre Geschäfte dem anzupassen. Die Gefahr völlig unbeabsichtigter Folgewirkungen ist groß - und schon deshalb werden die Gipfelteilnehmer keine neuen Details verkünden: Das verstehen nur noch die Fachleute, und ständig werden neue Konstruktionen erfunden, um am Markt erfolgreich zu sein: Berüchtigte Todespapiere wie "Credit Default Swaps" sind längst kalter Kaffee.

Keiner will schuld sein

Wenn man bedenkt, wie schwierig ein Interessenausgleich unter den so unterschiedlichen Ländern wie die G20 ist, mit völlig unterschiedlichen Traditionen, Systemen und Vorstellungen, dann ist es schon fast erstaunlich, wie viel Einfluss der Basel-Ausschuss doch entwickelt. Und die regelmäßigen Treffen zum G20-Finanzgipfel liefern doch eine überraschende Einigkeit. Schließlich möchte keiner der Teilnehmer, dass sein Land den nächsten Krisenausbruch zu verantworten hat.

Eher unbesorgt von solchen Überlegungen scheint US-Präsident Trump, der jede Regulierung daraufhin überprüfen will, ob sie "US-Jobs kosten" könnte. Wieviele Jobs eine ausgewachsene Finanzkrise kostet, scheint ihm nicht zu dämmern. Auf der anderen Seite eine eher uneinheitliche Truppe von Protestlern, die der G20 vorwerfen, nichts getan zu haben - was nachweislich Unsinn ist; auf manchen Gebieten gibt es sicher weiteren Bedarf, auf anderen wird schon überreguliert. Da wäre feinere Betrachtung angezeigt statt grober Geschütze.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.