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Achtjähriger von Zug überrollt - Radek: Besonnenheit statt schneller Lösungen

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Nach dem Tod eines vor einen Zug gestoßenen Kindes in Frankfurt wird über die Sicherheit an Bahnhöfen diskutiert. Im ZDF mahnt die Gewerkschaft der Polizei zur Besonnenheit.

Man dürfe mit der Diskussion um Sicherheit an Bahnsteigen keine "Nachahmungstäter provozieren", so Polizeihauptkommissar Jörg Radek nach der tödlichen Attacke in Frankfurt am Main.

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Ein Mann stößt einen achtjährigen Jungen vor einen einfahrenden ICE in den Tod. Die zweite tödliche Tat dieser Art an einem Bahngleis in nur zehn Tagen. Die politische Diskussion über die Sicherheit an deutschen Bahnhöfen nimmt Fahrt auf.

Die besondere Tragik dieser Tat sollte uns zu Besonnenheit mahnen.
Jörg Radek, Stv. Vorsitzender GdP

Der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, mahnte im ZDF-Morgenmagazin: "Die besondere Tragik dieser Tat sollte uns zu Besonnenheit mahnen, wer jetzt mit schnellen Lösungen kommt, muss sich fragen lassen, warum diese Lösungen in der Vergangenheit nicht installiert wurden." Solche "grauenhafte Verbrechen" würden sich nicht durch mehr Polizisten verhindern lassen.

Bahnsteigkarten und Sperren an den Bahnsteigen

"Lösungen beginnen bei sogenannten Bahnsteigkarten, die die Berechtigung zur Betretung der Bahnsteiganlagen zulässt, aber diese müssten überprüft werden," schlägt Radek im ZDF vor. Man könne über technische Sperren direkt auf dem Bahnsteig nachdenken, allerdings hätten die Bahnhöfe in Deutschland sehr gewachsene Strukturen und enge Räume. Die Sperren würden den Zugang zu Gleisen erst ermöglichen, wenn der Zug bereits steht. Solche Vorrichtungen gebe es etwa an bestimmten Gleisen in Londoner Bahnhöfen.

Bauliche Maßnahmen müssten aber abgestimmt sein auf die Situation, die es auf deutschen Bahnhöfen gebe, so Radek. "Ich denke an Bahnhöfe wie Hamburg oder Hannover, die eine ganz besondere Enge haben. Wir haben in Deutschland kaum Neubauten. Wir haben gewachsene Strukturen in historischen Bahnhöfen, wir haben Kreuzungsbahnhöfe, das muss damit einhergehen, wenn man über solche technische Maßnahmen nachdenkt."

Die Deutsche Bahn erklärte gegenüber "Bild", die Forderungen, Bahnsteige nur noch für Ticketinhaber betretbar zu machen, seien zwar nachvollziehbar. Dies würde aber Hunderte Millionen Euro kosten und zu Schlangen an den Bahnsteigen führen. Auch der Fahrgastverband "Pro Bahn" erklärte, eine solche Forderung sei "logistisch kaum umzusetzen".

Beratung über geeignete Maßnahmen

Ich finde es ein richtiges Signal, dass der Innenminister auf solch ein besonderes Ereignis besonders reagiert.
Jörg Radek, Stv. Vorsitzender GdP

Innenminister Horst Seehofer hat seinen Urlaub abgebrochen und trifft sich heute mit den Sicherheitsbehörden, um über die Sicherheit an deutschen Bahnhöfen zu sprechen. Anschließend soll die Öffentlichkeit informiert werden.

"Ich finde es ein richtiges Signal, dass der Innenminister auf solch ein besonderes Ereignis besonders reagiert, und dass man jetzt berät, wie eine Strategie aussehen kann," sagte Radek.

Der CDU-Innenpolitiker Philipp Amthor sagte: "Nach dieser furchtbaren Straftat braucht es jetzt rasche und spürbare Konsequenzen für den Täter. Zusätzlich zum Strafverfahren sollten auch aufenthaltsbeendende Maßnahmen diskutiert werden. Darüber hinaus bin ich offen für eine Diskussion über bessere Sicherheitsvorkehrungen an unseren Bahnhöfen."

Der SPD-Verkehrspolitiker Martin Burkert bemängelte in der "Bild"-Zeitung eine unzureichende Aufsicht an den Bahnsteigen. Zudem fehle es an den Bahnhöfen an Bundespolizisten. Einen Umbau der Bahnhöfe halte er aber nicht für nötig, sagte Burkert. "Es würde erstmal reichen, wenn wieder Normalität durch Polizei und Aufsicht geschaffen würde."

Herbst: Videoüberwachung und mehr Sicherheitspersonal

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst sagte der "Bild"-Zeitung, eine "noch gezieltere Videoüberwachung und mehr Sicherheitspersonal auf den Bahnhöfen" würden das Sicherheitsniveau erhöhen. Absolute Sicherheit werde es aber nie geben.

Die Grünen-Verkehrspolitikerin Valerie Wilms rief Fahrgäste dazu auf, sich niemals zu nah an ein Gleis begeben. "Wenn sich alle an die Regeln halten, reichen diese Maßnahmen für eine sichere Benutzung der Bahnsteige aus", sagte sie der "Bild"-Zeitung.

Ein Mann hatte am Montagvormittag am Frankfurter Hauptbahnhof einen Achtjährigen und seine Mutter ohne erkennbares Motiv vor einen einfahrenden ICE gestoßen. Das Kind starb, die Mutter konnte sich retten. Politiker äußerten sich parteiübergreifend entsetzt. Der mutmaßliche Täter, ein 40-jähriger eritreischer Staatsbürger, wurde nach kurzer Flucht von Passanten überwältigt.

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