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Venezuela - Showdown in Caracas

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Straßenschlachten und Massenflucht: Venezuela, das Land mit den größten Ölreserven, droht in einem Bürgerkrieg zu versinken, denn Präsident Maduro strebt nach einer Art sozialistischen Diktatur. Kurz vor seiner geplanten Verfassungsreform erließ er nun ein Demonstrationsverbot.

In Venezuela hat die Opposition zu weiteren Demonstrationen gegen Präsident Maduro aufgerufen. Dabei kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei.

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Wer Mikado spielt, braucht ein ruhiges Händchen im Umgang mit den Holzstäbchen. Eine falsche Bewegung und alles ist verloren. Eine besonders fragile Variante des Mikados wird seit 120 Tagen in Venezuela gespielt. Das Königsstäbchen, die Macht, liegt noch beim Präsidenten, Nicolás Maduro. Doch mit aller Macht versucht die Opposition ihn zur falschen Bewegung, zur Niederlage zu treiben.

Säbel statt Stäbchen

Der frühere Busfahrer will aber nicht weiterspielen, er hat sich dazu entschlossen, die Spielregeln außer Kraft zu setzen. Statt zu den Stäbchen greift er nun zum Säbel - er bezichtigt die Opposition eines Putschversuches, zusammen mit den USA. Als US-Präsident Donald Trump 13 Funktionäre der Sozialisten mit Sanktionen belegen und US-Konten einfrieren ließ, schenkte Maduro allen 13 eine Replik eines Säbels von Simón Bolívar, dem Befreier von der spanischen Kolonialmacht.

In einem seiner wenigen Interviews sagte er dem russischen Sender RT dazu: "Wenn Venezuela gespalten wird, wenn die sozialistische Revolution gezwungen ist, zu den Waffen zu greifen, werden wir über die Grenzen hinaus wieder unter gemeinsamer Flagge kämpfen." Trump ist der beste Gegner, den Maduro sich gerade wünschen kann, weil er das eigene Lager schließt - rund 500.000 Milizen hat er bewaffnen lassen. Die Wahrheit ist: Venezuela ist längst gespalten, und zwar auf erbitterte Weise. Schlägerbanden greifen auf Motorrädern immer wieder Demonstranten an, sogar das Parlament wurde zuletzt gestürmt.

Opposition befürchtet Diktatur

Mit dem Säbel will Maduro zur Rettung des Sozialismus die Verfassung rasieren, die Verfassung, die von seinem Mentor und Vorgänger Hugo Chávez entworfen und vom Volk beschlossen worden ist. Am Sonntag werden die 545 Mitglieder gewählt, die die neue Verfassung erarbeiten sollen. Per Dekret hat der Mann mit dem Schnauzer festgelegt, dass die Mehrheit "Volksvertreter" sein sollen, die den Sozialisten nahestehen, auch seine Frau Cilia Flores steht zur Wahl. Ihm geht es um eine Einschränkung des Parlaments, wo das Oppositions-Bündnis Mesa de la Unidad Democrática (MUD) die Mehrheit hat. Maduro könnte durch Aufhebung der Gewaltenteilung eine Diktatur errichten, so der MUD.

Mehr als 100 Tote hat der Machtkampf bereits gefordert. Selbst der Vatikan ist mit einer Vermittlung gescheitert. Mit dem Säbel rasseln inzwischen auch die Gegner, gerade die jungen Demonstranten werden immer militanter, zudem gibt es keinen klaren Führungskopf in der Opposition. Vielleicht war es ein kluger Schachzug, den inhaftierten Chef der Partei Voluntad Popular, Leopoldo López, in den Hausarrest zu entlassen. Er macht nun Henrique Capriles, der Maduro 2013 nur ganz knapp bei der Präsidentschaftswahl unterlegen war, die Führungsrolle streitig. Es gibt auch Konflikte über die Taktik.

Bürgerkrieg befürchtet

Wenn die Verfassung hin zu einem diktatorischen Modell geändert wird, kann ein Bürgerkrieg ausbrechen, wird befürchtet. Oder aber die Opposition kann resignieren und ein Exodus setzt ein. Die USA haben die Familien von Diplomaten aufgefordert, das Land zu verlassen. Die USA drohen bei Durchführung der Wahl, die die Opposition boykottiert, mit dem Stopp der Ölimporte, sie sind größter Abnehmer. Das würde aber am Ende auch das Elend der normalen Bevölkerung weiter vergrößern.

Maduro hat nicht das Charisma des 2013 verstorbenen Chávez, aber bei den Armen, die durch die Sozialisten erstmals echte Unterstützung erfuhren, viel Rückhalt. Er hatte das Pech, dass der Ölpreis auf 30 Dollar abrauschte, 95 Prozent der Exporteinnahmen kommen vom Öl.

Sein Trumpf: Er alimentierte gezielt das Militär, das weite Zweige der Wirtschaft dominiert. Aber da der Bolivar dramatisch an Wert verliert und hohe Schulden zu bedienen sind, fehlen Gelder, um Lebensmittel- und Medizinimporte zu bezahlen. Das spürt das Volk.

Hunderte suchen im Müll nach Lebensmitteln

Auf den Müllkippen um Caracas sind in der Abenddämmerung Hunderte Menschen zu sehen, die mit der einen Hand im Müll nach Essen suchen und mit der anderen die Geier verscheuchen. Die Kindersterblichkeit ist um 30 Prozent gestiegen. Als Gesundheitsministerin Antonieta Caporale diese Zahlen im Mai veröffentlichte, wurde sie gefeuert.

Es ist ein Drama. Das Land mit den größten Ölreserven: ruiniert. Um einen Eindruck der Tragödie zu bekommen, empfiehlt sich eine Reise an die Grenzbrücke Simón Bolívar im kolumbianischen Cucuta. "Am Montag haben wir den Grenzübertritt von 26.000 Personen registriert", sagt der Direktor der kolumbianischen Migrationsbehörde, Christian Krüger.

Sie kaufen dort massenhaft Lebensmittel ein, Frauen lassen sich sogar die Haare abschneiden, dafür gibt es 20 bis 30 Euro. In Medellín und Cali werden damit natürliche Haarverlängerungen gemacht. Zwar gehen die meisten wieder zurück nach Venezuela, aber mittlerweile leben 250.000 Venezolaner illegal in Kolumbien. Und je nachdem, wie das Macht-Mikado von Caracas ausgeht, könnte das erst der Anfang sein.

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