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Vorwürfe gegen Filmproduzenten - Tarantino bedauert Schweigen im Fall Weinstein

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Dutzende Frauen erheben Vorwürfe gegen Harvey Weinstein, die Polizei ermittelt gegen den Filmproduzenten wegen sexueller Übergriffe. Der amerikanische Star-Regisseur Quentin Tarantino räumte ein, schon lange von Belästigungen gewusst zu haben: "Ich wusste genug, um mehr zu tun, als ich getan habe."

Er hatte die berühmte „Besetzungs-Couch“ und führte jahrelang ein Doppelleben: Hollywood-Filmproduzent Harvey Weinstein. Immer mehr Frauen erzählen ihre Geschichten von seinen sexuellen Übergriffen. Wer wusste davon und warum sprechen Opfer erst jetzt?

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Der Oscar-Preisträger Quentin Tarantino hat nach eigenen Worten seit vielen Jahren von den Missbrauchs- und Vergewaltigungsvorwürfen gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein gewusst. "Ich wusste genug, um mehr zu tun, als ich getan habe", sagte der US-Regisseur im Interview mit der "New York Times".  "Da war mehr dran als an normalen Gerüchten, dem normalen Geschwätz. Das war nicht aus zweiter Hand. Ich wusste, dass er einige solche Sachen gemacht hat." Die Reaktion des Hollywood-Stars war mit Spannung erwartet worden.

Vorwürfe von mehr als 40 Frauen

Die "NYT" und das Magazin "New Yorker" hatten Anfang Oktober enthüllt, dass Weinstein über Jahrzehnte Frauen sexuell belästigt oder sogar vergewaltigt haben soll. Seither meldeten sich mehr als 40 Schauspielerinnen und Models mit entsprechenden Vorwürfen zu Wort, darunter Stars wie Angelina Jolie und Gwyneth Paltrow sowie Mira Sorvino, eine ehemalige Freundin von Tarantino.

Er habe lange vor den Enthüllungen der Zeitungen von Weinsteins Fehlverhalten gewusst, sagte der 54-Jährige der "New York Times". Seine Ex-Freundin Mira habe ihm von unsittlichen Berührungen Weinsteins erzählt. Eine andere Schauspielerin habe Jahre später ähnliche Vorwürfe erhoben.

Er habe auch von einer gütlichen Einigung zwischen der Schauspielerin Rose McGowan und Weinstein gewusst. In einer Reihe von Fällen soll Weinstein Frauen mit Geldzahlungen zum Stillschweigen gebracht haben.

Vorwürfe "heruntergespielt"

Er selbst habe die Vorwürfe "heruntergespielt" und als schlechtes Benehmen abgetan, räumte Tarantino ein. "Alles, was ich jetzt sage, wird wie eine beschissene Entschuldigung klingen." Eigentlich hätte er mit Weinstein nicht mehr zusammenarbeiten dürfen.

Tatsächlich aber arbeitete Tarantino jahrzehntelang mit dem Filmproduzenten zusammen. Ihre erste gemeinsame Produktion war "Reservoir Dogs" im Jahr 1992, später folgten "Pulp Fiction", "Kill Bill", "Inglorious Basterds" und "The Hateful Eight".

Polizei in L. A. ermittelt

Die Polizei in Los Angeles teilte unterdessen mit, sie ermittle gegen Weinstein wegen einer mutmaßlichen Vergewaltigung im Jahr 2013. Die Aussage des mutmaßlichen Opfers sei aufgenommen worden, sagte der Polizeisprecher Drake Madison. "Der Fall wird untersucht."

Den Namen des Opfers nannte der Sprecher nicht, Medienberichten zufolge soll es sich um eine auch als Fotomodell arbeitende italienische Schauspielerin handeln. Die Zeitung "Los Angeles Times" berichtete, die Frau sei am Donnerstag mehr als zwei Stunden lang befragt worden.

Die Zeitung zitierte die Frau mit den Worten, Weinstein habe sich im Jahr 2013 gewaltsam Zugang zu ihrem Hotelzimmer in Los Angeles verschafft. Er sei schnell aggressiv geworden, habe sie an den Haaren gezogen und sie schließlich im Bad vergewaltigt.

Es handelt sich um den sechsten Vergewaltigungsvorwurf gegen den Produzenten. Zuvor hatten bereits fünf Frauen Weinstein der Vergewaltigung beschuldigt. Auch in New York und Großbritannien wurden Ermittlungen wegen der Vorwürfe eingeleitet.

Schauspielerin Nyong'o berichtet von Belästigungen

Am Donnerstag erhob auch die Oscar-prämierte Schauspielerin Lupita Nyong'o Vorwürfe gegen den Filmproduzenten. Weinstein habe sie zu sich nach Hause eingeladen als sie noch die Schauspielschule besuchte, schrieb Nyong'o in der "New York Times". Weinstein habe sie gefragt, ob er sie massieren dürfe, sie habe abgelehnt, aber ihn massiert, um "die Kontrolle zu behalten".

Er habe versucht, seine Hose auszuziehen. Nachdem sie mehrfach protestierte, sei sie gegangen. Auch in den Jahren danach habe sie Begegnungen gehabt. Sie habe ein Angebot für einen Film von Weinstein abgelehnt, so die Schauspielerin.

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