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Automatisierung - Vom Fahrlehrer zum Mobilitätsmanager?

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2030 werden sie hier sein: Selbstfahrende Autos, ohne Lenkrad. Wer braucht da noch einen Führerschein? Schlechte Aussichten für über 20.000 Fahrlehrer. Nicht alle wollen aufgeben.

Prototyp eines autonom fahrenden Autos auf der A81
Prototyp eines autonom fahrenden Autos auf der A81
Quelle: dpa

Mike Fischer aus Gera ist seit 30 Jahren Fahrlehrer. Immer hat er versucht, bei neuen Entwicklungen vorne mit dabei zu sein, gerade hat er einen "Tesla" zum Fahrschulauto umgerüstet. Die eingebaute Selbstfahrertechnik fasziniert ihn. Aber der Thüringer weiß auch: Die neuen Roboter-Autos, die immer besser werden, könnten ihm schon bald den Job wegnehmen. "Die Entwicklung des autonomen Fahrens kommt so schnell voran, dass wir uns dringend darauf vorbereiten müssen", sagt Fischer. "Wenn dann um 2030 herum die Lenkräder ganz wegfallen, dann stellt sich die Frage: Was soll der Fahrlehrer da noch erklären?"

Visionsworkshop gegen bedrohte Jobs

Fischer will nicht warten, bis ihn die selbstfahrenden Autos überholen. Er hat sich andere Fahrlehrer aus ganz Deutschland in seine "Fischer Academy" eingeladen und einen Berater aus dem Silicon Valley. Mario Herger, ein Österreicher, der seit langem in Kalifornien lebt und Experte für autonomes Fahren ist, hat gerade ein Buch geschrieben, das dem Auto-Land Deutschland wehtun muss: "Der letzte Führerscheinneuling ist bereits geboren."

Herger ist überzeugt, dass die Automobilbranche gerade die größte Revolution ihrer Geschichte erlebt. Autonome Autos, Elektromobilität und Sharing Economy bedrohen Hunderttausende Arbeitsplätze - das sind allein 800.000 Jobs bei  den großen Autoherstellern; aber auch Taxifahrer, Lkw-Fahrer und eben Fahrlehrer werden die Leidtragenden sein. "Nur wer jetzt schon anfängt, darüber nachzudenken, was dann sein neues Geschäftsmodell sein kann, wird überleben", so Herger. "Ich habe keine fertige Antwort für die Fahrlehrer hier mitgebracht."

Wenn Innovation alte Technologie verdrängt

Im Seminarraum in Gera macht sich schnell Ernüchterung breit. "Ich seh' für unsere ganze Branche komplett dunkelschwarz", stöhnt Robin Dukowski von DEE's Fahrschule in Lünen. "Aber wir werden den Fortschritt nicht aufhalten können." Der Coach aus dem Silicon Valley empfiehlt den Fahrlehrern, das Neue als Chance anzunehmen, zu überlegen: Wenn mein Produkt bisher der Führerscheinprüfling war, was kann es in Zukunft sein? "Vielleicht könnten wir den Menschen die neuen autonomen Autos erklären?", schlägt einer vor. Herger winkt ab, das sei "eine Idee mit nur sehr kurzer Haltbarkeitszeit: Die neuen Roboter-Taxi-Flotten werden selbsterklärend sein." Man ruft sie per App, man bezahlt sie per App, fertig. "Aber vielleicht werden Sie dann Mobilitätsmanager sein und Leuten, die von A nach B wollen und kein eigenes Auto mehr besitzen, Mobilität verkaufen."

Die Disruption, die der Automobilbranche droht, wird auch andere Branchen hart treffen. Laut einer OECD-Studie wird über die Hälfte aller deutschen Jobs ganz oder zumindest teilweise automatisiert. 18 Prozent haben dabei ein hohes Risiko, das heißt: Roboter könnten mehr als 70 Prozent ihrer Arbeit machen. Diese Jobs werden wohl einfach wegfallen. 36 Prozent aller Arbeitnehmer müssen sich auf erhebliche Änderungen ihres Jobprofils einstellen.

Bundesregierung verspricht trotzdem Vollbeschäftigung

Ein düsteres Szenario, dass die neue Bundesregierung den Deutschen im Koalitionsvertrag lieber nicht so konkret zumutet. Stattdessen wird da "gute digitale Arbeit 4.0" versprochen und gleich zu Beginn heißt es: "Unser gemeinsames Ziel ist Vollbeschäftigung für Deutschland".

Aber wie soll das gehen, wenn nach Berechnungen der Boston Consulting Group bis 2025 womöglich über sieben Millionen deutsche Jobs automatisiert werden? Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, SPD, ist sich sicher:  "Unserer Gesellschaft wird die Arbeit nicht ausgehen. Es wird neue Arbeitsplätze geben, für die Menschen qualifiziert werden müssen. Da ist der Rechtsanspruch auf Weiterbildungsberatung der erste Schritt, langfristig wollen wir sowas wie ein Chancenkonto, das heißt ein individuelles Recht, in seinem Erwerbsverlauf sich auch weiterbilden zu können." Er sagt aber auch: "Ich will keinem sagen, dass das einfach wird."
Fahrlehrer Fischer will sich nicht auf andere verlassen. "Klar, bis jetzt hat die Politik immer alle Krisen irgendwie gelöst. Aber hier kommt so eine Monsterwelle auf uns zu, die kann man politisch wahrscheinlich nur schwer regulieren."

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