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Sicherheit an Bahnhöfen - Schlauer bauen, besser organisieren

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Menschenmassen und Gedränge am Bahnsteig, zu wenig Informationen über ausfallende Züge - wie auch die Pünktlichkeit von Zügen die Sicherheit an Bahnhöfen beeinflussen kann.

ice am bahnhof warschauer strasse in berlin
Insbesondere auf die Infrastruktur und die Organisation kommt es bei der Sicherheit an deutschen Bahnhöfen an.
Quelle: dpa

Deutschlands Bahnhöfe sollen sicherer gemacht werden. Wie das gelingen kann, wollte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) heute mit Vertretern der Deutschen Bahn beim Gespräch in Berlin erarbeiten. Nach der Tat in Frankfurt, bei der ein Junge und seine Mutter vor einen einfahrenden Zug gestoßen wurden, hatte Seehofer unter anderem eine größere Polizeipräsenz verlangt. Doch darüber hinaus gebe es noch weitere Sicherheitslücken, die sich durch eine bessere Organisation schließen ließen und somit auch das tägliche Leben am Bahnhof sicherer gestalten, meinen Experten.

Also, wo genau hapert es bei der Sicherheit an deutschen Bahnhöfen? "Eines der größten Probleme an deutschen Bahnhöfen ist die Alltagsunordnung, also wenn viele Menschen aufeinander treffen", meint Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn. Hier sollte die Bahn sich besser organisieren. Durch Unpünktlichkeit und unzureichende Informationen für die Passagiere sei mehr Bewegung an den Bahnhöfen als notwendig, so Naumann. Denn wenn die Züge pünktlicher wären, wären auch weniger Menschen auf den Bahnsteigen. Das Ergebnis: weniger Gedränge, eine geringere Sturzgefahr und weniger Taschendiebstähle.

Polizeipräsenz in Flächenländern erforderlich

Archiv: Ein Beamter der Bundespolizei arbeitet an einem Videoarbeitsplatz, aufgenommen am 13.12.2017
Videoaufzeichnungen können bei der Aufklärung von Unfällen helfen. Nur wenn etwas passiert, dürfen sie angesehen werden und in der Regel müssten sie nach drei Tagen gelöscht werden, fordert Karl-Peter Naumann.
Quelle: dpa

Die Bahn müsste auch genauere und besser zugängliche Informationen über eine geänderte Wagenreihung und Verspätungen liefern. Mehr Sicherheit ließe sich auch durch die Kopplung von Überwachungskameras mit Notrufsäulen erreichen, wie es bereits bei der Hochbahn in Hamburg der Fall sei, meint Karl-Peter Naumann. Sobald der Notrufknopf an der Säule gedrückt werde, aktiviere sich die Kamera am Bahnsteig und die Sicherheitszentrale habe dann schnell die Möglichkeit, Polizei oder Krankenwagen zu rufen.  

Bundespolizei am Frankfurter Bahnhof
Bundespolizei am Frankfurter Bahnhof
Quelle: dpa

Und genau bei Unfällen an Bahnhöfen in den Flächenbundesländern gehe es eben oftmals nicht schnell genug, meint neben Pro Bahn auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP). Denn dort wurde massiv Personal abgezogen, während die Präsenz an den Knotenpunkten verstärkt wurde, so GdP-Vizechef Jörg Radek. "Für Thüringen beispielsweise haben wir eine Bahnpolizeiinspektion, die für die gesamte Fläche des Bundeslandes zuständig ist." Das könne zu längeren Anfahrtswegen führen, wenn beispielsweise spielende Kinder auf Gleisanlagen gemeldet würden. Radek forderte Innenminister Seehofer auf, "diese Fehlentwicklung" zu korrigieren.

Ausländische Modelle nicht in Deutschland umsetzbar

Damit Menschen gar nicht erst auf die Gleise geraten, sind die Bahnhöfe im Ausland mit eigenen Modellen ausgestattet: von Glaswänden über Sicherheitsbarrieren am Bahnsteig oder zusätzlichem Personal.

Doch die Systeme im Ausland ließen sich nicht ohne weiteres auf deutsche Eisenbahnen und Bahnhöfe übertragen. "Wer jetzt mit schnellen Lösungen kommt, muss sich fragen lassen, warum diese Lösungen nicht in der Vergangenheit installiert wurden", hatte Jörg Radek bereits im Juli im ZDF-Morgenmagazin gesagt. Es sei kompliziert, über 5.600 Bahnhöfe zu sichern bei zwei Milliarden Reisenden pro Jahr. Das sieht Klaus-Peter Naumann ähnlich. Glaswände zum Beispiel funktionierten nur bei automatischen U- oder S-Bahn-Systemen wie in der Pariser Metro. "Das Problem bei den Eisenbahnen ist aber, dass es viele verschiedene Zugtypen gibt, da ist es schwer, Halte- und Einstiegspunkte anzupassen."

Best-practice in Zürich

An den Bahnhöfen könne man jedoch baulich einiges verändern: zusätzliche Treppen, die den Verkehrsströmen entsprechen oder Bahnsteigverlängerungen etwa. Ein Referenzbeispiel: der Zürcher Bahnhof, der unter dem Hauptbahnhof einen weiteren S-Bahnhof beherbergt sowie nachträglich angebaute Schienen für den Fernverkehr. Ob solche Ansätze auch in Horst Seehofers Gesprächrunde über die deutsche Bahnhofssicherheit diskutiert wurden, ließen Bundesinnenministerium und Deutsche Bahn auf Anfrage unbeantwortet.

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