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#ZDFcheck17 - Diskussion um sexuelle Übergriffe von Flüchtlingen

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In der ZDF-Sendung „Klartext, Herr Schulz!“ sorgt eine Zahl für Verwirrung. Angeblich sei die Zahl von Sexualdelikten, die Flüchtlinge verübt haben, drastisch gestiegen. Es ist von einem Anstieg um 500 Prozent die Rede. Eine Zahl, die eingeordnet werden muss.

Bürger fragen den SPD-Kanzlerkandidaten. Themen: Integration, innere Sicherheit, soziale Gerechtigkeit, Flucht, Arbeit und Wirtschaft, EU und Europa.

Beitragslänge:
93 min
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„Das BKA hat im April einen Jahresbericht veröffentlicht, wo in den letzten vier Jahren die sexuellen Übergriffe usw. durch Flüchtlinge um 500 Prozent gestiegen sind.“

Mit dieser Information konfrontiert eine Zuschauerin in der Livesendung den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz. Ungläubiges Staunen bei Schulz. Er will von der Zuschauerin wissen, woher sie diese Zahl habe. "Aus dem Internet", so ihre schnelle Antwort und übergibt Schulz einen Ausdruck. Eine Überprüfung vom #ZDFcheck17-Team ergibt, dass zahlreiche Textstellen zu finden sind, in denen wortgleich das Argument zu finden ist. Viele Seiten sind dem rechten Spektrum zuzuschreiben.

Straftaten von Flüchtlingen

Deutschland sei ein gefährliches Pflaster, und Schuld daran seien die vielen Flüchtlinge – diese Argumente nutzen Rechtspopulisten immer wieder im Wahlkampf. Sie belegen dies mit Zahlen. Die Kriminalitätsstatistik und vor allem die Interpretation der Statistik sind allerdings kompliziert. Und am Beispiel der Sexualdelikte lässt sich das exemplarisch zeigen.

Die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (so die offizielle Bezeichnung in der Kriminalitätsstatistik), die von Zuwanderern verübt wurden, ist seit 2012 tatsächlich stark gestiegen. Im sogenannten Bundeslagebild „Kriminalität im Kontext von Zuwanderung“ nennt das BKA die Zahl der aufgeklärten Fälle von 2012 bis 2016, also über einen Zeitraum von fünf Jahren. Zu den „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmungen“ gehören zum Beispiel sexuelle Nötigung, Vergewaltigungen oder exhibitionistische Handlungen.

Interpretation der Statistiken

2012 lag die Zahl der aufgeklärten Fälle, bei denen mindestens ein tatverdächtiger Zuwanderer beteiligt war, bei 645. Bis zum Jahr 2016 stieg die Zahl an – auf 3.404. Die absolute Fallzahl ist also stark gestiegen, um 428 Prozent. Im selben Zeitraum stieg die Zahl der Sexualdelikte insgesamt von 36.001 auf 37.442. Das Problem: über die tatsächliche Kriminalitätsbelastung sagt das so viel nicht aus. Denn zwischen 2012 und 2016 sind eben auch viele Zuwanderer nach Deutschland gekommen. Und mehr Menschen heißt auch immer: mehr Kriminalität. In der Kriminalitätsstatistik wird deshalb die sogenannte Häufigkeitszahl errechnet.

Die gibt an, wie viele Fälle pro 100.000 Einwohner erfasst werden. Schaut man sich also die Zahl der Straftaten von Zuwanderern an, müssten die Straftaten pro 1.000.000 Zuwanderer errechnet werden. Laut BKA-Lagebild fehlt ein solcher Referenzwert aber. „Deshalb lassen sich keine belastbaren Aussagen zur Kriminalitätsbelastung der Gruppe der Zuwanderer treffen, insbesondere nicht im Verhältnis zur Kriminalitätsbelastung der deutschen Wohnbevölkerung“, schreibt das BKA im erwähnten Bundeslagebild.

Täter und Opfer

Hinzu kommt, dass Flüchtlinge nicht nur Täter, sondern auch Opfer sein können. In 79 Prozent der Fälle, in denen ein Flüchtling Opfer einer Straftat wurde, war mindestens ein Zuwanderer tatverdächtig. Betrachtet man nur die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung wurden 486 Flüchtlinge Opfer eines Sexualdelikts, bei dem mindestens ein Tatverdächtiger ein Zuwanderer ist.

#ZDFcheck17-Fazit: Die Zahl der Sexualdelikte, die von Zuwanderern verübt wurden, ist in den vergangenen Jahren tatsächlich gestiegen. Über die Kriminalitätsbelastung sagt das erst einmal aber nichts aus. Grund für den Anstieg können eine höhere Zahl an Zuwanderern insgesamt sowie eine Zunahme der absoluten Zahl von Sexualdelikten von Flüchtlingen untereinander sein.

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