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Shutdown in New York - "Eine nationale Schande"

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Seit drei Wochen herrscht Regierungsstillstand in den USA. New Yorker und Touristen haben davon bisher wenig gespürt. Viele haben allerdings die Nase voll - vom Präsidenten.

Freiheitsstatue bleibt geöffnet während des "Shutdowns"
Freiheitsstatue bleibt geöffnet während des "Shutdowns"
Quelle: ap

"Das Museum bleibt heute wegen des Shutdowns geschlossen", steht auf dem Schild am Eingang des National Museum of the American Indian. Der Platz vor dem historischen Gebäude ist menschenleer.

Shirley vor dem National Museum of the American Indian
Shirley vor dem National Museum of the American Indian.
Quelle: ZDF/Maya Dähne

Ein paar Meter weiter stehen Touristen Schlange, um Selfies mit dem berühmten Bronze-Bullen der Wall Street zu schießen. Shirley, eine New Yorker Rentnerin, steht kopfschüttelnd vor den verschlossenen Türen des Museums. Eigentlich wollte sie den eisigen Nachmittag im warmen Museum verbringen. "Es ist eine nationale Schande, dieser Shutdown." Sie zieht sich die Kapuze ihrer Winterjacke ins Gesicht. "Aber was will man von diesem Präsidenten erwarten. Ein Vollidiot", schimpft sie. "Ich bin jetzt 66 Jahre alt, aber sowas habe ich noch nie erlebt."

Fackel der Freiheitsstatue brennt weiter

Ein paar Straßenblocks weiter stehen auch Daniela und Radko vor verschlossenen Türen. Die beiden sind aus der Slowakei für eine Woche nach New York gereist. "Warum ist hier zu", ratlos rütteln sie an der Tür und versuchen das Schild zu übersetzen. "Shutdown? Ach so, wegen dieser Mauer an der mexikanischen Grenze." George Washington wurde hier in der Federall Hall als erster Präsident der USA vereidigt. Radko schaut an der Statue hoch. "Was der wohl zum Shutdown gesagt hätte?" Morgen wollen die beiden mit der Fähre nach Ellis Island und zur Freiheitsstatue fahren. Beide Sehenswürdigkeiten sind Nationaldenkmäler und wären deshalb eigentlich ebenfalls vom Shutdown betroffen. Der Gouverneur von New York hat aber gerade versichert, dass "die Fackel der Freiheitsstatue weiterbrennt." Stolze 65.000 Dollar zahlt der Bundesstaat New York jeden Tag, um Ellis und Liberty Island offen zu halten.

Alan und Janet aus New Orleans
Alan und Janet aus New Orleans.
Quelle: ZDF/Maya Dähne

Der Ticketschalter im Castle Clinton am Battery Park ist deshalb weiterhin geöffnet. Die Station der US-Küstenwache am Hafen dagegen ist verwaist. Mitarbeiter der Coast Guard befinden sich seit Beginn des Shutdown am 22. Dezember im Zwangsurlaub oder müssen unbezahlt weiterarbeiten. Auch Angestellte der Flugsicherheitsbehörde TSA am LaGuardia und John F. Kennedy Flughafen sind betroffen. "Viele Familien stecken finanziell ganz schön in der Patsche", sagt Alan, ein pensionierter Pilot. Er ist mit seiner Frau Janet gerade für ein paar Tage in New York. "Als wir in New Orleans am Flughafen eingecheckt haben ist mir aufgefallen, wie lax die Sicherheitsvorkehrungen waren", sagt Janet. "Und die Warteschlangen waren länger als sonst."

Lebensmittelmarken noch bis Februar

Nach East Harlem, 15 Kilometer weiter nördlich, verirren sich kaum Touristen. Hier liegt das Manhattan Food Stamp Center. Bedürftige können Anträge auf Zuschüsse für Lebensmittel stellen. Die Mehrheit der Menschen, die hier Hilfe suchen, ist schwarz. Einer von fünf New Yorkern ist auf Lebensmittelmarken angewiesen. Die Farbe am Gebäude in der 125. Straße blättert ab. Die Glastür klemmt, ist aber offen. Das Ernährungs-Programm SNAP ist vorerst nicht vom Shutdown betroffen. Bis Februar wird das Geld reichen.

Ganz in der Nähe der Sozialbauviertel in Harlem hat einer der Gründerväter der USA, Alexander Hamilton gelebt. In sein ehemaliges Wohnhaus, das heute nationale Gedenkstätte ist, verirren sich nur selten Besucher. Am Zaun hängt ein Schild. "Geschlossen". Eine Schulklasse schlendert am Gebäude vorbei. "Wer da gewohnt hat? Keine Ahnung." Den Namen Alexander Hamilton immerhin kennen sie. "Das ist doch der aus dem Musical, unten am Broadway. Da kostet ein Ticket mehrere Hundert Dollar - völlig verrückt."

Regierungsgelände: Betreten verboten

Radfahrer in Harlem
Radfahrer in Harlem. Auf dem Schild an seinem Lenker steht "Trump und Pence müssen weg".
Quelle: ZDF/Maya Dähne

Am Ufer des Hudson, an General Grant’s Tomb, ist ebenfalls kein Tourist zu sehen. Metallbarrieren zäunen das Mausoleum ein, in dem der ehemalige US-Präsident Ulysses S. Grant bestattet ist: "Betreten Verboten. Regierungsgelände". "Keine Ahnung, warum das heute geschlossen ist", brummt eine genervte Polizistin durch das halbgeöffnete Fenster ihres Streifenwagens. "Das hat mit dem verflixten Shutdown zu tun", meint Matt, der trotz der Eiseskälte mit seinem Rad unterwegs ist. "Vielmehr als dieser Regierungs-Shutdown interessiert mich im Moment allerdings mein eigener Shutdown hier", sagt er und zeigt auf sein Rad. Der hintere Reifen ist platt.

Zurück auf der 125. Straße, steht ein anderer Radfahrer an der Ampel und winkt. "Trump und Pence müssen weg", steht am Lenker seines Fahrrads. "Vorsatz für das neue Jahr", sagt er und grinst.

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