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Hauptversammlung - Sewing will Stolz auf Deutsche Bank erwecken

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Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing verteidigt den geplanten Stellenabbau und verspricht den Aktionären Besserung. Sie sollen wieder stolz auf ihr Geldhaus sein können.

Der neue Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing macht Druck: Mit verschärftem Sparkurs und massivem Jobabbau will er kurz nach seinem Amtsantritt das Geldhaus voranbringen.

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Der Stolz auf die Deutsche Bank sei in den vergangenen Jahren zumindest teilweise wieder verloren gegangen, sagte Vorstandschef Christian Sewing in der Hauptversammlung. Er wolle diesen Stolz wieder erwecken. Und: "Verstehen Sie mich nicht falsch: nicht Arroganz, sondern Stolz", sagte Sewing, der seit 30 Jahren für die Deutsche Bank arbeitet. Die Bank wolle wieder "relevant, exzellent, innovativ, stabil und vertrauenswürdig" sein, dafür müsse sie wieder stehen.

Um das Geldhaus wieder auf Kurs zu bringen, baut er die Deutsche Bank kräftig um. Dazu soll bis Ende 2019 die Zahl der Vollzeitstellen von derzeit 97.000 auf "deutlich unter 90.000" sinken. Der Stellenabbau in der Deutschen Bank habe schon begonnen. Von 600 Mitarbeitern der Unternehmens- und Investmentbank habe sich das Geldhaus in den vergangenen sieben Wochen schon getrennt, sagte der Westfale, der seit Anfang April das Geldhaus leitet. Das bedeute bis zu 800 Millionen Euro an Restrukturierungs- und Abfindungskosten für das Gesamtjahr. Das werde das Ergebnis in diesem Jahr beeinträchtigen. Im vergangenen Jahr hatte die Bank unter dem Strich einen Verlust von 735 Millionen Euro geschrieben.

Sparprogramm im Investmentbereich

Christian Sewing spricht auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank am 24.05.2018 in Frankfurt
Christian Sewing auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank Quelle: reuters

Der Stellenabbau wird vor allem im Bereich der Investmentbank erfolgen. So sollen in diesem Bereich bis Ende 2019 mehr als eine Milliarde Euro eingespart werden. In den USA werde die Bank ihr Zinsgeschäft deutlich verkleinern. Das sehe die Bank dort nicht mehr als Kernkompetenz. Auch der Aktienhandel soll schrumpfen, dort werde etwa ein Viertel der Stellen wegfallen. Die Bank fokussiere sich auf die Bereiche, in denen sie stark sei und wachsen könne.

Der Deutsche-Bank-Chef machte aber auch deutlich: "Wir stehen zu unserer Unternehmens- und Investmentbank. Und wir bleiben international, wir sind in mehr als 60 Ländern aktiv." Das erwarteten die Unternehmenskunden auch von der Bank. Sewing versprach jedoch auch, dass die Bank in anderen Bereichen wachsen werde und damit mehr Erträge erzielen werde. Zum einen hofft er auf erhebliche Einsparungen aus der an diesem Freitag vollendeten Integration der Postbank in die Deutsche  Bank. Diese werde aber auch in der Zukunft steigende Erträge bringen.  Und man müsse "grundsätzlich" vorgehen: So soll etwa der "Maschinenraum" der Bank, in dem viele Prozesse noch von Menschen ausgeführt werden, künftig stärker automatisiert werden.

Noch viele Fragen offen

Ob das gelingen werde, bezweifelt jedoch Ingo Speich von der genossenschaftlichen Fondsgesellschaft Union Investment: Bisher sei es nicht gelungen, den Teufelskreis aus sinkenden Erträgen, unflexiblen Kosten und mangelnder Profitabilität zu durchbrechen: "Wie wollen Sie es schaffen, Geschäft aufzugeben und Kosten zu reduzieren, ohne massiv Marktanteile und Erträge zu verlieren?", fragte er den neuen Vorstandschef. "Wie wollen Sie verhindern, dass die Erträge schneller fallen als die Kosten? Und wie wollen Sie mit Ihrer Strategie bei Ihren wichtigsten Investmentbankern punkten beziehungsweise verhindern, dass es zu einer Abwanderung von Leistungsträgern zur Konkurrenz kommt?" Um die Investmentbanker zu halten, hatte die Bank für 2017 knapp 2,3 Milliarden Euro an Boni ausgeschüttet - trotz des Verlusts. Die Aktionäre werden jedoch mit einem Zehntel dieser Summe abgefunden - sie erhalten etwa 230 Millionen Euro, das entspricht je Aktie elf Cent.

Zu Beginn der Hauptversammlung hatte Aufsichtsratschef Paul Achleitner den Chefwechsel Anfang April verteidigt. Er habe ein Entscheidungs- und Umsetzungsdefizit in der Bank festgestellt, außerdem "zunehmende Meinungsverschiedenheiten und Konflikte innerhalb der Führung". Eigentlich habe man den Chefwechsel erst geordnet zur Hauptversammlung einleiten wollen, doch seien die Spekulationen um die Ostertage so eskaliert, dass man schnell habe handeln müssen. Ex-Chef John Cryan dankte Achleitner ausdrücklich, er sei der "richtige Mann für diese Phase der Bank" gewesen. Er habe die Probleme beim Namen genannt und wichtige Fortschritte erzielt,  etwa beim Abarbeiten der Rechtsstreitigkeiten. Sewing sei, das machte Achleitner klar, "erste Wahl" gewesen: "Wir haben uns für ihn entschieden, weil er 'Deutsch-Banker' ist", sagte der Aufsichtsratschef.

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