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20 Jahre "hallo deutschland" - "Sex-Skandal am Nachmittag"

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Vom "letzten Hilferuf der ZDF-Programmplanung" zu einem Boulevard-Magazin mit durchschnittlich zwei Millionen Zuschauern. "hallo deutschland" wird 20 Jahre alt. Grund genug zurückzublicken auf die Anfänge der Sendung und was 2003 zur Schlagzeile "Weg mit der Fummelglatze!" führte.

Vor 20 Jahren begann „hallo deutschland“ mit viel heißer Luft – und einem Ballon. Eine Fernsehsendung mit fliegendem Werbeträger – das war damals neu.

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Am Anfang war der Ballon, amtliche Kennung D-OZDF. 25 Meter hoch, knallig bunt und auf der Hülle in riesigen Buchstaben "hallo deutschland". So ging es los am 16. Juni 1997. Damals bestieg ein junger Moderator in grauem Anzug und mit grüner Krawatte das Gefährt. Ein gewisser Steffen Seibert. Informativ, kurzweilig, nah am Menschen - so lautete sein Auftrag für das neue Feierabendmagazin. Der eigens für das ZDF angefertigte Heißluftballon war mehr als Deko: Als fester Bestandteil der Sendung sollte er die Reporter zu Land und Leuten bringen, dorthin, wo etwas passierte. Zumindest theoretisch.

Denn in der Praxis erwies sich das Wetter häufig als ausgesprochen teamunfähig, der Ballon blieb oft am Boden und wurde schließlich ganz aufgegeben. Heute ist noch ein kleines Stück der Hülle in einem Glasrahmen übrig. Steffen Seibert trägt immer noch schicke Anzüge, hat seine Wirkungsstätte jedoch bekanntermaßen nach Berlin verlegt.

Einige Kritiker gaben "hallo deutschland" wenig Chancen

Von "heißer Luft" war die Rede oder gar von einem "letzten Hilferuf der ZDF-Programmplanung". Doch das ZDF hielt durch. Aus dem großen "D" wurde ein kleines und aus dem eher braven Feierabendmagazin eine Blaulicht- , Reportage- und Boulevardsendung. Unfälle, Verbrechen, Lifestyle, Klatsch und Tratsch gab es nun werktäglich in geballter Form. Manches skurril, wie der Tag mit Dieter Bohlen im Schlauchboot.

Manches provokant, wie ein Saunainterview mit Pornostar Gina Wild. Dass unser Reporter der Dame nicht nur journalistisch auf den Zahn fühlte, sondern vor laufender Kamera auch noch Po und Schenkel massierte, sorgte 2003 - ironischerweise ausgerechnet in der Boulevardpresse - für einen Aufschrei: "Sex-Skandal am Nachmittag!", "Weg mit der Fummelglatze!" lauteten die Schlagzeilen.

Was machen die da eigentlich?

Doch der Reporter blieb, genau wie die Frage: Passt so eine Sendung überhaupt ins seriöse ZDF? Zumal nach landläufiger Meinung gerade Boulevardjournalisten in puncto Qualität und Seriosität nicht unbedingt wie Leuchttürme aus den Weiten des Nachrichten-Ozeans herausragen. Die landläufige Meinung war und ist eher die: Anders als Politik- und Wirtschaftsjournalisten, also die von den "echten" Nachrichten, nehmen es die vom Boulevard mit der Wahrheit nicht so genau, sie verdrehen Fakten oder erfinden Details solange, bis die Geschichte emotional oder sensationell genug ist. Stimmt die Schlagzeile, gibt’s noch ein Glas Prosecco! Und dann auf zur nächsten Leiche … So dürften sich das einige vorstellen.

Also galt es für "hallo deutschland", den Gegenbeweis anzutreten. Währenddessen stellte sich auch innerhalb des ZDF manch gestandener Journalist aus der "harten" politischen Nachrichtenwelt die Frage: Was machen die da eigentlich? Nach nunmehr 20 Jahren hat "hallo deutschland" viele Kritiker und vor allem die Zuschauer überzeugt.

Die Sendung hat sich stetig weiterentwickelt

Die Entwicklung ging weg vom reinen Boulevard, hin zu einer Mischung aus bunten und leichteren nachrichtlichen Themen in großer Vielfalt. Tagesaktuelle Ereignisse, Berichte über Gefahren im Internet, Abzocke im Urlaub, Modetrends oder die erste deutsche schwul-lesbische Kreuzfahrt gehören genauso dazu wie hintergründige Berichte über die RAF, Matthias Rusts Landung in Moskau oder Deutschlands erstes Retortenbaby.

Natürlich gelingt nicht immer alles nach Wunsch, Verbesserungsbedarf gibt es immer, doch hat die Redaktion bewiesen, dass Boulevardthemen und eine seriöse Berichterstattung, die strikt ethische Grundsätze wahrt, sich sehr wohl miteinander vertragen. Genau dafür wird das Magazin - so bestätigt es die Medienforschung - von den Zuschauern sehr geschätzt.

"hallo deutschland" ist der einfache Alltag - abseits von Politik und Terror

Zugegeben, angesichts von Terror, globalen Krisen, Flüchtlingsströmen und den Diskussionen um Brexit und Trump erscheint ein Magazin wie "hallo deutschland" manchem dennoch wie ein televisionäres News-Fastfood. Doch wie das mit Fastfood so ist: Gut zubereitet schmeckt es vielen und macht irgendwie Spaß. Zumal "hallo deutschland" sich auch bei häufigem Konsum als wenig belastend für die Figur erwiesen hat.

Im Anschluss an die "heute"-Nachrichten ist das Magazin eine tagesaktuelle Ergänzung, die mit Geschichten nah an den Menschen - mal schön, mal traurig, mal skurril - einen festen Platz gefunden hat. Rund zwei Millionen Zuschauer stimmen darüber auch mit ihrer Fernbedienung ab, sie schalten werktags um 17.10 Uhr das ZDF ein. Mit einem Marktanteil von durchschnittlich rund 15 Prozent steht "hallo deutschland" auf diesem Sendeplatz an der Spitze der Zuschauergunst.

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