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Jede achte Frau wird im Job sexuell belästigt

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Übergriffe am Arbeitsplatz - Jede achte Frau wird im Job sexuell belästigt

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Sexistische Sprüche, körperliche Übergriffe: 13 Prozent der Frauen werden laut einer Studie im Job belästigt. Weil sie die Konsequenzen fürchten, setzen sich viele nicht zur Wehr.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat eine Studie zu sexuellen Übergriffen veröffentlicht. Ein Ergebnis: Die meisten Betroffenen sind Frauen, darunter viele im Gesundheitsbereich.

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Jede achte Frau wurde in den vergangenen drei Jahren am Arbeitsplatz sexuell belästigt. Das ergab eine heute vorgestellte Studie im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, die dem ZDF vorab vorlag. 98 Prozent dieser Frauen geben Männer als Haupttäter an.

Männer werden dahingegen deutlich seltener im Job belästigt. Nur jeder 20. Befragte berichtet von entsprechenden Vorfällen. Für die Studie wurden knapp 1.500 Menschen befragt, etwas mehr als die Hälfte davon waren Frauen.

Es bleibt selten bei einem Vorfall

Die Studie zeigt zudem, dass es selten bei einem Vorfall bleibt. 83 Prozent der betroffenen Frauen und Männer berichten von zwei oder mehr Situationen, in denen sie am Arbeitsplatz sexuell belästigt wurden. Zwölf Prozent der Betroffenen wurden sogar mehr als zehn Mal belästigt.

Am weitesten verbreitet sind laut Studie sexualisierte Kommentare oder Witze - weit über die Hälfte der betroffenen Frauen und Männer berichten von solchen Sprüchen. Aber auch belästigende Blicke und Gesten kommen sehr häufig vor, genauso wie intime oder sexualisierte Fragen.

Jeder vierte Betroffene wird körperlich bedrängt

Doch viele werden am Arbeitsplatz nicht nur verbal belästigt. Jeder Vierte wird unerwünscht berührt oder bedrängt. Einer von zehn Betroffenen wurde zu sexuellen Handlungen aufgefordert, vor fünf Prozent wurde sich schon unerwünscht entblößt.

Sexuelle Belästigung im Job ist ein gravierendes Problem und kann für die Betroffenen schwerwiegende Folgen haben.
Bernhard Franke, Antidiskriminierungsstelle

"Sexuelle Belästigung im Job ist ein gravierendes Problem und kann für die Betroffenen schwerwiegende Folgen haben", warnt Bernhard Franke, der kommissarische Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Viele Betroffene beschreiben die Belästigung als erniedrigend, belastend oder sogar bedrohlich. Laut Studie sind die deutlich unzufriedener mit ihrem Job und haben stärkere gesundheitliche Probleme.

Kunden sind Haupttäter

Dabei ist es laut den Forschern nicht wichtig, in welcher Branche man arbeitet. Überall bestehe ein Risiko der sexuellen Belästigung. Besonders betroffen ist allerdings das Gesundheits- und Sozialwesen - eine Branche, in der es viel Kontakt mit Patienten gibt.

Denn am häufigsten werden die Betroffenen von Patienten, Kunden und Klienten sexuell belästigt. Über die Hälfte gab diese Gruppe als Täter an - auch hier sind Frauen stärker betroffen als Männer.

"Wenn Kundinnen und Kunden belästigen, müssen Arbeitgeber sofort einschreiten, um ihre Beschäftigten zu schützen", sagt Bernhard Franke, der Leiter der Antidiskriminierungsstelle. Belästigung dürfe "im Gastronomiebereich oder Einzelhandel nicht zum "Berufsrisiko" bagatellisiert oder ignoriert werden.

Betroffene wehren sich mit Worten, aber nicht mit Taten

Häufig wehren sich laut Studie die Betroffenen zwar mit Worten, jedoch selten mit Taten. Nur in vier von zehn Fällen wenden sie sich an Kollegen, Vorgesetzte oder Ansprechpersonen im Betrieb. Nur 23 Prozent beschweren sich offiziell, vier Prozent suchen sich externe Hilfe bei therapeutischen Einrichtungen, ein Prozent leitet rechtliche Schritte ein.

Viele wüssten nicht über ihre Möglichkeiten Bescheid - 40 Prozent der Befragten kannten beispielsweise die Beschwerdestelle auf ihrer Arbeit überhaupt nicht. Außerdem fürchten sie mangelnde Anonymität oder haben Angst vor negativen Folgen - gerade, wenn es sich bei den Tätern um Vorgesetzte handelt.

Unternehmen müssen handeln

Immerhin jede vierte Betroffene berichtet von übergriffigen Vorgesetzten - in solchen Situationen sei es besonders schwer, sich gegen sexuelle Belästigung zur Wehr zu setzen.

Bernhard Franke fordert deshalb Unternehmen auf, feste Ansprechpersonen und verpflichtende Schulungen für Führungskräfte anzubieten. "Es liegt im Interesse der Unternehmen, hier durch klare Richtlinien und Maßnahmen einzugreifen, damit sexuelle Belästigung verhindert wird."

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